Sulzbach-Saar in alten Ansichten Band 2

Sulzbach-Saar in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Karl Ludwig Jüngst und Dieter Staerk
Gemeente
:   Sulzbach-Saar
Provincie
:   Saarland
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3737-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Sulzbach-Saar in alten Ansichten Band 2'

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29. Die untere Bahnhofstraße bot um 1900 noch ein fast ländliches Bild, obwohl die Straße längst gepflastert war. Aber pferdefuhrwerke gehörten in der Vorautomobilzeit zum Alltag. Wir blicken etwa vom Haus des späteren Bierverlags Schwickert <30> abwärts und erkennen (hinter dem Fuhrwerk) einen hölzernen Schuppen und als anschließendes Haus jene alte sogenannte Zehntscheuer <9>. Es folgen die Häuser oberhalb und unterhalb (HausVivroux) der Einmündung der Klosterstraße [Familienbuch, S. 777, Haus Nr. 1] . Die Bahnhofstraße (die damals eigentlich noch Quierschieder Weg hieß) erlebte ihren baulichen und verkehrsmäßigen Aufschwung erst mit dem Bau der Eisenbahn bzw. des Bahnhofs um die Mitte des 19. Jahrhunderts <25>.

3 O. Das gleiche Stück der unteren Bahnhofstraße kurz nach dem Zweiten Weltkrieg - hier aus der Perspektive 'von unten'. Auch damals stand noch die Zehntscheuer <9>, doch war der große Holzschuppen <29> schon durch ein Wohn- und Geschäftshaus ersetzt. Links im Hintergrund (mit halbem Giebel zu sehen) der Bierverlag Schwickert und davor die 'Inspektion' der Saargrubenverwaltung, die damals (wegen der französischen Besatzung) 'Régime des mines de la Sarre' hieß. Dementsprechend sehen wir auch rechts (unterhalb der Klosterstraßeneinmündung) vor dem Haus Vivroux einen Lieferwagen mit einem Kennzeichen, das mit OE (Occupation Est) endet. Die Beeinflussung der Einwohner seitens der Besatzer in Richtung französischer Kultur betrachten wir aus heutiger europäischer Sicht positiver als die damalige Bevölkerung. Sie verstand das noch als eine Art 'Kolonialisierung', weshalb auch die SulzbacherVerwaltung die Gründung eines (französischen) Kulturinstituts unterlief [Trapp in Ortschronik, S. 37 SJ.

31. Die Straße 'Auf der Schmelz' ist neben der Hauptstraße und dem Weg nach Quierschied eine der ältesten in Sulzbach, ist schon auf derWiesenkarte von 1727/28 eingetragen [Jüngst-Kipper in Ortschronik, S. 228]. Hier ging es zum alten Salzgewinnungsgelände <2> und von hier gelangte man nach Neuweiler, zur Blaufabrik < 1 0> und nach St. Ingbert. Rechts vorne das inzwischen verschwundene Haus Simon, dann nach dem Einschnitt des Bachlaufes die Häuser der ehemaligen Metzgerei Beerstecher, Gasthaus Blinn un Bäckerei Frank/Scherf Im Hintergrund die evangelische Kirche. Links im Mittelgrund (unterhalb des 'unteren Marktes, hinter dem Sulzbach) das Haus und Werksgelände des Architekten und Zimmermeisters Mettger.

32. 'AufLiebergallshaus' gab es - vor der Fassung und Begradigung des Sulzbachs - rund alle Jahrzehnte einmal eine Überschwemmung, hier eine in den zwanziger Jahren, die letzte beim großen Saarhochwasser 1948. Wir sehen das Eckhaus 'Liebergallshaus-Schlachthofstraße'. Der Straßenname geht zurück auf Johann Magnus Liebergall, der (als Sohn eines pfälzischen Pfarrers) 1 765 erstmals auf dem Sulz bacher 'Harzwerk' auftrat und in die Alt-Sulzbacher Familie Schneider einheiratete. Auf diesem Harzwerk (beim Appoltschen Herrenhaus am Weg nach Neuweiler) besuchte Goethe 1770 den 'einsiedlerischen' Chemiker Staudt, den er einen 'Kohlenphilosophen' nannte. Bereitwilliq und froh, seine Klagen einem menschlichen Ohre mitzuteilen, schleppte sich das hagere abgelebte Männchen in einern Schuh und einern Pantoffel, mit herabhängenden, velliebens wiederholt von ihm hemufqezoqenen Strümpfen, den Berg hinauf, wo die Harzhütte steht ... Hier fand sich eine zusammenhängende Ofenreihe, wo Steinkohlen abgeschwefelt und zum Gebrauch bei Eisenwerken tauglich gemacht werden sollten [Goethe 'Dichtung und Wahrheit, Band X']. V gl. Kohlekoks bei der Eisengewinnung in Sulzbach <8>.

33. Am anderen Ortsende stand das gewerkschaftliche 'Volkshaus' Ecke Hauptstraße - Schnappacher Weg. Es war (zusammen mit dem 'Reichsban nerheim' beim Waldheim oberhalb des Friedhofes) das Zentrum der 'Linken' in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach langer Zerstrittenheit einigten sich Sozialdemokraten und Kommunisten im Abstimmungskampf (um die Rückgliederung des Saargebietes zum deutschen Reich) auf die Formel 'für eine freie deutsche Saar ', während die Nationalsozialisten mit ihrer Propagandastrategie die bürgerlichen Parteien und die meisten Vereine in der 'Deutschen Front' gesammelt hatten. Am 26. August 1934 fuhren 126 000 Saarländer zur Hitlerkundgebung an den Rhein. Aber das freie Europa blickte nach Sulzbach zur größten Massenkundgebung gegen Hitler auf deutschem Boden. Die 'Neue Züricher Zeitung' schrieb: 'Während sich am Sonntag Anhänger der' deutschen Front' des Saargebietes auf dem Ehrenbreitstein bei Koblenz versammelten, fand in Sulzbach im Saargebiet eine Gegenkundgebung der antifaschistischen 'Einheitsfront' statt, die ... einen großen Erfolg hatte .... 60.000 bis 80.000 Personen scheinen es gewesen zu sein.' [Jüngst in Ortschronik, S. 292-299].

