Waldkraiburg in alten Ansichten

Waldkraiburg in alten Ansichten

Auteur
:   Hans-Leo Pieper
Gemeente
:   Waldkraiburg
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5443-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Waldkraiburg in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Wer die Reihe 'in alten Ansichten' kennt, wird über diesen Band erstaunt sein. Es werden wieder Fotos aus 'Großvaters Zeiten', also aus der Zeit zwischen 1880 und 1930 erwartet. Wer aber nun diesen Band in Händen hält und kein Waldkraiburger ist, der wird sogar auf nur etwas älteren Landkarten unsere Stadt vergeblich suchen. Und damit ist schon angedeutet oder zu vermuten, daß es sich um eine noch junge Stadt handelt, die sich hier in 'alten Ansichten' vorstellt. Es handelt sich um eine Stadt, deren Entstehung ungewöhnlich ist. Nur noch drei andere Städte in der Bundesrepublik haben eine ähnliche Geschichte aufzuweisen.

Der 'Markt Kraiburg', der nur 4 km südlich von Waldkraiburg liegt, ist 'Mitnamensgeber' . Ihn gibt es schon in seinen Anfängen seit 500 n.Chr. Und dann gibt es rundherum viel Wald, den 'man' vor fünfzig Jahren für geeignet hielt, darin ein 'Rüstungswerk' der Deutschen Wehrmacht 'zu verstecken'. Ja, hier konnte man wirklich ungestört Schießpulver, Sprengstoffe und Munition herstellen. Ungestört heißt, dieses Werk wurde einmal aus der Luft angegriffen - und das vermutlich aus Zufall, oder durch einen 'Notabwurf , wie es damals hieß.

Die amerikanischen Streitkräfte übernahmen im Mai 1945 ein fast 600 ha großes Gelände mit einem Betonstraßennetz von 36 km, 32 km unterirdische Wasserleitungen, ein unterirdisches Kabelnetz von fast 200 km, ein Werksbahnschienennetz mit Anschluß an die Bahnhöfe

Kraiburg und Mühldorf und Kraftwerke. Auf diesem Gelände befanden sich auch 450 Produktionsstätten (die im folgenden als Bunker bezeichnet werden) und dazu das 'Steinlager' , das 'Holzlager' und das 'Frauenlager'.

Das waren die Wohnsiedlungen, die mit den Produktionsstätten entstanden waren.

Als der Krieg aus war und Vertriebene und Flüchtlinge aus dem Osten kamen, hatten sich amtliche Stellen Gedanken zu machen, wie dieses große Problem der plötzlich anfallenden Menschenrnassen zu lösen war. So kamen schon vom 23. bis 29. April 1946 fast 2000 Vertriebenen aus Tepl, Eger und Neutitschein nach Oberbayern in unseren Raum und wurden auf die Lager um Mühldorf a. Inn und in das stillgelegte 'Rüstungswerk Kraiburg I und I1' verteilt.

Es kamen Menschen, die neben ihrem Sû-kg-pro-KopfGepäck noch etwas wichtiges bei sich hatten: Kenntnisse - Tatkraft - Fleiß und Arbeitsfreude, wie es Lisl Peschka einmal formulierte. Sie fingen schnell an, sich ihre Heimat zu schaffen. Von den Alliierten wurden zu dieser Zeit fast 100 Bunker gesprengt, weil das ehemalige Rüstungswerk ja 'entmilitarisiert' werden mußte.

Als noch weitere Bunker gesprengt werden sollten, lehnten sich die 'Bewohner des Werkes' und der Lager dagegen auf. Sie bekamen dafür von den Amerikanern kurzfristig einen Termin, alle Bunker zu 'enttarnen'. Das be-

deutete, die Erdanhäufungen, Bäume und Sträucher die rund um die Bunker angeschüttet oder gepflanzt waren, mußten beseitigt werden. Das geschah in Tag- und Nachtarbeit durch Alt und Jung, um den so kurzen Termin zu halten.

Im Sommer 1946 gab es schon 'irn Werk' eine Pumpenfabrik, eine Knopffabrik , ein Gummiwerk. die Glashütte, die Süddeutsche Gelenkscheibenfabrik und die Instrumentenmacher aus Graslitz, um nur diese wenigen zu nennen.

27 Firmen waren es dann schon im Frühjahr 1947, die ihre Produktionen aufgenommen hatten.

Während sich staatliche Stellen über Besitzverhältnisse, Mieten, Erstinstandsetzung und einen 'IndustrieSiedlungs-Plan' unterhielten, schlugen die 'Siedler' mit allen zur Verfügung stehenden Werkzeugen Fensteröffnungen und Türen in 'ihre' Bunker. Sie putzten Ziegelsteine und bauten auf und bauten um.

Mitte 1947 wurde eine 'Industriegerneinschaft' gegründet, die sich im § 7 ihrer Satzung die Aufgabe stellte: ' .... die Vorbereitungsarbeiten zur Gründung einer eigenen Gemeinde sind durchzuführen .. .' Dieses wurde auch von den umliegenden und rein bäuerlichen Gemeinden unterstützt, obwohl sie noch dafür Teile ihres Gemeindegrundes abgeben mußten.

Mit rund 2 000 Einwohnern wurde Waldkraiburg am 1. Mai 1950 zur Gemeinde erhoben. Seit 1960 - also schon

zehn Jahre später - wurde Waldkraiburg Stadt. Heute , mit bald 26000 Einwohnern, ist Walkraiburg neben Rosenheim die größte Stadt in Südost-Bayern. Genauer: rund 70 km östlich von München - fast an der BI2 München-Passau gelegen und rund 11 km südlich der Kreisstadt Mühldorf a. Inn - da liegt Waldkraiburg, mitten im Wald.

Das ist also die Stadt, die sich in 'alten Ansichten' vorstellt. Eine Stadt in der alles von heute auf morgen Vergangenheit wurde - nachdem sie gerade erst Stadt geworden war. Sie ist immer noch aufstrebende Stadt , die sich fast täglich verändert.

Eine große Aufgabe ist es heute, die Industrie aus der Stadt in das Industriegebiet umzusiedeln und auf den freigewordenen Flächen neue Wohngebiete zu gestalten.

Bleibt dem Verfasser an dieser Stelle noch der Dank an alle, die ihm mit ihren Bildern und Erzählungen geholfen haben, diesen Bildband zu erstellen: Distier Alois, Hoffmann Christel. Hüller Edwin, Meisinger Anna, Plechinger Marianne, Reisegast Hans, Reiser Adolf, Schuster Maria, Schreyer Anni, Stadtarchiv, Tropper Gertrud und Werner Wilhelm.

1. Was die Vertriebenen 1946 irn ehemaligen 'Rüstungswerk Kraiburg I und IJ' vorfanden, waren ßetonstraßen, gesprengte und 'enttarnte' Bunker, Stein- und Holzbaracken. Diese Bunker waren keine Schutzbunker, sondern Produktionsstätten für die Fertigung von Schießpulver. So sehr die vertriebenen Unternehmer nach neuen Produktionsstätten und Wohnungen Ausschau hielten solche Bunker waren nicht zu nutzen und die amerikanische Besatzungsmacht setzte alles daran, dieses Gelande zu entmilitarisieren. Bis in das Jahr 1948 hinein wurde noch gesprengt. Immer wieder gab es Angst unter den Vertriebenen und Siedlern, daß ihr schon begonnenes Aufbauwerk durch eine völlige Zerstörung der Bunker zunichte gemacht würde.

2. In diese Holzbaracken wurden die vertriebenen Menschen aus dem Sudetenland eingewiesen. Dieses Bild zeigt eine typische Lagerstraße und die damals herrschenden Straßenverhältnisse. Die mit dem Kreuz ( + ) gekennzeichnete Baracke wurde die spätere ' Holzkirche '.

3. Diese Bunkerreihe ist schon 'enttarnt', das heißt, sie ist in mühevoller Handarbeit vorn Baumund Strauchbewuchs und von den Erdwällen befreit worden. Nun steht sie 'entrnilitarisiert' da. Das sind die kleinen Bunker, die sich für Wohn- und betriebliche Nutzungszwecke gut eignen.

4. Das läßt sich auch hier gut erkennen. Neue Bäume, oder die von der 'Enttamung' wurden eingepflanzt. Ein Zaun umschließt den Vorgarten und die Sonnenblume lächelt den Betrachter freundlich an. Kinder spielen auf der alten Betonstraße. Wer weiß noch, daß das einmal die Haidaerstraße war?

5. Und die Bautätigkeit ging weiter. Menschen wollen immer in Häusern wohnen und die Büros der aufsteigenden Industriebetriebe wollten auch untergebracht werden. Baumaterial war knapp oder gar nicht zu bekommen - aber Bunker und ganze 'Fertigungsstraßen' standen genügend und ungenutzt herum.

6. Aus der zuvor gezeigten Fertigungsstraße - oder einer ähnlichen Einrichtung - entstand dieses 'Elaston' -Bürogebäude, das später dann ein Reihenhaus für die 'Elaston' -Belegschaft wurde.

7. Und viele Vertriebene wollten ihr Eigenheim haben. Es ist richtig, daß Häuser von Genossenschaften und Bauunternehmern erstellt werden. Unsere hier angesiedelten oder auch schon beschäftigten Bewohner kauften sich 'ihren' Bunker und schufen sich mit Spitzhacke, Preßlufthammer und Schaufel ihr Eigenheim. Das war beispielweise das 'Gebäude 77' im Jahr 1953 von vorne (oberes Bild) und von hinten im Jahr 1952 (unteres Bild). Die Tür- und Fensteröffnungen sind schon herausgearbeitet - aber viel gab es immer noch zu tun. 1954 war dieser ehemalige Bunker bezugsfertig.

???

-

8. Nachdem die seitlichen Auskragungen abgestemmt waren, eine Hecke das Anwesen schön urnrahmte, konnte der Hausherr sich zwar ein wenig ausruhen - aber das Haus wurde langsam zu klein. Mit allen nur erreichbaren Kraften wurde darum wieder ausgeschachtet, betoniert, gemauert ...

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek