Tangerhütte in alten Ansichten Band 3

Tangerhütte in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Friedrich Nahrstedt
Gemeente
:   Tangerhütte
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6587-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Tangerhütte in alten Ansichten Band 3'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Einleitung

Da die beiden Bände der Tangerhütter Heimatgeschichte sehr viel Interesse gefunden haben und sogar ein Nachdruck der ersten Ausgabe dankenswerterweise durch den Verlag erfolgen konnte, entschloß sich der Verfasser, auf Grund vieler Nachfragen noch einen dritten Band herauszugeben.

Die neueste Ausgabe beschäftigt sich mit vielen heimatgeschichtlichen Fragen, besonders aber mit der Entwicklung des Eisenwerkes 'Tang erhütte , .

Tangerhütte liegt am Tanger im Süden des altmärkischen Hügelund Niederungslandes. Die Niederung wird durch den Tanger mit seinen Nebenflüssen entwässert und kann landwirtschaftlich, vorwiegend als Grünland und aufhöheren Lagen ackerbaulich genutzt werden.

Der gesamte östliche Teil zwischen Tanger- und Elbniederung ist mit einem zusammenhängenden Waldgebiet bedeckt. Hier sind in den ausgedehnten Kiefernbeständen Pflanzengemeinschaften des Eichen-Birkenwaldes vorhanden. An einzelnen Stellen finden wir die Flachmoorflora. Hervorzuheben ist das Naturschutzgebiet, das Mahlpfuhler Fenn, mit seinen Quell-, Torf- und Niedermoorstandorten.

Im Sommer 1 841 wurden mit der Magnetnadel entlang des Tangerflusses größere Vorkommen von Raseneisenstein festgestellt, die in den Flußniederungen in kleinen und größeren Nestern unter der Erdoberfläche lagerten.

Das Raseneisenerz war in allen Wiesengräben in der Umgebung von Vaethen vorhanden und die ersten Untersuchungen im Tangertal ergaben, daß die vermuteten Wiesenerzvorkommen für längere Zeit zur Verhüttung ausreichen würden.

Als günstig wurde eingeschätzt die Lage des Hüttenwerkes "Iangerhütte' zur Stadt Magdeburg und die in der Nähe fließende EIbe als Transportweg für das Roheisen zu den bestehenden Magdeburger Betrieben. Diese positiven Feststellungen führten dazu, daß der industrieerfahrene Friedrich Adolph Kayser sich schließlich entschloß, im Tangertal ein Eisenhüttenwerk aufzubauen. Die beiden Magdeburger Kaufleute Wagenführ und Helmecke waren bereit, das Industrievorhaben zu finanzieren. Die Gruben bei Birkholz, Briest, Bólsdorf Mahlpfuhl, Mahlwinkel, Elversdorf, Köckte, Lüderitz, Uchtdorf, Vaethen und Schernebeck wurden vorrangig für den Abbau genutzt.

Anfangs wurde der abgebaute Raseneisenstein gebrochen, zerkleinert und in Eisenwäschereien im Tangertal nördlich von Vaethen am 'Flohen Steg', im 'Eschengehege' und im 'Briester Busch' gewaschen. Insgesamt gab es 36 Eisensteingruben. Zusätzliche Materialtransporte kamen aus heimischen Regionen und aus Westpreußen.

Im Zuge der Entwicklung des Eisenhüttenwerkes siedelten sich Arbeitskräfte aus dem Harz an, um den BetriebsanIauf im [ahre 1844 zu ermöglichen.

Um den Wasserbedarf für den Hüttenbetrieb abzusichern, wurde im [ahre 1844 im Tanger ein Wehr eingebaut. Das aufgestaute Tangerwasser wurde zum Antrieb einer Drehbank und für die Mahlgänge der Emaillierhütte durch das Betriebsgebäude geleitet und genutzt.

Der Emaillierbetrieb wurde erstmalig im [ahre 1849 aufgenommen. Zwischen 1842 bis 1844 wurde ein notwendiges Bürogebäude für das Hüttenwerk gebaut.

Die aus dem Raseneisenstein hergestellten Guß- und Emailleartikel wurden nicht nur in Nord- und Mitteldeutschland, sondern auch in Nordamerika bekannt.