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34. Trotz der fast 11 % für den 'Status Qua' (landesweit 8,8 %) wollte die überwiegende Mehrheit der Sulzbacher 'hemm ins Reich' - trotz oder manche auch gerade wegen Hitler. Die Machtübernahme der Nazis ab Ianuar 1935 mobilisierte die Massen, indoktrinierte das Volk <43>. Nur wenige konnten ahnen, dass sich Propagandasprüche - wie hier bei einer Parade vor dem Rathaus - makaber bewahrheiten würden. Doch der ebenso 'landschaftsverändernde' wie fortifikationstheoretisch unsinninge Westwallbau und vor allem der von Hitler entfachte Weltkrieg mit dem Ergebnis, dass in Sulzbach dem Neubau von 120 Häusern in jener Zeit mehr als 310 zerstörte oder beschädigte Häuser gegenüberstanden und dass 670 Sulzbacher als Soldaten ihr Leben verloren, dies alles ließ schließlich der Euphorie Ernüchterung folgen [Jüngst in Ortschronik, S. 292-299].

35. Wie stark die Öffentlichkeit allgemein und vor allem die öffentlichen Plätze im Sinne der Nationalsozialisten instrumentalisiert wurden, zeigt eine Parade der SA in den dreißigerJahren auf dem oberen Markt. Bezeichnend für die allgemeine Zu-'Stimmung' ist auch, dass das traditionelle Gasthaus sich 'National-Kaffee' (man beachte die 'verdeutschte' Form von 'Café') nannte [Jüngst in Ortschronik, S. 301]. Und selbstverständlich hieß die Hauptstraße wie in den meisten Kommunen 'Adolf-Hitler-Straße'. Es mussten rund 50 Jahre ins Land gehen, bis (vor allem kommunalpolitisch bestimmt) eine völkerverbindende Bezeichnung 'Ravanusaplatz' für den Oberen Markt gewählt wurde, die ein Zeichen setzt für die seitjahrzehnten gelungene Integration der italienischen Mitbürger Sulzbachs.

36. Katholische Oppositionelle hatten im Abstimmungskampf 1933 noch - teils allein, teils zusammen mit der Linken - die religionsfeindliche Haltung der Nazis angeprangert. So stellten katholische Jugendliche Mahnkreuze wegen der Ermordung von Klausener und Probst auf und Pater Hugolinus Dörr sprach auf der großen antifaschistischen Massenkundgebung <33>. Als aber der Trierer Bischof schließlich zur 'Vaterlandstreue aus christlicher pflicht' aufforderte, trug dies entscheidend zum Abstimmungsverhalten der katholischen Bevölkerung bei [Jüngst in Ortschronik, S. 292-299]. Dementsprechend mußte sich auch die Kirche nach 1935 bei ihren öffentlichen Aufzügen - wie hier bei einer Fronleichnamsprozession in der Hauptstraße <35> vor dem Kaufhaus Kleffmann -' dem Hakenkreuz unterordnen' [Jüngst in Ortschronik, S. 303].

37. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren infrastrukturelle Neuerungen angesagt. Eine davon war die Verkehrsführung, für die mit der Sulzbachtalbrücke, dem sogenannten Autobahnzubringer, eine entscheidende Weiche gestellt wurde. Das Bild zeigt den Blick vom Arbeitsamt <62> aus auf die Situation der heutigen Kreuzung, aber noch vor dem 'Durchstich' mit der heutigen Straße 'An der Klinik', dem der Altbau (links) weichen musste. Diese neue Straße entlastet, obwohl eine Verschwenkung am Bahnhof notwendig wurde, die alte Bahnhofstraße. Rechts sehen wir bereits das neue Hochhaus, während in der Mitte (vor der Bahnhofstraßeneinmündung) noch die neue Pavillonzeile fehlt.

38. Das Gutenbergschulhaus, dessen Bau 1872 begonnen wurde, war bereits das vierte Schulhaus innerhalb Sulzbachs. In den damaligen Elementarschulen gab es oft Klassenstärken von weit über hundert Kinder, was die Lehrer nur mit strenger (preußischer) Zucht und Ordnung bewältigen konnten [Kreuter in Ortschronik, S. 349-374 J. Dass der preußische Untertanengeist in den Volksschulen anerzogen wurde, belegt der Sulzbacher Lehrer Kalb, wenn er mit Stolz berichtet, dass ihm seine Schüler später dankbar sagten 'Das Gehorchen fällt mir gar nicht schwer, das habe ich bei Ihnen in der Schule gelernt' [Familienbuch, Kap. 4.5, S. 7 8J. In diesem Schulhaus fand 1948 die Sulzbacher Volkshochschule ihr erstes Domizil unter dem Diplom-Bibliothekar Hubert Klevinghaus, der für ein breites Spektrum an kulturellen Angeboten (von Heinrich Böll bis Ludwig Harig, von Franz Masareel bis Hans Dahlem USw.) sorgte. Auch der jetzige Kulturamtsleiter Dr. Dieter Staerk, Historiker, Germanist und Initiator der 'Internationalen SulzbacherTheatertage' [Trapp in Ortschronik, S. 397 fund S. 400-404 J begann hier 1979 seine Laufbahn als Leiter derVolkshochschule [Trapp in Ortschronik, S. 375 -379 J.

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