Teutschenthal in alten Ansichten Band 1

Teutschenthal in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Margarete Gerlach
Gemeente
:   Teutschenthal
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6355-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Teutschenthal in alten Ansichten Band 1'

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9 Auf dieser Postkarte sehen wir die Außenanlagen und die Gaststube des Bürgergartens in Oberteutschenthal. Viele ältere Bürger erinnern sich noch gern an dieses idyllische Gartenlokal mit derTanzfläche im Freien. Hier vergnügten sich jung und alt bei Gartenkonzerten und Tanz. Besonders in der schönen [ahreszeit zog es Familien mit Kindern hierher. Das Gartenlokal wurde einst von Gastwirt Felgner betrieben und erreichte danach unter Gastwirt Schütze bis zu Kriegsbeginn seine größte Blütezeit. Oft traten ortsansässige Orchester und Chöre auf. Bis in die dreißiger [ahre veranstaltete haupt-

sächlich die nebenan befindliche ehemalige Musikschule Rauwald zahlreiche Konzerte. Bei billigen Preisen und Grammophonmusik war das Lokal unter der Jugend sehr beliebt. Besonders gern wurde Schorle getrunken.

1 0 In der Hohen Straße hatte Fleischermeister Fritz Kießling bis zum [ahre

1930 eine Fleischerei (heute Haus des Fleischermeisters Schulze). Er kaufte von den Bauern und Tierhaltern lebende Rinder und Schweine auf, die im Schlachthaus geschlachtet und zu Fleisch- und Wurstwaren für den Verkauf im Geschäft und auf dem Markt verarbeitet wurden. Allwöchentlich fuhr Meister Kießling, auf dem Bild mit seiner Frau zu sehen, nach Halle auf den Hallmarkt. Die Fahrt des Zweispänners in die Stadt währte gut zwei Stunden. Wenn aber die Schranke an der Kasseler Bahn oder die zweite bei

der Passendorfer Ziegelei an der Hettstedter Bahn, die man nach der Fahrt auf der alten Zscherbener Straße erreicht hatte, geschlossen waren, dauerte es noch länger. Der Weg durch die

Mansfelder Straße zum Markt war dann nicht mehr weit. Hier wurde der Verkaufsstand hergerichtet, um die Waren feilzubieten. Die Einkäufe in der Stadt, einschließlich Därme, Gewür-

ze, Holzspeiler, Geräte und andere Dinge für die Fleischerei, konnten auf dem Pferdefuhrwerk mit nach Hause gebracht werden.

11 Die Geschichte des Hauses Würdenburg reicht bis ins 13. Jahrhundert. Die Trothaer bauten es als Rittersitz aus, nachdem sie als Hausvögte der Mansfelder Grafen im 16. Jahrhundert mit zahlreichen Höfen und Häusern in Teutschenthal belehnt wurden. In ihrem Besitz war auch die Vitzenburg in Eisdorf, WolfThilo von Trotha förderte durch kostenlose Bereitstellung von Baumaterial den Wiederaufbau des Ortes nach seiner völligen Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg. Im [ahre 1710 erfolgte der Abriß und der dem Stil der Zeit entsprechende Wiederaufbau des Schlosses durch Franz Casimir von Trotha. Den letzten Umbau des Schlosses vom Rittergut

Haus Würdenburg veranlaßte Oberarntmann Carl WentzeI irn Iahre 1920. Leider ist der sehr wertvolle Renaissanceturm nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen worden. Die Hochfahrt-

scheune links oben im Wirtschaftshof wurde nach der Bodenreform abgetragen. Das rechte lange Wirtschaftsgebäude unterteilte sich in den Schafstall mit Heu- und Strohboden, den

Pferdestall in der Mitte mit drei darüberliegenden Speicherböden und ganz rechts in den Stall für Pferde und Ochsen mit Stroh- und Häckselboden.