Erzeugnisse von unter anderem Sanitätsguß, Ofen- und Kunstguß, Denkmäler, Kandelaber, Gitter, Fenster und Brauereiausrünstungen, die in der 'Tangerhütte' in den [ahren 1844 bis 1850 gegossen wurden, fanden auf den Industrieausstellungen des In- und Auslandes große Beachtung.

Die Verwendung einheimischer Rohstoffe-Wiesenerz mußte in den Folgejahren aus betriebswirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Dafür wurden billigere und in besserer Qualität vorhandene Rohstoffe aus England, Luxemburg, Schottland, Schweden und Westfalen verarbeitet. Mit der Erhöhung der Produktion nahm die Anzahl der Arbeitskräfte zu und das DorfVaethen entwickelte sich zum Marktflecken.

Die am 1. Juli 1849 freigegebene Eisenbahnstrecke war für den Absatz der Erzeugnisse dringend erforderlich. Zunächst wurde Mahlwinkel als Bahnstation eingerichtet und diente als Verladebahnhof für das Hüttenwerk 'Tang erhütte , . Erst im [ahre 1850 wurde zur Beförderung von Material und fertigen Produkten

ein Anschlußgleis zur jetzigen Tangerhütter Bahnstation verlegt. Bis Ende 1850 wurden 305 t Gußwaren jährlich produziert. Die Belegschaft betrug in dieser Zeit schon 166 Arbeiter und 32 Fuhrleute. Zu erwähnen ist noch, daß ab 1867 zweieinhalb [ahre lang in der Stendaler Straße eine weitere Eisengießerei mit einem Kupolofen und Handgebläse produzierte. Im Iahre 1869 stellte dieser Kleinstbetrieb die Arbeit wegen mangelnder Rentabilität wieder ein. Etwa SO Prozent der Beschäftigten des Betriebes karnen aus den umliegenden Orten der Gemeinde Vaethen, besonders aus den Dörfern Birkholz, Briest, Cobbel, Mahlpfuhl, Schernebeck, Schönwalde und Weißewarte. Die Zunahme der Anzahl der Arbeitskräfte beweist die positive Entwicklung des Werkes, das aus kleinen Anfängen heraus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Altmark wurde.

Im Zeitraum von 1870 bis 1939 entwickelte sich die 'Tangerhütte' zu einer Produktionsstätte mit drei Großgießereien und anderen Betriebsabteilungen.

Der älteste Industrieort in der Altmark war damals 'VaethenTangerhütte' . Er führte diesen Doppelnamen bis zum [ahre 1928.

Kunstguß

Im [ahre 1857 war mit der Produktion von gußeisernen Öfen verschiedener Größen und den Kunstgußarbeiten begonnen worden. Zur Produktion gehörten Ziergitter für Friedhöfe, Grabkreuze, sowie kleine und große Kandelaber zur Beleuchtung der Straßen.

In vielen Großstädten Deutschlands waren aufmarkanten Plätzen übergroße formschöne Kandelaber der 'Tangerhütte' zu sehen. Zwei prachtvolle Monumentkandelaber waren in Kairo (Ägypten), in Berlin am 'neuen Dom' und 'Unter den Linden' sowie in Frankfurt am Main vor dem Hauptbahnhof aufgestellt. Eine Hausfassade wurde für das renommierte Geschäftshaus der Firma Standt & Co, im Zentrum von Buenos Aires der Hauptstadt Argentiniens gestaltet. Für die Kur- und Heilbäder in unter anderem Kissingen, Neuenahr und Wiesbaden wurden Musikhallen, Veranden und Wandelhallen aufgebaut.

Gußeiserne Treppenanlagen aus Tangerhütte zierten auch die Berliner Stadtbahn, das Stadttheater Breslau, die Universität Halle, die Gerichtsgebäude Konitz, Stendal und Schleswig, das Regierungsgebäude in Kiel und das Rathaus in Weißenfels. Denkmäler aus Gußeisen wurden für Barby, Bittkau, Eisleben, Osterburg, Osterode, Tangerhütte und Tangermünde produziert In den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war die 'Tangerhütte' eine der führenden Gießereien Deutschlands. Das Werk 'Tangerhütte' verfügte über einen ausgezeichneten Stamm von Facharbeitern in allen Betriebsabteilungen. In diesem Zeitraum gab es im Betrieb drei große Gießereihallen mit Hunderten von modernen Formmaschinen und zwei Emaillierwerke. Weiterhin standen ausgezeichnete mechanische Werkstätten, wie Drehereien, Schlossereien und Montagehallen bereit, in der Modelle aller Art und aller Größen hergestellt wurden.

