Tirschtiegel in alten Ansichten

Tirschtiegel in alten Ansichten

Auteur
:   Norbert Diering
Gemeente
:   Tirschtiegel
Provincie
:   Lebus
Land
:   Polen
ISBN13
:   978-90-288-6154-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Tirschtiegel in alten Ansichten'

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Einleitung

Bietet schönheitstrunken auch die Welt sich dar:

Schönstes ist versunken, weil es Heimat war.

(Gerd Fischer von Mollard, 1956)

Die Rohr- und WeidenstadtTirschtiegel, polnisch Trzciel genannt, liegt südöstlich von Meseritz in dem mit Naturschönheiten so reich gesegneten Westposener Land. Das hier vorherrschende Wiesenflachland wird belebt von den herrlichen Seen des Obragebietes, sanften Hügeln und weiten. dunklen Wäldern. In der Umgebung des Ortes tauchen hie und da zwischen den Wiesen oder versteekt in den Wäldern die Einzelgehöfte der Hauländereien auf.

Das kleine Städtchen har im Verlaufe des letzten Iahrtausends etliche Male die Landeszugehörigkeit gewechselt. Um das Iahr 1000 gehörten die Gebiete an der Obra zum Polenreich Boleslaws 1., der in Tirschtiegel eine Grenzburg anlegen ließ. Die erstmalige urkundliche Erwähnung des Ortes datiert aus dem [ahre 1252 anläßlich seines Überganges in den Besitz des schlesischen Herzogs Konrad von Glogau. Am 10. August 1319 erwarb MarkgrafWaldemar von Brandenburg neben anderen Ortschaften des Obragebietes auch Tirschtiegel, das in jenem Vertrag Torstetel genannt wird. Da Waldemar aber bereits vierTage nach Ausstellung desVertrages ohne Erben verstarb, fiel der Ort aufgrund der vereinbarten Erbfolge wieder an die schlesischen Herzöge Heinrich und Pryrnko von Glogau zurück.

Diese konnten die ehemals großpolnischen Gebiete ihres Herzogtums indes nicht mehr lange behaupten und so wurde Tirschtiegel erneut dem polnischen Reich angegliedert. Dies geschah vermutlich um 1335, nachdem der großpolnische Ritter Maczko Borkowicz die west-

lichen Grenzburgen für Polen zurückerobert harte.

Nach 1320 erhielt der wohl aus einem alten Fischerdorfhervorgegangene Ort Magdeburger Stadtrecht und 1394 wurden Burg und Stadt unter dem Namen Trzel genannt. Für das polnische Heer, das zum Entsatz der vom Deutschen Ritterorden belagerten Marienburg bestimmt war, hatte die Stadt im Iahre 1458 zwei Bewaffnete zu stellen. In der ersten Hälfte des 17. Iahrhunderts legten deutsche evangelische Einwanderer aus Schlesien mit Erlaubnis und Unterstützung des Grundherrn auf der westlichen Obraseite eine rechtlich selbständige Neustadt an, die die überwiegend katholische Altstadt nach Bevölkerungszahl und Bedeutung bald überflügelte. Die großzügiger gebaute Neustadt bekam zwei Plätze, den Neuen Markt und den Kirchplatz.Am 12. Mai 1650 verlieh Graf Opalinski Neu- Tirschtiegel gleichfalls Magdeburger Stadtrecht. Während des schwedisch-polnischen Krieges von 1655-1660 wurde die Altstadt von den Schweden geplündert und niedergebrannt, wobei auch die zwischen zwei Obraarmen gelegene Burg den Flammen zum Opfer fiel.