Rittergut Haus Würdenburg

12 Im oberen linken Bild sehen wir typische im [ahre 192 7 entstandene Doppelhäuser an der Post- und Gartenstraße. Das rechte Bild oben zeigt die obere Querfurter Straße (heute Friedrich - Henze-Straße) . Rechts befindet sich das Friseurgeschäft Krumpe. Dahinter ist in Höhe der Linde der ehemalige Gasthof'Zum weißen Roß'. Hinter den Grundstücken Walter Krumpe und Hugo Nathan (jetzt Gaststätte 'Lucky") verlief bis zum [ahre 1815 zwischen dem preußischen Unterteutschenthal und dem sächsischen Oberteutschenthal die Grenze, die seit dem [ahre 1362 beide Orte trennte. Nach dem

Wiener Kongreß kam Oberteutschenthal zu Preußen. Links unten ist ganz vorn die Gaststätte mit Kolonialwarenhandlung von Karl Prinz zu sehen (heute Getränkestützpunkt an der

Friedrich - Henze-Straße Nr. 17). In der Gaststube mit großem Billardtisch verkehrte vorwiegend das Bürgertum des Dorfes. Rechts unten ist vorn der Uhrenladen vonJohannes Kaufzu

erkennen, der im [ahre 1967 geschlossen wurde. Im [ahre 1973 ist das Haus an der heutigen Albert-Heise-Straße Nr. 1 umgebaut worden.

13 Hinter dem Teich sieht man einen Teil der früheren Kabel mit alten Bäumen (heute Platz der Einheit), rechts daneben fließt die Würde. Noch einige [ahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nach getaner Arbeit die vom Feld kommenden Pferde getränkt und zur Reinigung samtAkkerwagen durch den Teich hindurchgetrieben, um so zu starkes Austrocknen der hölzernen Wagenräder zu verhindern. Enten und Gänse tummelten sich auf dem Wasser, und die Kinder fingen Wasserflöhe fürs Aquarium. Frösche und Molche waren zu beobachten, im

Winter konnte man auf der Eisfläche Schlittschuh laufen. Die Kinder badeten im Dorfteich, bis es das Gemeindebad gab. Da sich viele keinen Badeanzug leisten konnten, wußte man sich

anders zu helfen. Die Mädchen zogen eine Schürze an und steekten sie einfach mit Sicherheitsnadeln zwischen den Beinen und hinten zusammen. Bevor der Ort an das Wasserleitungsnetz an-

geschlossen wurde, diente der Dorfteich vor allem als Feuerlöschteich.

14 Die auf der Postkarte erkenntliche alte schmale Brücke über die Würde ist Anfang der dreißiger [ahre durch eine breitere ersetzt worden. Im Hintergrund steht links neben dem Würdenhof die teils von Bäumen verdeckte alte Schule. Über dem einstigen, später zugemauerten Eingang befindet sich heute noch eine Gedenktafel mit der Aufschrift: 'Fûr unsere Kinder Gemeinde Unter- Teutschenthal 1872.' Links davor ist die Kabel (heute Platz der Einheit), auf die früher das Federvieh getrieben wurde. Ferner diente sie als Karussell- und Zirkusplatz. Regen Zuspruch fanden dort die im vorigen

Jahrhundert durchgeführten Märkte. Ganz rechts steht der zweirädrige Postkarren, den der Postbote beim Verteilen der Briefe und Pakete durchs Dorf schieben mußte.

15 Die Eisenwarenhandlung des Schmiedemeisters Otto Hey mit Kolonialwarengeschäft befand sich um die Jahrhundertwende an der Querfurter Straße (jetzt Friedrich-Henze-Straße Nr. 53 und 53a). In der Schmiedewerkstatt mit Lehrlingsausbildung erfolgten Hufbeschlag, notwendige Schmiedearbeiten beim Wagenbau, das Schärfen der Schare und alle möglichen Reparaturen, wie es auch in den anderen Dorfschmieden, zum Beispiel bei Karl Müller und Karl Straßburg in Unterteutschenthal, üblich war. Im [ahre 1911 wurde ein neu erworbenes Grundstück an der Ecke zur Poststraße (heute Friedrich-

Henze-Straße Nr. 64) ausgebaut. Es erfolgte dann ein Wechsel des gesamten Unternehmens dorthin, wo es heute noch ist. In den dreißiger [ahren wurde mit Kohle- und Baustoffhandel

begonnen. Fuhrwerke von Bauern oder Fuhrunternehmern lieferten die Kohle an (siehe Bild Nr. 49). Das Geschäft Hey wurde durch den viele [ahre betriebenen Kohlehandel und Lebens-

mittelverkaufbekannt. Die Familientradition, die vor hundertdreißig [ahren begann, wird auch künftig fortgeführt.