Alle Erzeugnisse der 'Tangerhütte' im Handelsguß, Bau- und Maschinenguß sind sehr vielseitig einsetzbar.

Auf dem Gebiet der Gußherstellung stand der Betrieb an füh-

render Stelle in Deutschland. Viele Artikel im Sanitätsguß wie Badewannen, Einsatzbecken, Küchenausgüsse, Spülbecken, Spültische, Waschbecken und Reihen-Waschanlagen wurden für chemische Zellulose- und Papierfabriken geliefert.

Als Folge der positiven Entwicklung der Industrieanlage "Iangerhütte' entstand im östlichen Teil des Ortes auf einer Fläche von 1 2 ha eine sehenswerte Parkanlage. Dabei ist besonders wertvoll der noch bis heute erhaltene ISO [ahre alte Baumbestand verschiedener in- und ausländischer Baumarten. Ursprünglich zeichneten Bogengänge, Pavillons und Statuen den Park aus. Die aus den Teichen ausgehobene Erde wurde zu kleinen Hügeln aufgeschüttet. Das alte Schloß wurde 1873/74 und das neue Schloß 1909-1911 errichtet. Die beiden Fabrikantenvillen sowie das im [ahre 1883 erbaute Mausoleum für die Familie Wagenführ sind beeindruckende Anlagen im Schloßpark und stehen heute unter Denkmalsschutz.

An den Ufern der Teiche sind noch immer die Balustraden mit ihren der italienischen Baukunst entlehnten weißen Säulen zu finden. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick über die gepflegten Parkanlagen mit dem künstlichen Wasserfall. Eine Einmaligkeit in Deutschland ist der gußeiserne Pavillon - auch Teehaus genannt - der im [ahre 1889 auf der Weltausstellung in Paris mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Der Pavillon kündet noch heute von der hohen handwerklichen Kunst der Tangerhütter Former und Gießer.

Die erfolgreiche Entwicklung der 'Tangerhütte' wirkte sich auch auf das Umland aus, die sich unter anderem in dem Bau von

einem Jagdschloß in Schnöggersberg im [ahre 1921/2 2 und einemjagdhaus im Iahre 1939 in Brunkau am Rande der Letzlinger Heide zeigt.

Für die Bewältigung des angestiegenen Personenverkehrs erfolgte im [ahre 1912 ein Umbau des Bahnhofes Tangerhütte. Es entstanden zwei überdachte Bahnsteige und ein Behelfsbahnsteig. Die Bahnsteige wurden durch einen Bahnhofstunnel mit dem Stationsgebäude verbunden.

Zur Versorgung der Fahrgäste wurde eine Restauration mit der 1. und 2. Klasse im Bahnhofsgebäude eingerichtet. Mit der Weiterentwicklung des Eisenwerkes und seiner Beziehungen mit Handelspartnern in anderen Erdteilen nahm der Reiseverkehr der Geschäftsleute nach Tangerhütte zu. Es hielten zuschlagspflichtige Eilzüge mit Schlafwagen in Tangerhütte, die zwischen Harnburg-Uelzen-Stendal und Halle verkehrten.

Im [ahre 1918 wurde eine Bahnmeisterei unter Leitung des Oberbahnmeisters Franz Schröder aufgebaut.

Nach 1918 waren als Bahnvorsteher tätig: 1918 Christian Wagemann, 1924 Paul Hobusch, 1930RobertBäuerle, 1935Karl Windelband, 1945 Mettendorf, 1951 Ewald Pludra, 1956 Kurt Benecke und 1973 Artur Bortz. 1991 wird Tangerhütte dem BahnhofWolmirstedt unterstellt.

Die besondere Bedeutung des Industriestandortes zeigte sich auch als die Fa. Gruson, Magdeburg, östlich von Tangerhütte einen zehn km langen Schießplatz schuf, der 1893 von der Krupp AG, Essen, übernommen wurde.