Mit der zweiten Teilung Polens kamTirschtiegel im Iahre 1793 zum Königreich Preußen und wurde Bestandteil der neu gebildeten Provinz Südpreußen. Infolge seiner militärischen Niederlage gegen Frankreich bei Iena undAuerstedt mußte Preußen jedoch schon 1807 den größten Teil dieser Provinz und mit ihr auch Tirschtiegel an das von Napoleon errichtete und in Personalunion mit Sachsen verbundene Großherzogturn Warschau abtreten. Nachdem Tirschtiegel im Ergebnis der Befreiungskriege erneut preußisch geworden war, lag die Stadt für die nächsten hundert Iahre im westlichsten Zipfel der Provinz Großherzogturn Posen beziehungsweise - ab 1830 - der Provinz Posen. Vordem zur Starostei Bomst gehörend, wurde der Ort seinerzeit dem Kreis Meseritz zugeordnet. Mit demAnschluß der Provinz an den Norddeutschen

Bund im Iahre 1867 und vier Iahre später an das Deutsche Reich erhielten die Einwohner die seit langem begehrte deutsche Staatsbürgerschaft.

Tirschtiegel unterstand als Mediatstadt über viele jahrhunderte der Herrschaft eines adligen Grundherrn. Als solche sind überliefert die Familien Opalinski (1650), Tuczynski (1664), Unruh (1698), Szoldrski (1718), Krzyzanowski (1780) und Mielzynski (1784). Im Iahre 1819 kaufte ein Fürst Reuß die zur damaligen Zeit noch mehr als 5 000 Hektar umfassende Herrschaft. Dessen Witwe veräußerte das Gut 1842 an den Grafen Bernhard zu Dohna-Schlodien, NachAbverkäufen und Parzellierungen erwarb schließlich irn Iahre 1851 der aus Sachsen stammende Holzhändler Iohann Gottlieb Fischer den mit rund 2 000 Hektar noch übrig gebliebenen Rest der Herrschaft.

Alt- und Neu- Tirschtiegel, die lange Zeit als selbständige Städte mit getrennten Obrigkeiten bestanden hatten, wurden 1855 zunächst verwaltungsmäßig zusammengelegt und 1888 endgültig vereinigt. Nach der Volkszählung von 1843 lebten in beiden Städten sowie im Gutsbezirk insgesamt 2 400 Einwohner. Von diesen bekarmten sich 64 Prozent zum evangelischen, 23 Prozent ZUID katholischen und 13 Prozent zum jüdischen Glauben. Die Bevölkerung bestand aus Ackerbürgern, Kaufleuten, Beamten und Gewerbetreibenden. Unter letzteren befanden sich im 18. Iahrhundert viele Tuchmacher. Der in der Gegend lange vorherrschende Hopfenbau wurde gegen Ende des 19. [ahrhunderts durch die Weidenindustrie abgelöst. Die Stadt war auch Sitz von Behörden wie Stadt- und Polizeiverwaltung, Distriktskommissariat und Amtsgericht. Ein Postarnt existierte seit 1810. Die verkehrsmäßige Anbindung verbesserte sich nach der Einbeziehung des Ortes in die Strekkenführung der im [ahre 1908 in Betrieb genommenen Eisenbahnverbindung von Bentschen nach Birnbaum.

Nach der Kapitulation Deutschlands im Ersten Weltkrieg brach am 27. Dezember 1918 in Posen ein Aufstand der polnischen Bevölkerung

aus, der innerhalb wenigerTage den größten Teil der Provinz unter polnische Kontrolle brachte. MitWirkung vom la. Ianuar 1920 beendete der Versailler Vertrag auch in völkerrechtlicher Hinsicht die Existenz der Provinz Posen. In zähen Verhandlungen sowie im Ergebnis des Abwehrkampfes der deutschen Bevölkerung konnte erreicht werden, daß als Grenze zur Republik Polen nicht - wie ursprünglich vorgesehen - die Obra festgelegt wurde, sondern daß ganz Tirschtiegel dem Deutschen Reich erhalten blieb. Zusammen mit den bei Preußen verbliebenen westlichen Restgebieten der Provinz Posen wurde die Stadt ab dem 1. Juli 1922 Bestandteil der neu gebildeten Provinz Grenzmark PosenWestpreußen. Die weitere Entwicklung des Ortes war geprägt von seiner Grenzlage. Bei der gebietsmäßigen Neuordnung der Grenzmark kam Tirschtiegel mit dem Kreis Meseritz am 1. Oktober 1938 zur Provinz Brandenburg.

Der Verfasser hat all [enen zu danken, die am Zustandekommen dieses Buches mitgewirkt haben. Besonderer Dank gebührt Ingeborg Crenzien, Brunfriede Fischer van Mollard, Ulrich Hentschke, Giesbert [ermis, Gertrud Kirschke, Gretel Lehmann, Artur Lubitz, Georg Morell, Kurt Schiller, Marianne Steinke, Leo Trompa, RudolfWeise, Wolfram Zachert und Maria Zimmermann. Der Leser ist eingeladen zu einem Spaziergang durch das Tirschtiegel von der Jahrhundertwende bis in die Mitte der dreißiger Iahre. Der Rundgang beginnt am Schloß und führt anschließend durch die Neustadt und über die Obrabrücke zur Altstadt. Von dort geht es zur ehemaligen Reichsgrenze und in die schöne Umgebung des Ortes.

BJankenfe1de, im August 1995, Norbert Diering

1 Tirschtiegelliegt in einer landschaftlich sehr schönen Gegend. Umgeben von klaren Seen, bunten Wiesen und ausgedehnten Wäldern erstreckt sich der Ort zu beiden Seiten der Obra. Herybert Menzel, der als Schriftsteller in Tirschtiegellebte, schrieb einmal über diese Landschaft: 'Sie hat etwas Lyrisches, etwas von der Musik Mozarts. Grüne wei te Wiesen. Hellstämmige Birken. Erlengebüsch.Wogende Kornfelder. Bleu- und weißbliihendes Kartoffelland. Roter, weißer Mohu hin und wieder oder gelbe Lupinen.vor allem aber viele Weidenstri che.Wie Roggen, so wachsen die vielen schlanken Ruten nebeneinander' Die Silhouette der Stadt wird bestimmt durch den weithin sichtbaren Turm der katholtschen Kirche.

2 Diese Lithographie aus dem [ahre 1901 zeigt mehrere in der Berliner Straße gelegene Gebäude. Links unten ist die alte Bürgermeisterei vor deren Umbau zu sehen. Die Maschinenfabrik von H. Richter erwarb 1909 der aus Rokitten zugezogene Schmiedemeister Paul Zimmermann. Das Distriktsamt weist auf eine Verwaltungsart hin, die es in Preußen nur in der Provinz Posen gab. Aufgrund einer von König Friedrich Wilhelm III. mit Wirkung vom 1. April 1837 erlassenen Kabinettsorder wurden in jedem Kreis der Provinz vier bis fünf Distriktskommissariate eingerichtet. Der Distriktskomrnissar übte die Polizei- und Gemeindeverwaltung in den

kleinen Städten und auf dem platten Lande aus. Er war dem Landrat unterstellt, aber selbständig als Orts-, Bau-, Wegeund Wasserpolizeibehörde.

3 Auf dieser Postkarte von 1909 fällt besonders das zu jener Zeit vom Magistrat verwendete Stadtwappen auf. Dieses Wappen ist allerdings nicht in allen Teilen identisch mit dem alten Stadtwappen von 1 659. Während das alte Wappen aufblauem Grund überWellen eine zweitürmige Wasserburg zeigt, wird die Burg in dem abgebildeten Wappen lediglich durch das Ziegelmauerwerk angedeutet. Zwischen den Burgtürmen ist der heilige Georg zu sehen, wie er - hoch zu Roß sitzend - mit einer Lanze den Lindwurm tötet. Nach einer alten Sage soll in grauer Vorzeit in den Sümpfen bei Schwarzlug, dem spateren Ziegelscheune, ein Lindwurm gehaust haben.

