Teutschenthal in alten Ansichten Band 1

Teutschenthal in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Margarete Gerlach
Gemeente
:   Teutschenthal
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6355-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Teutschenthal in alten Ansichten Band 1'

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Einleitung

Die GroßgemeindeTeutschenthal mit 6 000 Einwohnern ist aus den selbständigen Dörfern Oberteutschenthal, Unterteutschenthal und Eisdorf im [ahre 1950 hervorgegangen. Sie befindet sich etwa zehn Kilometer westlich der Saalestadt Halle im Bundesland Sachsen-Anhalt. Einige [ahre später kam BahnhofTeutschenthal hinzu, und im Iahre 1993 erfolgte der Anschluß von Köchstedt. Ober- und Unterteutschenthal gehen zurück auf sieben teils slawische, teils germanische Siedlungen entlang des Würdebaches, von denen Dussina und Osniza schon im Hersfelder Zehntverzeichnis am Ende des 9. Jahrhunderts erwähnt werden. Aus dem slawischen Dussina wurde über Deussen und Deußenthal der Ortsname Teutschenthal.

Das Dureheinander der Zuständigkeiten und die verschiedensten Herrschaftsansprüche insbesondere vom Erzbistum Magdeburg und Bistum Merseburg führten zu jahrhundertelangen Auseinandersetzungen und zu einer einzigartigen Besitzzerstückelung. Es gab dabei lange eine Grenze von Preußen zu Sachsen, die bis zum [ahre 1815 Ober- und Unterteutschenthal trennte. Im Dreißigjährigen Krieg wurden beide Dörfer völlig zerstört. WolfThilo von Trotha, dessen Geschlecht seit dem 15. Jahrhundert auf dem Haus Würdenburg saß, half die Orte wiederaufzubauen, so daß sie

nicht zu wüsten Stätten verkamen. Eine lange Friedenszeit wurde unterbrochen durch eine dreijährige notvolle Besatzung im Siebenjährigen Krieg. In Schreder's Chronik vom [ahre 1929 sind im Verzeichnis von 201 Hofstädten vierzig 'wûste Stedten' im [ahre 1689 genannt. Freie Bauern und Anspänner brachten ihre Produkte in die Stadt und hatten Wegezoll zu zahlen. Die übrigen Einwohner waren Leibeigene der Herren von Trotha und des Stiftes Merseburg. An der Würde gab es drei Wassermühlen. Es durfte jeder Bier brauen. Hausierer und Wanderer konnten in mehreren Wirtshäusern einkehren. Die Gasthöfe 'Zum goldenen Ring' und 'Zum weißen Roß' waren anfangs des 18. Jahrhunderts bereits Ausspannhöfe. Große Not und viel Leid verursachten die Kriegsereignisse der [ahre 1806 bis 1813, bis Napoleon in der V ölkerschlacht bei Leipzig besiegt wurde. Im 19. [ahrhundert begann der Kohleabbau, entstanden Ton- und Kaolingruben und wurde die Eisenbahn eingeführt. All dieses und der später folgende Bau von Zuckerfabriken und des Molybdänwerkes und die ab dem [ahre 1908 beginnende Kaliförderung führten zu weitgehenden Veränderungen in Teutschenthal und Umgebung.

Die Ähnlichkeit der Kirchen in Eisdorf und Köchstedt aus dem 1 2. Jahrhundert weisen auf das Vorhandensein beider Siedlungsorte im frühen Mittelalter. Eisdorf wurde durch

die Herren von Reveningen aus Röblingen am See beherrscht, bis das Geschlecht im [ahre 1620 ausstarb. Danach war der Ort beim Giebichensteiner Amt und später Gemeinde des preußischen Saalkreises. Nach dem Wiener Kongreß kam Eisdorf wieder zum Mansfelder Land. Von Köchstedt wird berichtet, daß dort lange Zeit ein niederer Dienstadel saß, dessen Spuren sich im 14. Jahrhundert verlieren. Seit dem [ahre 1501 gehörte es zum Unteramt Schraplau. Lange Zeit war Köchstedt als Vorwerk wirtschaftlich mit Bennstedt verbunden. Dann war es bis zumJahre 1945 selbständige Gutswirtschaft, woran noch Gebäude und ein Herrenhaus erinnern. Beiden Orten war bis zum 19. Jahrhundert die ländliche bäuerliche Struktur gemeinsam. Mit der beginnenden Rohstoffgewinnung und -verarbeitung und dem Bau der Kasseler Bahn gab es viele neue Arbeitsmöglichkeiten in der näheren und weiteren Umgebung bis Halle und Eisleben. Bauern verkauften Güter und Ländereien. Bestimmend wurden weniger und größere Landwirtschaftsbetriebe sowie die Güter von Oberamtmann WentzeI in Oberteutschenthal und Gutsbesitzer Schröder in Etzdorf. Auf den viel größeren Feldschlägen konnte die landwirtschaftliche Erzeugung beispielhaft modernisiert werden. Mit dem Zustrom von Arbeitskräften stieg die Einwohnerzahl, und es entfalteten sich Handwerk und Handel, Verkehr und Dienstleistung. Nach den opferreichen [ahren des Ersten Weltkrieges entstanden neue Siedlungen und Schulen, und es entwickelte sich in allen Gemeinden, trotz der oft sehr schwierigen Nachkriegszeit, ein reges Vereinsleben.

Der Ortsteil BahnhofTeutschenthal entstand und wuchs mit dem Braunkohleabbau seit Anfang des vorigen Jahrhunderts, durch den Bau der Eisenbahnlinie Halle-Kassel im [ahre 1864 und die Ansiedlung von Unternehmen sowie infolge der Kaligewinnung und -verarbeitung seit demJahre 1908. Das Büchlein ist keine Chronik und kann auch nicht vollständig sein. Mit Darstellungen von Straßen und Gebäuden sowie des dörflichen Lebens in Wort und Bild wird über die Zeit vom ausgehenden vorigen Jahrhundert bis in die dreißiger [ahre dieses Jahrhunderts erzählt. Der Umfang des Buches war vorgegeben, ferner mußte zur Beschreibung eines wichtigen Sachverhaltes das geeignete Bild vorhanden sein. Ausgangspunkt war eine Postkartensammlung meines Vaters, des Lehrers Kurt Hölzer, der ein leidenschaftlicher Sammler und Naturfreund war. Ferner konnten wir Bilder undAnsichten nutzen, die uns von zahlreichen Einwohnern aller Ortsteile zur Verfügung gestellt wurden. Möge das Buch dazu beitragen, Vergangenes in Erinnerung zu rufen sowie Liebe und Verbundenheit zur Heimat zu vertiefen.

1 Auf der Luftaufnahme, vermutlich vom [ahre

1 92 9, blieken wir auf den alten Ortskern van Oberteutschenthal. Rechts im Bild ist das stattliche Gehöft des ehemals größten Bauern Becker zu erkennen, das in den zwanziger [ahren aufgegeben und später von Oberamtmann WentzeI aufgekauft wurde. Nahe dahinter befindet sich an der Etzdorfer Straße das Gemeindeamt Oberteutschenthal (heute Sitz der 'Verwaltungsgemeinschaft WürdeSalza', Friedrich- HenzeStraße Nr. 96). Hinter dem Gemeindeamt liegt der Bauplatz für die neue Diesterwegschule, die im [ahre 1930 eingeweiht wurde,

während links davor die alte Schule zu erkennen ist. Links vom Kirchturm steht das Gehöft des Bauern Köhler (später Hauschild) . In der unteren Bildmitte ist das Anwesen der Bäckerei Ro-

Post an der Maerkerstraße, das den Herren von Trotha gehörte.

dau, zuvor Friedrich, am Talweg zu sehen. Es war in früheren Zeiten das Backhaus der Kirche für die Bevölkerung. Auch in Unterteutschenthal gab es ein solches hinter der heutigen

2 Das ehemalige Gemeindeamt im Ort steil Teutschenthal-West, der bis zum [ahre 1950 als selbständige Gemeinde Oberteutschenthal existierte, befindet sich rechts im Bild an der Etzdorfer Straße (heute Friedrich-Henze-Straße Nr. 96). Links gegenüber entstand im [ahre 1878 ein zweites Schulgebäude (jetzt Wohnhaus Fr.-Henze-Straße Nr. 83) mit einem Klassenraum und einer Lehrerwohnung zu der nahegelegenen schon vorhandenen Schule (heute Landeskirchliche Gemeinschaft, Fr.-Henze-StraßeNr.85).ImJahre 1885 erfolgte eine Aufstockung , dadurch wurde Platz für einen zweiten Klassenraum

geschaffen. Da diese Gegebenheiten Ende der zwanziger [ahre den Anforderungen der Zeit nicht mehr genügten, erbaute die Gemeinde eine neue Schule.

3 Die Kirche St. Laurentius in Oberteutschenthal wurde, wie die St.- Viti-Kirche in Unterteutschenthal, vom Kloster Kaltenborn errichtet und im [ahre 1129 vom Bischofvon Halberstadt geweiht. Durch den Verkauf der Kaltenborn' schen Besitzungen in Oberteutschenthal samt der Kirche an das Stift Merseburg im [ahre 1365 ist Oberteutschenthal im Laufe der Zeit sächsisch geworden. Die Kirche und die Besitzungen des Klosters in Unterteutschenthal blieben weiterhin im Gebiet des Bistums Halberstadt und wurden später preußisch. So kam es, daß bis zum [ahre 1815 die Grenze zwischen Sachsen

und Preußen mitten durch den Ort verlief. Im [ahre 1612 legte eine große Feuersbrunst neben vielen Häusern auch die OberthaIer Kirche in Schutt und Asche. Der Kirchenneubau

erfolgte durch den Churfürsten [ohann Georg zu Sachsen als regierenden Stiftsherren und war im [ahre 1617 beendet. Dabei entstand derTurm mit dem gewaltigen Helm.

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4 Im Kirchenschiff der Kirche St. Laurentius befinden sich ehrwürdige Reste steinerner Bilder. An der Ostwand hinter dem Altar sind aus Sandstein bestehende Skulpturen von Mose, von den Aposteln und von der Golgathaszene eingefügt, die sich an der früheren Steinkanzel befanden. Die hölzerne Kanzel über dem Altar wurde im 18. Jahrhundert geschaffen. Bilder an der irn Iahre 1667 errichteten Empore zeigen Leben und Leiden von Jesus Christus und die zwölf Apostel. Da sie Ende des 1 9. Jahrhunderts mit Lackfarbe überstrichen wurden, hat Kirchenmaler Lewecke aus Halle die Bilder im [ahre

1 950 in alter Schönheit restauriert. Im [ahre 1696 schenkte Meister Wickardt aus Freyburg/U. einen schönen Taufstein. Über einhundert [ahre später mußte er einem schmuck-

losen Tauftisch weichen. Um das [ahr 1900 wurden Bruchstücke wiedergefunden, und es gelang, Ornamente und Widmung am Sockel zu restaurieren. Das Mittelstück wurde mit Hilfe

van Oberamtmann WentzeI ersetzt, und Konfirmanden und Gemeinde stifteten Anfang der zwanziger [ahre Taufkanne und Taufbecken.

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5 Im Iahre 1860 ließ Carl Emil WentzeI in Oberteutschenthal ein Schloß im Stil der Gründerzeit bauen. Nach einem Brand erfolgte irn Iahre 1911 ein Umbau mitAnbau des Kavalierflügels. Durch Erbfall erhielt Frau Ella WentzeI, geborene von Zimmermann, im [ahre 1916 die Firma J.G. Boltze in Salzmünde mit ihren Gütern und Industrieunternehmen. Ihr Ehemann Carl WentzeI, Sohn von Carl Emil WentzeI, integrierte alles in die Wentzel/Boltzesehen Unternehmen, die mit 7 000 Hektar Grund und Boden zu den größten in Deutschland gehörten. Bekannt wurde Carl WentzeI für die vorbildliche Führung und Rentabilität der landwirtschaftlichen Güter

sowieTon-, Kaolin- und Kohlegruben, der Zuckerfabriken, der Getreidemühlen und der Malzfabrik. Nach dem Attentat auf Hitler wurde Carl WentzeI verhaftet und am la. Dezember

1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Es folgten Enteignung, Rückgabe durch die Amerikaner und erneute Enteignung bei der Bodenreform im [ahre 1946. Jetzt sind die Nachfolger von

Oberamtmann Carl WentzeI dabei, das Schloß zu renovieren und es auch für kulturelle Veranstaltungen dem Publikum zugänglich zu machen.

6 Für die sozialen Erfordernisse der Zeit zeigte Oberamtmann Carl WentzeI viel Verständnis. In den [ahren nach dem Ersten Weltkrieg ließ er etwa hundertachtzig Wohnungen bauen, um die Notlage der Ärmeren zu lindern und sich einen seßhaften Arbeiterstamm zu sichern. Das Bild ist dem Mansfelder Heimatkalender des [ahres 192 6 entnommen und zeigt Wohnhäuser der 'Kolonie' Oberteutschenthal, heute Kurallee. Dort befand sich auch das Verwaltungsgebäude des Unternehmens Carl Wentzel. Es ist heute das Krankenhaus des Saalkreises. In der Mitte des Bildes steht das Haus Kurallee Nr.

5; es ist rechts neben dem Krankenhaus zu finden. Eine weitere Kolonie mit Wohnungen für zwölfFamilien entstand in Unterteutschenthal, heute Am Anger. Für alle Häuser wurden

kleine Stallungen und Schuppen mitgebaut. Diese Wohnhäuser waren irn Iahre 1 92 7 bezugsfertig.

7 Das Haus an der heutigen Karl-Marx-Straße Nr. 30 gehört zu den Grundstükken, die entlang zu beiden Seiten der Gartenstraße in den zwanziger und dreißiger Jahren gebaut wurden. Vorwiegend Bergmänner, die im Kaliwerk Krügershall oder im Braunkohletagebau bei Etzdorf, Amsdorf und Röblingen arbeiteten, und teils arbeitslose Handwerker schufen in gegenseitiger Hilfe ihre Eigenheime billig in Form von Doppelhäusern. Die Vorbereitung und Durchführung dieses Wohnungsvorhabens lag in der Hand der Mansfelder Siedlungsgemeinschaft. Zu jedem Haushalt entstanden Waschraum, Stallung und

Schuppen. Die etwa 28 Grundstücke waren jeweils ungefähr 1 250 Quadratmeter groß. Herr Otto Koch, der im Krieg das Augenlicht verlor und immer mit einem Blindenhund zu

sehen war, hatte für zwei Drittel des obigen Hauses mit über 100 Quadratmetern Wohnfläche 7 000 Reichsmark abzuzahlen. Seine Frau Minna verdiente als Handarbeitslehrerin an

der Schule etwas Geld dazu, denn jeder mußte sparsam damit umgehen.

8 Im Bild sehen wir den Kapellmeister Emil Rauwald mit einer Blaskapelle. Er leitete die Musikschule an der Etzdorfer Straße (jetzt Friedrich-Henze-Straße Nr. 82), die sein Vater bereits im vorigen Jahrhundert gegründet hatte, bis zum [ahre 1937. In dem Haus befanden sich unter anderem große und kleine Übungsräume und Internatszimmer für auswärtige Schüler. Den Abschluß als Berufsmusiker erlangte man in vier [ahren Ausbildungszeit. Hier sind bekannte Musiker wie GäbIer Rudi, Ochse Albert oder Heller Kurt, der über zwanzig [ahre lang die BlaskapelIe 'Die Würdethaler' leitete, hervorgegangen.Bedin-

gung war die Ausbildung an zwei Instrumenten, ein Blasinstrument war Pflicht. Musikdirektor Rauwald organisierte den Einsatz von manchmal zehn Kapellen an Wochenenden bei Vereins-

festen, Maskenbällen und Heimatfesten. Unterhaltungsmusik im Bürgergarten, in anderen Lokalitäten auch außerhalb, klassische Streich- und Blasmusik sowie Trauermusik bei Beerdi-

gungen gehörten mit zum Repertoire der angehenden Berufsmusiker.

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