Das gewachsene Industriepotential zeigte sich 1890 auch in der Teilnahme der über zweihundert Vertreter der wichtigsten Militärstaaten der Welt (mit Ausnahme Frankreichs) , die zu einem großen Übungsschießen mit einem Sonderzug von Berlin nach Tangerhütte kamen.

Auf Grund des Versailler Vertrages vom 28. Juni 1919 wurde das Übungsschießen auf dem Tangerhütter Schießplatz mit Wirkung vom 1. Oktober 1919 eingestellt.

Der Verfasser bedankt sich bei allen, die freundlicherweise ältere Fotos für die Erarbeitung des 3. Bandes zur Verfügung stellten und mich mit historischen Fakten unterstützt haben. Namentlich erwähnt seien: Ruth Behrens, Bruno Berbig, Otto Bernick, Hedda Brüggemann, Hans Brüning (t), Anna-Luise Erfurt (t), Ingrid Görz, Helmut Grabowski, Erika Heller, Lucie Kassube, Agnes Kehrer, Heinz Köppen, Friedrich Kramer (t), Günter Krohne, Hadburga Kühne, Dirk Lobbes, Ingelore Osthaus, Günter Ritter, Dr. Friedrich Röpke (t), Günter Schulze, Schularchiv Grundschule 1. Ferner möchte ich Studienrat Helmut Proba für seinen Rat und die Hinweise bei der redaktionellen Arbeit danken, sowie meinem SohnArne für die Erledigung aller maschinell erstellten Arbeiten.

.. "nach

Die 'Tangerhutte

1. m alten Stich aus dem eme

Iahre 1858.

2 Luftaufnahme des Industriegeländes des Eisenund Emaillierwerkes 'Tan-

gerhütte' . Im Vordergrund die irn Iahre 1897 erbaute Modelltischlerei. Die Ge-

bäude mit den hohen Essen stehen im Werksbereich der Gießerei Ill.

3 Die Postkarte mit einem wichtigen Denkmal und zwei sehenswerten Gebäuden des Eisenwerkes "Iangerhütte' stammt aus dem Iahre 1898. Foto oben links: Die Nordostseite des ältesten Parkschlosses, daneben das Sedandenkmal aus demjahre 1895. Unten links: Die Gießerei 1. Das Eisenwerk hatte zu diesem Zeitpunkt zwei Gießereien mit insgesamt fünfhundert Hand-, Lehm- und Maschinenformern.

4 Curt Ferdinand von Arnim, 1850 geboren in Potsdam, 1916 gestorben in Tangerhütte. Er war alleiniger Leiter der 'Tangerhütte' von 1889 bis 1 9 16, bis zur Großjährigkeit des Sohnes Franz Wagenführ. Danach arbeitete er weiter an dessen Seite. Erbauer des neuen Schlosses in Tangerhütte und unter anderem der Produktionsstätten GießereiI (1897),Modelltischlerei (1896), Gießerei II (1898), Holzsägewerk (1904) undGroßgießerei III (19 14) . Er war der Begründer der Marienhütte in Großauheim.

5 Weltbekannt wurde der obige gußeiserne Pavillon - auch Teehaus genannt um die Jahrhundertwende. Im Iahre 1889 wurde dieses Kunstwerk auf der Weltausstellung in Paris mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Der Pavillon kündet von einer hohen handwerklichen Kunst der Kunstformer und Gießer des Tangerhütter Eisenhütten- und Emaillierwerkes. Im Pariser Ausstellungsgelände waren der Eiffelturm und der Tangerhütter Pavillon besondere Anziehungspunkte. Zu einem 'Gipfeltreff' kam es im Pavillon mit den beiden Kaisern aus Deutschland und Österreich sowie mit dem russi-

sehen Zaren. Seit mehr als hundert Iahren steht dieses wertvolle Kunst- und Kulturgut im Tangerhütter Stadtpark.

6 Auf dem Foto sind die Vorder- und Rückseite einer Erinnerungsmedaille des Eisenwerkes 'Tangerhütte'. Im Iahre 1892 wurde für langjährige Arbeit im Eisenhütten- und Emaillierwerk 'Tangerhütte' zum 5 üj ährigen Bestehen des Werkes die Erinnerungsmedaille 'Tangerhütte 1842-1892' herausgegeben. Auf der Rückseite sind die beiden Besitzer des Werkes: Iohann Iacob Wagenführ und Iohann Iacob Carl Franz Wagenführ.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek