Unna in alten Ansichten Band 1

Unna in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Willy Timm
Gemeente
:   Unna
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2883-4
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Unna in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Alte Städte wohl wie Mütter sind, Die in Liebe und vor Leid ergrauten, Wachen Auges, was die Parze spinnt, All' das Werden und Vergehen schauten.

Um die Burg, die Kirenen wuchsen sie, Von des Glaubens starker Hand gebreitet, Haus um Haus und Gärtchen voll Geblüh, Aus der Enge mählicn stolz geweitet,

Kleines Unna, Stadt am Hellwegstrang, Siebenhundert Jahre alte Liebe:

Daß sie sorgend noch jahrhundertlang Schaffender Geschlechter Mutter bliebe!

Diese Verse des Unnaer Rechtsanwalts und Notars Adolf Herdieckerhoff (1884-1972) mögen dem Bildband 'Unna in alten Ansichten' vorangestellt sein. Bei den in diesem Büchlein wiedergegebenen Bildern handelt es sich vorwiegend um Ansichtspostkarten aber auch andere Fotografien aus einer Zeit, in der sich das Gesicht Unnas vom Ackerbürgerstädtchen zum mittleren Industrieort wandelte. Diese Bilder sind nicht nur eine nostalgische Erinnerung, sondern wichtige historische Dokumente einer noch gar nicht so lange entschwundenen Epoche. Mit Absicht hat der Verfasser einige familiäre Beziehungen eingestreut, um zu zeigen, daß Geschichte, namentlich die des heimisehen Raumes, kein frernder Begriff sein muß, sondern in der eigenen Familie beginnt.

Die in diesem Buche vorgestellten Fotografien nehmen ihren Anfang um 1880 und enden in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts. Sie bieten somit ein Abbild jener liebenswerten idyllischen Kleinstadt unserer Großeltern, die sich - noch unberührt von den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges und den späteren privaten wie öffentlichen Sanierungsmaßnahmen - ein wenig verträumt darbot.

Wenn auch hier und da schon Ziegelneubauten mit wilhelrninischer Stuckzier vom Anbruch einer sich verändernden Zeit kündeten, so bestimmten in der Innenstadt doch vielfach noch alte Fachwerkhäuser das Bild der geschäftigen Hauptstraßen. Es war jenes Unna, das die eingesessene Bevölkerung lieb gewonnen batte, das ihr ans Herz gewachsen war, und das sie heimatbewußt als den schonsten Ort im Lande empfand. Ein wenig überheblich vielleicht machte noch in den dreißiger Jahren bis in die Nachkriegszeit ein Spruch die Runde:

Kennt iährt Westfaolens schoinste Ecke?

Dat is Unnao an dai Kürtelbecke.

Der heirnische Schriftsteller Paul Spruth hat ihn in seiner 1950 erschienenen Novelle 'Eilike von Unna' der Nachwelt überliefert. Seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen, möge dieses Büchlein uns Heutigen, Eingesessenen wie Neubürgern, behilflich sein. Wenn es ferner ein wenig dazu beiträgt, Lesern und Betrachtern die Stadt Unna etwas vertrauter zu machen, dann hat es seinen Zweck erfüllt.

Mit dem Jahre 1880 begann für Unna, das damals um die

9 000 Einwohner zählte , eine Epoche zahlreicher Industriegründungen, obgleich manche Unternehmen schon einen früheren Ursprung haben. Die einst privat betriebenen Salzwerke lassen sich urkundlich seit 1389 nachweisen; 1734 begann die staatliche Saline Königsborn. Auch das Brauwesen gehört zu den bodenständigen Erwerbsquellen in Unna und läßt sich seit der Stadtwerdung bezeugen. 1880 nahm die Zechengewerkschaft Königsborn auf Schacht I die Steinkohlenförderung auf. Zur gleichen Zeit wurden Saline und Bad Königsborn durch ihren neuen Eigentümer Friedrich Grillo an die ergiebige Solequelle zu Werries bei Hamm angebunden. Bad Königsborn wurde groß ausgebaut und nahm einen ungeheuren Aufschwung. Daß sich die Ansichtskartenmacher dieses blühenden Kurbetriebes besonders annahmen, ist nur zu verständlich. Am Ausgang des 19. Jahrhunderts erlebte Unna aber auch, was nicht verschwiegen werden soll, mit dem großen Bergarbeiterstreik von 1889 den ersten Arbeitskampf. So fand selbstverständlich auch ein Bild aus der Arbeiterbewegung Aufnahme in diesem Büchlein.

