Twistringen in alten Ansichten

Twistringen in alten Ansichten

Auteur
:   F. Kratzsch und Otto Bach
Gemeente
:   Twistringen
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2819-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Twistringen in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Die Leute blieken immer so verächttich auf vergangene Zeiten, weil die dies und jenes noch nicht besaßen, was wir heute besitzen. Aber dabei setzen sie stillschweigend voraus, daß die neuere Epoche alles das habe, was man [rûher gehabt hat, plus dem Neuen. Das ist ein Denkfehler. Es ist nicht nur vieles hinzugekommen. Es ist aucb vieles verloren gegangen, im guten und im bösen. Die von damals hatten vieles noch nicht. Aber wir haben vieles nicht mehr.

Kurt Tucholsky

Die Stadt Twistringen wurde am 1. März 1974 zusarnmengefügt aus den Gemeinden Abbenhausen, Altenmarhorst, Mörsen, Scharrendorf, Stelle und Twistringen auf der einen Seite und den Gemeinden Heiligenloh, Natenstedt und Rüssen auf der anderen Seite. Auf Grund ihrer jeweiligen territorialen Zuordnung haben die Ortsteile des neuen Stadtgebietes eine zum Teil völlig andersartige geschichtliche Entwicklung durchlaufen. Die Ortschaften des nach 1618 rekatholisierten Kirchspiels Twistringen - damals einschließlich Marhorst - standen bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts unter münsterischer Hoheit. Das benachbarte evangelische Kirchspiel Heiligenloh, dem auch Natenstedt angehört, war Teil der Grafschaft Hoya. Die Dorfschaft Rüssen schließlich gehörte zum

Hoheitsgebiet der Diepholzer Grafen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts, nach dem Aussterben der beiden Grafengeschlechter, unterstanden diese Dörfer wiederum verschiedenen Linien des Herrschaftshauses Braunschweig-Lüneburg. Eine gewisse Annäherung erfolgte, als 1817 die nunmehr oldenburgische Enklave Twistringen zum Königreich Hannover kam, doch erst nach der Gebiets- und Verwaltungsreform des Jahres 1859 war erstmalig für alle Orte der heutigen Einheitsgemeinde der gleiche Verwaltungschef zuständig, und zwar der Amtmann in Freudenberg. Die Auswirkungen der jahrhundertelang getrennt verlaufenen Geschichte, in der innerhalb des heutigen Stadtgebietes zwischen den Menschen sichtbare und unsichtbare Grenzen aufgerichtet wurden, sind noch bis in die Gegenwart spürbar.

Der Hauptort Twistringen hebt sich mit seinem größeren Einwohnerzuwachs im 19. wie in diesem Jahrhundert aus dem Kreis der Altgemeinden, die dem zentralen Ort Twistringen heute verwaltungsmäßig zugeordnet sind, deutlich heraus. Twistringen ist weitgehend Einkaufsort für die Dinge des täglichen und nichtalltäglichen Bedarfs der Bewohner seines Verwaltungsbereiches geworden. Der Einfluß des zentralen Ortes stößt im Bereich der Altgemeinde Rüssen auf Grenzen, da hier Verbindungen und Bindungen zur

Gemeinde Go1denstedt jenseits der Hunte bestehen. Im Gebiet von Bockstedt, Stocksdorf, Schrnalförden und Holtorf greift der Einzugsbereich Twistringens dagegen über die Grenzen der Einheitsgemeinde hinaus,

Der vorliegende Bildband 'Twistringen in alten Ansichten' verfolgt die Absicht, zu zeigen, wie es früher im Bereich der heutigen Einheitsgemeinde Stadt Twistringen aussah. Vieles wird der ältere Betrachter wiedererkennen, was dem jungen bis jetzt völlig unbekannt gewesen sein mag. Wichtig ist den Bearbeitern dieses Bandes jedoch nicht allein die Sicherung vorhandener Fotos und Ansichtskarten aus der Zeit von etwa 1900 bis 1930 gewesen. Es ist auch darauf angekommen, Informationen über dargestellte Personen, Dinge und Verhältnisse von denen zu erhalten, die noch aus eigener Anschauung und eigenem Erleben hierüber zu berichten wissen. Ohne die beigefügten Erläuterungen wäre dem mit den heutigen Verhältnissen Vertrauten eine Orientierung in manchen Fällen kaum mehr möglich,

