Walldürn in alten Ansichten Band 1

Walldürn in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Peter Assion
Gemeente
:   Walldürn
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3153-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Walldürn in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Walldürn ist ein nordbadisches Städtchen am Ostrand des Odenwaldes, vor hundert Jahren von rund 3 000 Bürgern bewohnt, ein Städtchen kleiner Bauern und Handwerker damals noch, inzwischen industrialisiert und verstärkt von neuzeitlichen Entwicklungen erfaßt. 'Walldürn' als Begriff aber geht nicht in diesen Fakten auf, und mag der badische Heimatdichter Heinrich Vierordt vom heutigen Geschmack auch der Überschwenglichkeit geziehen werden, er hat doch etwas Richtiges gesagt mit dem Anfangsvers seines Walldürn-Gedichtes, der da lautet: 'Walldürn, bei deines Namens Klang erglühn der Andacht Kerzen'. In schlichtes Deutsch übersetzt: Walldürn läßt zuerst an Kirchliches denken, an fromme Leute und Glaubensgeheimnisse. Daß dem tatsächlich so ist, das erfährt der Walldürner in der Fremde wieder und wieder, wenn er nach seiner Herkunft gefragt wird. 'Walldürn? Ist das nicht der katholische Wallfahrtsort? Ist da nicht irgendein Wunder geschehen?' Oder spöttisch: 'Ach ja, das Heilige Land, wo die ganz Frommen zuhause sind!'

Ins Jahr 1330 legt die fromme Überlieferung das Walldürner Blutwunder, ein eucharistisches Messe-Mirakel, und damit den Ursprung einer Wallfahrt, die im Lauf der Jahrhunderte das kleine Odenwald-Städtchen im Süden bis nach Bayern und Österreich, im Westen bis ins Elsaß und an den Niederrhein und im Osten gar bis nach Polen und Weißrußland hinein bekannt gemacht hat. Der machtige Bau der barocken Wall-

fahrtskirche markiert den Höhepunkt dieser Entwicklung. Sie hatte auch wirtschaftlich für Walldürn einiges bedeutet, denn die Wallfahrt brachte immer wieder Fremde in die Stadt, und die Fremden brachten Geld. Aufklärungszeit, Kriegswirren, geistige und politische Umbrüche hatten aber dann vom frühen 19. Jahrhundert an den Niedergang von Stadt und Wallfahrt im Gefolge, und es galt fortan, mit dem Zwiespalt zwischen ärmlicher Lebenswirklichkeit und den Ansprüchen einer großen Tradition zu leben.

Hilfe von außen gab es bis in die letzte Nachkriegszeit kaum. Und dennoch wurde Walldürn nur scheinbar zur abgeschirmten, friedlichen Idylle, wie sie die Dichter und Maler seinerzeit liebten und auch noch die Maler mit der Lichtbild-Kamera und die ersten Berufsfotografen schätzten. Neue Türen nach draußen taten sich auf, als im Hausierhandel mit Wallfahrtsprodukten eine zusätzliche Erwerbsquelle entdeckt wurde. Die Einwohnerschaft wuchs, die Ackerstreifen wurden noch schmaler, die Lebensverhältnisse noch dürftiger, und erst recht ernährte das Handwerk kaum noch seinen Mann, aber Not macht erfinderisch.

Bis Jahrhundertende waren zehn Prozent der Bevölkerung ständig im Wandergewerbe unterwegs. Zugleich brachte das Zeitalter der Eisenbahn Walldürn ein neues, nüchternes Interesse entgegen und holte sich hier, wie im gesamten Odenwald , Holz und Steine und Arbeiter für seine aufwachsenden Industriestädte, Dienstmädchen für seine großbürgerlichen

Haushaltungen, Soldaten für seine Kriege. Und der Geist der Zeit wurde auch am Ort wirksam, aus Familienbetrieben erwuchsen Fabriken (für Kerzen, Lebkuchen und künstliche Blumen) und die Bevölkerung wurde immer deutlicher in Selbständige und Unselbständige geschieden: in Reich und Arm und einen Mittelstand dazwischen. Wer aus seinen ärmlichen Verhaltnissen herauskommen wollte, dem blieb die Abwanderung in die Stadt oder aber der Ausweg ins verheißungsvolle Amerika. Nicht wenige Walldürner sind diesen Weg gegangen, so daß bis 1900 die Einwohnerzahl gar rückläufig war. Erst von da an stieg sie wieder mit florierender Wirtschaft, so wie auch die Wallfahrt mit heute zirka 100000 jährlichen Besuchern eine neue Zukunft vor sich hatte.

Die nachfolgenden Bilder aus den Jahren 1880 bis 1930 entstammen, soviel ist deutlich, einer Zeit des Umbruchs, auch wenn dies oft nur mittelbar zu erkennen ist. Bis in die jüngste Zeit war in Walldürn noch viel alte Bausubstanz erhalten, die mit gewisser Verspätung den gewandelten Lebens- und Arbeitsverhältnissen zum Opfer fiel. Eine umso deutlichere Sprache aber spricht der Text mit seinem Ieitrnotivischen 'abgerissen', das die alten Fotografien zu historischen Urkunden von Rang aufwertet. Zu beachten ist zusätzlich, daß die frühe Fotografie auch in Walldürn die malerischen Schauseiten, die typisiert-statischen Stadtansichten mit der Wallfahrtskirche und kirchliche Motive bevorzugte: wie schon die Zeichner

der Walldürn-Bildchen für den Wallfahrtsmarkt, und tatsächlich setzen die alten Fotos zum Teil deren Tradition fort und verdanken - zeitgemäß als Postkarten vervielfältigt - der Nachfrage der Pilger ihre Existenz. Als Verleger begegnen entsprechend Devotionalienhändler wie Gottfried Bonn, Wilhelm Blau, Wilhelm Nimis und deren auswärtige Konkurrenten. Der allgemeine Fremdenverkehr verhalf aber dann auch dem weltlichen Walldürn zu seinem Recht und bannte neben Rathaus und Schloß und so weiter und neben jenen gründerzeitlichen Neubauten, in denen sich stolz das neue Walldürn repräsentiert sah, auch viele Privathäuser aufs Kopierpapier, deren Geschichte nicht weniger charakteristisch ist wie die der offiziellen und 'schönen' Bauten. Dieser Häuser und ihrer Bewohner war nachfolgend bewußt zu gedenken. Zusätzlich hat die eine oder andere LiebhaberAufnahme (von Georg Schreiber, Walldürns erstem Berufsfotografen, oder von Kaplan Joseph Ruch, der die Wallfahrt um 1920 dokumentierte) sowie manches Laien-Foto ermöglicht, ein einigermaßen geschlossenes Bild von Alt-Walldürn zusammenzustellen. Die Bild-Originale kamen dazu aus dem Archiv des Städtischen Heimatmuseums, dem Verlag Bonn, einer eigenen Sammlung und von privaten Leihgebern. Möchten eine wohl verstandene Heimatliebe und Heimatforschung aus unserem Büchlein Nutzen ziehen!

1. 'Hier ist alles wohl', schrieb 1916 ein Besucher aus der Kleinstadt-Idylle Walldürn an seine Angehörigen. Das 19. Jahrhundert hatte Walldürns 'Totalansicht' zwar durch den Abriß aller Türme das Gotisch-Spitze genommen und zu biedermeierlicher Behäbigkeit eingeebnet. Das Siedlungsbild ist jedoch noch immer das altvertraute und, von der 'Heide' her gesehen, fast unverändert mittelalterliche:

Dächergewirr am westlichen Hang des Marsbach-Oberlaufes, überragt von der mächtigen Pfarr- und Wallfahrtskirche, die 1698/1728 an Stelle eines kleineren gotischen Baues errichtet worden war.

2. Im 13. Jahrhundert hatte Graf Konrad von Dürn jener Stadt, nach der er und sein Geschlecht sich nannten, das Stadtrecht verliehen. Schon 1294 war Dürn (seit etwa 1420 als Wallfahrtsort Wall-Dürn genannt) zwar an den Erzbischof von Mainz verkauft worden, doch war es auch als mainzischer Ort, Sitz einer Kellerei und Mittelpunkt einer Zent eine wehrhafte Stadt. Zwei Türrne sicherten gen Süden und Norden die Zufahrten, und eine Mauer mit Graben umgab das Ganze. Von der Mauer haben sich bis heute Reste erhalten, und auch auf dem obigen Bild bezeichnen Häuserfronten und Gartengrün genau den Verlauf von Stadtmauer beziehungsweise Stadtgraben. Parallel dazu die aufgeschüttete Marsbachstraße.