In den achtziger Jahren wurden in Unna die beiden konfessionellen Krankenhäuser gebaut. In diesen sozialen Bereich gehört auch die im August 1880 gegründete 'Barrner Ferienkolonie', die heutige Kinderklinik Königsborn. Die Stadt Unna legte in dieser Zeit ihr Ruhrwasserwerk an und im neuen Jahrhundert erfolgte 1907 der Anschluß an die Elektrizitätsversorgung. Schon im Jahr zuvor hatte die Dortmunder Straßenbahn ihre Strecke nach Unna eröffnet. Hinzu kam 1909 die Straßenbahnverbindung über Königsborn nach

Kamen. Die katholische Herz-Jesu-Kirche und die evangelische Christuskirche in Königsborn wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut. Auch sie zeigen die bauliche Ausdehnung Unnas in die nördliche Richtung.

Das stete Wachstum der Stadt erforderte eine größere Verwaltung; am Mobilmachungstag zum Ersten Weltkrieg wurde das neue, inzwischen schon abgerissene Rathaus an der Bahnhofstraße geweiht. Krieg und Nachkriegszeit brachten den Rückschlag. Die Inflation ließ Unnas Bürger zu Millionären, wenn auch recht traurigen, werden. Die Stadt gab eigenes Geld heraus; höchste Wertstufe war der Fünf-Billio nenSchein. Ein erfreuliches Ereignis schließt dieses halbe Jahrhundert Unnaer Geschichte ab: Die Kreisverwaltung verlegte 1930 ihren Sitz von Hamm nach Unna. 1930 wurde daraufhin der bisherige Landkreis Hamm in 'Kreis Unna' urnbenannt. Unna zählte damals an die 19000 Einwohner.

So beschaulich sich die meisten der nachfolgenden Bilder ansehen mögen, die hier aufgezählten Daten und die Erläuterungen zu den einzelnen Abbildungen bezeugen, daß auch in diesen fünf Jahrzehnten Unna eine lebendige Stadt war. Fehlen mochte die Hektik unserer Zeit. Und das war vielleicht das Gute.

Wer sich übrigens näher über die Unnaer Geschichte jener Jahre informieren möchte, dem sei die Lektüre des Buches von Willy Timm 'Geschichte der Stadt Unna' empfohlen, das 1975 in zweiter Auflage im Verlag von G. Hornung erschienen ist.

1. Als 'Gruss aus Unna' ist diese Ansichtspostkarte aus dem Jahre 1899 betitelt. Einen Gruß aus dem alten Unna möchte auch dieses Büchlein allen Freunden der Stadt am Hellweg entbieten. Bei den frühen Postkarten war die Rückseite der Empfängeranschrift vorbehalten; die Bildseite bot auch nur wenig Platz für Mitteilungen. So nutzte der Absender eben jedes freie Eckchen. Diese, von Paul Schade, Unnas bekanntestem Ansichtskartenverleger jener Zeit, hergestellte Karte zeigt oben rechts den alten Markt mit dem 1884 geweihten Kriegerdenkmal, darunter das 1882 eröffnete Badehaus zu Königsborn und rechts einen Bliek auf die Stadt Unna vom Sudhaus der Lindenbrauerei.

2. Auch diese Grußkarte datiert aus dem Jahre 1899. Ihre Bildehen entsprechen im wesentlichen denen der ersten Karte: Marktplatz mit Denkmal, Badehaus zu Königsborn, Totalansicht vom Westen. Hinzugekommen ist eine Ansicht der Gradierwerke Wilhelmsbau und Friedrichsbau der Saline Königsborn. Wohl einem Geschmack der Zeit folgend hat der Postkartenmacher Hugo Immenkamp, dessen Drucktradition heute die Firma Bresser fortführt, Unna unter Mondlicht gesetzt. Wie bei der vorigen fehlt auch bei dieser Karte das Stadtwappen Unnas nicht.

3. Um 1920 entstand diese Luftaufnahme von der Stadt Unna. Sie läßt vom Westen her noch deutlich das Oval des einst mauerumwehrten mittelalterlichen Stadtkerns erkennen. Vorn links im Bild erstreckt sich der alte Westfriedhof. Rechts daneben führt, vcrbei an der Gärtnerei Recker (heute Koch) und der Lindenbrauerei, die Massener Straße zum Markt, der den Mittelpunkt der Altstadt bildet. Dahinter erhebt sich der mächtige Turm der evangelischen Stadtkirche. In der linken oberen Ecke des Bildes ziehen sich die Anlagen des Bahnhofs hin,

4. Auch diese Luftaufnahme entstand um 1920. Die Kamera ist von Süden auf die evangelische Stadtkirche gerichtet. Im Vordergrund ist der Ostring, dahinter der Ulrichswall zu erkennen. In dem von Wasserstraße, Markt und Kirchplatz umschlossenen Viertel links im Bild vermuten Geschichtskenner die Keimzelle der Stadt Unna, die Stätte des einstigen karolingischen, vielleicht auch schon älteren Haupthofes.

aus lïnna i. westf.

5. Mächtig überragt auf diesem Bild die alte Pfarrkirche die kleinen Fachwerkhäuser der Innenstadt. Die Häuser links im Vordergrund gehören zum Südwall, rechts daran anschließend sind Häuser an der Wasserstraße zu sehen. Die beiden Gebäude ganz rechts im Bilde beherbergten das Fuhrunternehmen Pähler. Sie alle sind längst gefallen. Die Stadtkirche wurde anstelle mehrerer Vorbauten seit 1322 erbaut. 1467 soll der Bau fertig geworden sein. Er erfuhr im Laufe der Zeit manche Änderung. Der neugotische Turmhelm wurde nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Zwirner 1860/1863 aufgesetzt, nachdem 1860 ein Blitzschlag den früheren vernichtet hatte.

6. Der Innenraum der evangelischen Stadtkirche bietet sich als dreischiffige gotische Halle dar, wobei das Mittelschiff nur wenig breiter als die Seitenschiffe ist. Der Chorraum besitzt auf unserer Aufnahme noch das 1840 eingebaute gußeiserne Geländer, das 1936 beseitigt wurde. Die Kirchenbemalung stammte aus dem Jahre 1898. Sie wurde 1936 durch eine neue ersetzt, Die nördliche Seitenernpore wurde 1970 entfernt, gleichzeitig die 1878 eingebaute Bestuhlung gegen eine neue ausgetauscht.

7. Diese Aufnahme gewährt ebenfalls einen Bliek in das Innere der evangelischen Stadtkirche von der Orgelempore aus. Auch auf diesem Bild zeigt sich der Raum in seiner neugotischen Ausmalung von 1898; erhalten ist hier ebenfalls noch das gußeiserne Chorgeländer. Beiderseits des Altars stehen die zwei von Rudolf Schäfer geschaffenen Gernälde auf die Choräle des Unnaer Stadtpredigers Philipp Nicolai. Die Aufnahme entstand im Oktober 1931 anläßlich des Festgottesdienstes zum 25jährigen Bestehen des Evangelischen Jungmädchenvereins Unna.

8. Ein Bliek vom Turm der Stadtkirche hinab gen Süden zeigt das Häusergewirr des Krummfußes. Ganz vorn das frühere Küsterhaus, welches einst die Familie Sternfeld besessen hatte. In ihm wurde 1888 der bekannte jüdische Journalist und Schriftsteller Wilhelm Sternfeld geboren, der 1973 in London gestorben ist. Dahinter steht das Haus Flesch. Das große Dach rechts daneben gehörte zum ehemaligen Krameramtshaus. Das Gebiet des Krummfußes gilt unter Kennern heimiseher Geschichte als die Keimzelle der Stadt Unna. Der Strafsenname taucht als 'Krumvote' urkundlich bereits 1522 auf. Nach hinten wird das Bild durch die Südseite der Wasserstraße abgeschlossen, deren Häuser 1945 bei einern Luftangriff zerstört wurden.

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