Eisenwarenhandlung von Ott o Hey

16 Wenn die Klingel ertönte, kamen die Leute zur Straße heraus, um von Milchhändler Friedrich Otto Hoppe Frischmilch, Butter und Käse zu kaufen. Ein Liter Milch kostete vor dem Ersten Weltkrieg 15 Pfennige. Mit Milchbechern bemaß Milchmann Hoppe die gewünschte Menge von einem halben oder einem Liter und mehr Milch. Nicht jede Familie konnte sich alle Tage Milch kaufen. So fuhr Händler Hoppe von seinem Grundstück, das er im Iahre 1914 mit Hoppe's Mühle am Kopfweg von Mühlenbesitzer Otto Lauch kaufte, zu den bekarmten Standplätzen, wie hier vor die alte Schule an der Mit-

telstraße (heute Karl-JohnStraße Nr. 2). Für 45 Pfennige konnte man ein Stück Butter von 250 Gramm kaufen. Auch die Bauern verkauften Milch, Butter und Käse direkt ab Hof. Im

[ahre 1934 jedoch kam die Verfügung heraus, daß sämtliche Milch an eine Molkerei in Schafstädt und [ahre später an die Molkerei Arndt in Bennstedt abzuliefern war.

1 7 Der Fleischermeister Reinhold Sonntag ist mit seiner Frau an seinem Geschäft zu sehen, in dem schon im vorigen [ahrhundert an der Querfurter Straße eingekauft wurde (jetzt Friedrich-Henze-Straße Nr. 4). Da ein Erbe fehlte, übernahm eine langjährige Verkäuferin die Fleischerei und verkaufte diese als verwitwete Pauline Ockler im [ahre 1 913 an den Fleischermeister Otto Sturm. Er führte mit seiner Frau bis zum [ahre 1958 selbständig den Betrieb. Wie bei seinen Vorgängern wurde schon früh in der Dunkelheit mit dem Schweinewagen einspännig losgefahren, um das Lebendvieh zeitig und

ungefüttert bei den Bauern abzuholen. Bei Touren in Dörfer bei Querfurt oder Eisleben war man fünf bis sechs Stunden unterwegs. Mägde oder Knechte, die dieTiere beim Bauern ge-

füttert hatten, freuten sich über paar Groschen 'Schwanzgeld' vom Fleischer. Dafür war bisweilen etwas Hafer für das Pferd übrig, den es vor der Rückfahrt zu fressen bekam.

Meister Sturm, der noch beim Kaiser als Ulan gedient hatte, hielt als Pferd meist einen Rappen.

18 Im Herbst begannen überall die Schlachtungen von zumeist selbstgefütterten Schweinen. Dabei hatten die Hausschlächter, die oft Gesellen bei den damaligen Fleischereien Saalfeld, Zachäus, Marggraf, Böhme oder Sturm des Ortes waren, bis zum Frühjahr zu tun. Neben Schinken und Speckseiten, Blut- und Leberwurst wurde viel vom Schlachtkörper zur Herstellung von Schwartenwurst sowie Brat- und Schlagwurst verwandt. Die Schlacht- und Wurstwaren konnte man in etlichen Räuchereien des Dorfes für längere Bevorratung haltbar machen lassen. Viele auswärtige Gäste haben den Geschmack des Hausgeschlachtenen im Mansfelder Land zu schätzen gelernt. Wesentlich war die indivi-

duelle Kunst des Würzens mit Zutaten von Nelken, Piment und Ingwer. Auf besonderen Wunsch wurden Rosinen der Leberwurst zugesetzt. Wenn bei einem Schlachtefest ein vier bis fünf Zentner schweres Schwein geschlachtet wurde, hatten alle Hände voll zu tun. Die gegenseitige Hilfe ergab sich von selbst, zumal sich j eder auf warmes Wellfleisch oder Wurstbrühe freute und ein Schnäpschen dazugehörte.

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