Die ältesten Ansichtskarten, die uns zur Verfügung standen, sind um das Jahr 1900 hergestellt worden. Schon damals sind die heute noch in Twistringen ansässigen Buchhandlungen Kalthoff und Leifeld als Verlage genannt. Die Fotografie war zu jener Zeit be-

reits den Kinderschuhen entwachsen. So wußte die Twistringer Zeitung 'Nordstern' am 9. Juli 1907 dem erstaunten Leser zu berichten, daß die Ansichtspostkarten mit Bildern von der Feier zur Einweihung des Kriegerdenkmals bereits wenige Stunden nach dem Festzuge zum Verkauf angeboten wurden. Auch die Amateurfotografie hatte ihre ersten Freunde gefunden. Einem umfangreichen Fotoalbum aus dem Jahre 1905 verdanken wir einen Teil unserer Fotos aus dem Raume Heiligenloh. In diesem Zusammenhang möchten wir es nicht versäumen, darauf hinzuweisen, daß der vorliegende Bildband nur hat entstehen können, weil viele Bürger unserer Stadt uns einige ihrer wohlgehüteten Schätze aus der Vergangenheit anvertraut haben. Für diese Mitarbeit wollen wir auch an dieser Stelle herzlich danken. Durch die bereitwillige Öffnung der alten Schränke, Truhen und Laden haben sie dazu beigetragen, daß es nun einem größeren Kreis von Betrachtern möglich wird, Veränderungen in der Landschaft, in den Bereichen des Verkehrs, der Wirtschaft, des Vereins- und Schullebens und anderen Bereichen zu erkennen, Veränderungen, die eingebettet sind in den Strom der Zeit, der auch unsere Lebensverhältnisse immer wieder den Erfordernissen neuer Situationen unterwirft.

1. Dieser "Gruss aus Twistringen' wurde um das Jahr 1900 entboten. Neben den Kirchen der beiden großen Konfessionen fanden die ersten Gastronomiebetriebe der Gemeinde in kolorierten Zeichnungen ihren Niederschlag. Aus der Darstellung des St.-Annen-Stifts sieht der Betrachter der Gegenwart, aus welch kleinen Anfängen heraus sich das Krankenhaus entwiekelt hat. Das mittlere Bild oben vermittelt den Eindruck von Weiträumigkeit und Betriebsamkeit, der wenigstens im ersteren Punkt nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmte. Man dachte bei der Gestaltung der Ansichtskarte sicherlich auch an eine Werbung für Twistringen gegenüber auswärtigen Empfängern.

2. Was waren das für Zeiten, als man sich noch in die Mitte des Zentralplatzes stellen konnte, ohne ein Verkehrsopfer zu werden! Die der Abbildung zugrundeliegende Postkarte stammt von 1906. Das Restaurant pachtete Conrad Leiber von 1905 bis 1913. Angeschlossen waren eine Bäckerei und ein Kolonialwarengeschäft. Besonders gut verkaufte die Bäckerei Schnecken; denn der angestellte Bäcker verbackte darin soviele Rosinen, daß ein Großteil von ihnen schon auf dem Weg vom Tresen zur Ladentür zu Boden fiel, Leiber fiel dies auf', und stellte den Bäcker zur Rede. Der tat Preisunterschiede bei Mehl und Rosinen mit der Bemerkung ab, es sei egal, ob man ein Pfund Mehloder Rosinen verbacke. Erwartungsgemäß ging er später als Selbständiger pleite.

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3. Dieses Foto mit dem Marktplatz, von der Ecke Große StraßejMarktstraße aus aufgenommen, stammt aus der Zeit um 1905. Tatsächlich fanden hier zahlreiche Vieh- und Krammärkte statt. 1905 beklagte der 'Nordstern' das Fahren auf den Fußwegen und das abendliche Fahren ohne Licht. Dieses Verhalten vieler Radfahrer hat sich bis auf den heutigen Tag ebensowenig geändert wie das Aussehen der Fahrräder. Inzwischen ist aus diesem Platz ein bepflasterter Parkplatz geworden. Das Grün von Bäumen war lange verschwunden. Doch sind gerade in diesem Jahre wieder ein paar Bäume angepflanzt worden.

Twistringen.