3. Ob man sich von Süden, Osten oder Norden Walldürn nähert: stets tritt beherrschend die Kirche ins Blickfeld. Ihre Baumeister hatten diese Wirkung für die Pilgerseharen wohl berechnet, und so lange sich Walldürn als kleine Siedlung um diese Kirche scharte, war der Eindruck von der Riesenhaftigkeit des Gotteshauses nur um so größer. Das alte Foto zeugt noch davon. Es ist ebenfalls von der 'Heide' aus aufgenommen, vom jenseitigen Hang des Marsbachtales, von dem aus Walldürn am besten zu überblieken ist, 'Heide' und Tal-Niederung sind noch unbebaut. Am 'Mühlweg' aber steht der stattliche Sandsteinbau des Städtischen Krankenhauses St. Josef von 1904, und schräg davor die Retzbachsmühle (nach Einheirat heute Anwesen Bleifuß).

4. Wa1ldürns Entwicklung in den beiden Jahrzehnten vor und nach der Jahrhundertwende verdeutlicht diese frühe Luftaufnahme in großem Überblick. Im Vordergrund haben massive Bürgerhäuser mit zugehörigen Fabrikanlagen die Buchener Straße zum repräsentativen Entrée in das kleine Landstädtchen werden lassen. Man erkennt rechts die Wachswarenfabrik Heinrich Kieser (gegründet 1889), die Zuckerwarenfabrik Viktor Kieser (gegründet 1896), die Blumenfabriken Franz Leopold Link Söhne (gegründet um 1870) und Lothar Klingenberger (gegründet 1895) auf der anderen Straßenseite, vor denen sich die Lebkuchenfabrik Georg Kramer (gegründet 1886) in die nun erschlossenen Lehgüter hinein erstreckt. Dahinter geht der Bliek über die enge Altstadt hinweg ins Marsbachtal und zur 'Heide'.

5. Die Altstadt aus der Vogelperspektive, Entlang der Nord-Süd-Achse, der Hauptstraße oder 'Schtaad', die größeren Bürgerhäuser des 15. bis 18. Jahrhunderts und das Rathaus. Hinter der Kirche der dicht bewaldete alte Friedhof, und links oben die bäuerlich geprägte Obere Vorstadt entlang der Straße nach Hornbach bezihungsweise Rippberg-Arnorbach. Zwischen Vorstadt und Kirche die 'Schmalzgasse', und an deren Ende die Blumenfabrik Wilhelm Heß (gegründet 1874).

6. Wallfahrtsstraßen und Pilgerwege nach Walldürn kennzeichnen seit jeher Bildstöcke und Kapellen. Das 'Träubelesbild' hat 'dem H. Blut zu Ehren' 1744 der Schweinberger Bürger Jakob Ghod nahe bei der Stadt an die Straße stellen lassen, die von Höpfingen und der 'Heide' herüber zum ehemaligen See führt. Sie wurde und wird noch von vielen aus dem Würzburgischen kommenden Prozessionen begangen.

7. An der gleichen Straße grüßte den Wallfahrer vor der Mauer des Stalfschen Gartens eine kleine Kapelle, die 1718 von den Walldürner Bürgern Andreas Eckert, Valentin Pahle, Jakob Dum, Jakob Wintzig und Andreas Throm errichtet worden war und eine tönerne Pieta barg. Oscar Stalf hat 1954 für diese Plastik eine neue, größere Anlage schaffen lassen. Das alte Kapellehen war das älteste seiner Art im Frankenland.

8. 'Walldürn am Sec' - so stand es einst auf alten Briefen. Der See war in der Tat einst groß und künstlich angelegt durch Stauung des Marsbaches, dessen Abfluß durch ein kleines Wehr reguliert wurde. Einerseits konnten dadurch Altstadt und vorgelagerte Gärten vor Hochwasser geschützt werden, andererseits war der See ein vorzügliches Wasserreservoir, das Wasch-, Gieß-, Tränk- und vor allem Löschwasser lieferte. Im BrandfalJe wurde das Wasser mit ledernen Eimern in die Stadt hineingereicht. Nächster Zugang durch die Stadtmauer war das nahe 'Seetor'. Um 1900 bestand davon nur noch der untere Teil eines kleinen Rundturrnes, genannt 'Storchennest', weil ein Haus daraufgesetzt worden war.

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