Sehr schön sind auch die beiden Abbildungen der katholischen Kirche: links mit dem alten Glockenstuhl und rechts mit dem neuen Glockenturm.

4 Auf die lange Tradition des Hopfenbaus in der Gegend um Tirschtiegel weist die auf dieser Ansichtskarte von 1905 abgebildete Hopfenplantage hin. Wahrscheinlich hatten böhrnische Ansiedler den Hopfenbau gegen Ende des 1 8. Iahrhunderts eingeführt. Infolge guter Stecklinge, einer sorgfáltigen Bearbeitung der Hopfenreben und der vortreillichen Behandlung der gepflückten Hopfendolden erfreute sich das Neutomischeler Hopfengebiet, zu dem auch Tirschtiegel gehörte, eines ausgezeichneten Rufes. Als jedoch in den [ahren 1885-1890 die Hopfenpreise kräftig fielen, wurde ein Großteil der pflanzen ausgerissen und durch den An-

bau von Weidenkulturen ersetzt. Gleichwohl hielt Baedekers Reiseführer NordostDeutschland den Hopfenbau im Neutomischeler Distrikt noch im Iahre 1911 für erwähnenswert.

5 Durch ein schmiedeeisernes Tor gelangte man von der Schloßstraße in den Schloßbereich. Am rechten unteren Bildrand ist ein kleiner Ausschnitt des vor dem Schloß gelegenen und von einer niedrigen Hecke umgebenen Rondells zu sehen. Einen herrlichen Anblick bieten die schneebedeckten hohen Tan-

nen.

6 Der Herrschaft Tirschtiegel unterstanden in früheren Zeiten die Alt- und Neustadt sowie zahlreiche Dörfer in der Umgebung der beiden Städte. Nach dem bis zur Mitte des vorigen [ahrhunderts andauernden Niedergang des Gutes gelang es der Familie Fischer, den Bestand der Herrschaft durch günstige Zukäufe allmählich wieder auf 3439 Hektar im [ahre 1912 zu erhöhen. Davon entfielen 2 620 Hektar aufWaldungen und etwa 450 Hektar auf Seen. Der Rest verteilte sich auf Ackerland, Wiesen, Moorweiden, den Gutshof mit Gärtnerei, den Schloßpark und sonstiges Gelände. Das Foto von der Hofseite des Schlosses wurde zu Beginn

der dreißiger Iahre aufgenommen.

7 Ernst GotthelfFischer, der Enkel jenes Holzhändlers aus Sachsen, der 1 851 das WaldgutTirschtiegel erworben hatte, heiratete am 5. Mai 1888 in Gora bei Iarotschin Marie Mollard. Wenig später bezog das junge Paar das Schloß in Tirschtiegel, wo es bis zum Iahre 1900 wolmen blieb. Um einem erneuten Zerfall der Herrschaft vorzubeugen, suftere Fischer im [ahre 1892 den Ernst Gotthelf Pischer'schen Familienfideikommiß. Am 4. September 1902 erhielt Ernst Gotthelf Fischer durch Allerhöchste Kabinettsorder den Namen Fischer von Mollard verliehen. Im Rahmen der Auflösung der Gutsbezirke in Preußen wurde auch der Gmsbezirk

Tirschtiegel-Schloß um 1928 aufgelöst und mit dem Stadtbezirk vereinigt.

8 Während das alte polnische Grafenschloß nerdwestlich der Altstadt dicht an der Obra lag, erbaute die Gutsherrschaft das neue Schloß im nördlichen Bereich der Neustadt. Dieses bestand zuAnfang des 19. Jahrhunderts noch aus drei einstöckigen Gebäuden, die in Hufeisenform angeordnet und durch Gewächshäuser verbunden waren. Erst in den [ahren 1868/69 erfolgte der Bau eines modernen Landhauses. Die Aufnahme von 1930 zeigt die Hauptfrant des stattlichen weißen Schlosses.

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