Centralplatz.

4. Das Original dieser Ansichtspostkarte trägt den Poststempel vom 3. Februar 1908. Das Bremer'sche Haus (in der Bildmitte) rückte so dicht an den Zentralplatz heran, daß es kaum Platz für einen Fußweg ließ. Das Haus rechts daneben existiert nicht mehr, ebensowenig das Bremer'sche Haus, das der Drogerie von der Ecken wich. Das helle Gebäude in der Mitte war Postmeyers Restaurant. Ganz rechts in dem Haus mit der Laube lebte der Zigarrenmacher Julius Bloch, der in der Synagogengemeinde eine hervorragende Rolle spielte und die Kinder Hebräisch lehrte. Links ist das Mock'sche, nachmals Putjenter'sche und heutige Voßmann'sche Hotel zu sehen.

5. Die Lindenstraße steilte ursprünglich nur einen Verbindungsweg untergeordneten Ranges dar. In der napoleonisohen Zeit entstand hier eine Heerstraße, die Osnabrück mit Bremen verband. Die Linden dürften in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angepflanzt worden sein. Die Straße trug zeitweilig den Namen 'Unter den Linden' und 'Herrlichkeit'. Die dieser Reproduktion zugrundeliegende Postkarte trägt den Stempel vom 29. Juni 1917. Damals saß man bei gutem Wetter in nachbarlicher Runde abends vor dem Hause und erzählte einander. Das Central-Hotel (ganz rechts) war am Anfang dieses Jahrhunderts ein häufiges Postkartenmotiv. Das deutet auf die frühere Wichtigkeit dieses Gastronomiebetriebes am Ort hin.

6. Um 1910 bannte ein Fotograf dieses Bild auf die Platte. Es zeigt die Bahnhofstraße mit Blickrichtung Scharrendorf und entstand wahrscheinlich vom Hause der Sattlerei Kalthoff aus (heute Elektrogeschäft Wessels). Vieles hat sich unterdessen geändert: Im Hause der Zigarrenfabrik Fick befindet sich jetzt das Schuhhaus Döpkens, Die Albers'sche Mühle wurde um 1920 abgebrochen. Das Gartenland, Eigentum der katholischen Kirchengemeinde in der damaligen Zeit, machte erst in den zwanziger Jahren einer Bebauung Platz, zum Beispiel für das neue Postamt. Von den Häusern der rechten Seite sind wegen der geringen Veränderungen wiederzuerkennen das zweite Haus von rechts (heute Dr. med. Becker), sowie das Gebäude mit dem Türmchen (heute Rats-Apotheke).

TWISTRI :GEN.

Bahnhofstraße.

7. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gewann, wer an der Einmündung der St.Annen-Straße in die Bahnhofstraße stand und in Richtung Zentrum blickte, diesen optischen Eindruck. Der Fahrweg der Bahnhofstraße besaß lange Jahre Kopfsteinpflaster und wurde damals schon als zu eng betrachtet. Später wiehen die Vorgärten auf der linken Seite den Verkehrsflächen. Als die Bürgersteige der Bahnhofstraße im Jahre 1905 mit grober Schlacke aufgeschüttet wurden, kommentierte dies die Twistringer Zeitung 'Nordstern' mit dem Satz: Die Schuhmacher wenigstens können mit Fug und Recht eine Dankadresse an die Chausseebauverwaitung richten.

TWISTRINGEN.

GroBestraBe

8. Kam man früher von der Steller Straße zur Großen Straße, so hatte man einen freien Bliek auf das Postmeyer'sche Haus (Bildmitte). Diese Firma trat bereits 1856 als Textilwarengeschäft auf und bestand bis 1960. Der 'Reichshof' (links) trug unter dem Erstbesitzer Gerhard Müller die Bezeichnung 'Kaiserhof'. Diesen Gasthof mit Saal baute Müller auf, nachdem er 1889 die hier bestehende Bauernstelle von einer Erbengemeinschaft Hart jens gekauft hatte. Selbstverständlich gab es hier in der Zeit der Pferdekutschen einen Ausspann. Erich Gade übernahm 1923 die Gaststätte für 5 000000000 Mark, als die Inflation ihrern Höhepunkt zutrieb. Zu dieser Zeit mochte die Ansichtskarte gedruckt worden sein.

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