Warendorf in alten Ansichten

Warendorf in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Paul Leidinger
Gemeente
:   Warendorf
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2820-9
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Warendorf in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Der immer rascher fortschreitende Gestaltwandel unserer Städte und Dörfer seit Beginn der Industrialisierung macht alte Ansichtskarten und Bilder heute zu einer einzigartigen Quelle, um das Aussehen unserer Orte in vergangener Zeit, um Menschen und Milieu darin zu erfassen und in ihrem zeitspezifischen Stil zu dokumentieren. Das gilt bereits für die ersten Jahrzehnte der Fotografie seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, in denen sich die Lichtbildkunst trotz ihrer damals noch gering entwiekelten Technik immer mehr als ein künstlerisches Medium zur Darstellung von Wirklichkeit und zur Interpretation der darin vorliegenden Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt, zur Gesellsohaft und Natur verstand.

Der heutige Betrachter alter Ansichten erstaunt daher nicht wenig über die außerordentlich farbig und vielseitig komponierte Wiedergabe der damaligen Lebenswirklichkeit, die auch das Alltagsmilieu nicht ausspart, es aber gleichsam in den Sonntagsglanz der Optik kleidet. Es ist die Welt unserer Großund Urgroßväter, die in ihrer baulichen Erscheinung, ihren Moden und Traditionen, in den sozialen Verhaltnissen und damaligen technischen Errungenschaften, in ihrem Selbstbewußtsein und Weltverständnis verdeutlicht wird; es ist eine Welt, die noch nicht die Hektik des Verkehrs, den nüchternen Zweckbau des Beton und das gleißende Neonlicht unserer Tage kennt, sondern offenbar noch beschaulicheren und humaneren Maßstäben huldigt, selbst wo die gesellschaftliche Problematik nicht verborgen bleibt. Nicht zuletzt deswegen ist sie von manchen späteren Zeitgenossen - trotz oder vielleicht gerade wegen des inzwischen gesteigerten zivilisatorischen Fortschritts - vielfach als 'die gute, alte Zeit' apostrophiert worden. Auch in der nostalgischen Rückerinnerung der Gegenwart gewinnt sie neues Interesse, das sich in der Sammelleidenschaft von Zeugnissen aller Art der wilhelrninischen Epoche und in der beginnenden Aufwertung

ihrer Bauwerke als erhaltenswerter Kulturdenkmale äußert, wo diese nach den zerstörerischen Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges und einer vielfach kritisch zu beurteilenden Ortssanierung heute überhaupt noch vorhanden sind.

Ein bemerkenswert reicher Bestand alter Bilder, der bis 1870 zurückreicht - bis in die Anfangsjahre der Kunstfotografie also - und durch glückliche Fügung seit Jahrzehnten schon gesammelt worden ist, ermöglicht es, im vorliegenden Band auch die ostmünsterländische Stadt Warendorf in alten Ansichten zu dokumentieren. Das Jahr 1930 bildet dabei entsprechend der Anlage der Buchreihe den Endpunkt der Betrachtung. Es kommt also die Zeit des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik zur Darstellung, wobei das Schwergewicht jedoch auf den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg liegt, die in der Zeitatmosphäre auch vom Material her am besten zu erfassen sind.

Allerdings ist Warendorf kein besonderes Exempel um den Baustil der bezeichneten Epoche zu dokumentieren, dem in der Stadt nur relativ wenige Häuser angehören, von denen das als Baudenkmal regional bedeutsame Sophienstift überdies erst kürzlich abgerissen worden ist. Als kleine Kreisstadt mit 1870 etwa 5 000 und 1930 gerade 9 000 Einwohnern stellt es aber doch ein recht individuell geprägtes kulturhistorisches Beispiel der Zeit dar, in dem freilich traditionelle Elemente dominieren. So ist die bürgerliche Lebenswelt um 1870 noch durch einen spürbaren Entwicklungsrückstand gekennzeichnet, der seine Ursache in dem Niedergang der einst blühenden und berühmten Leinenerzeugung Warendorfs im Zuge der Industrialisierung hat. Gehörte die Stadt um 1800 mit rund 4 000 Einwohnern, einem beachtlichen Gewerbereichtum und einer recht zentralen Verkehrslage im Postkutschennetz der damaligen Zeit noch zu den zehn größten Orten Westfalens, so sank sie bei fast gleichbleibender Bevölkerungszahl bis 1870 zu einer abseitigen Landstadt ab,

an der die modernen Straßen- und Schienenwege lange weitab vorüberführten, Ihre industrielle Entwicklung, die die Firma Brinkhaus & Wiemann bereits 1847 einleitete, wurde dadurch außerordentlich behindert. Daher kennzeichnen wirtsohaftliche Not und Armut lange Jahrzehnte über die bürgerschaftlichen Verhältnisse Warendorfs im 19. Jahrhundert. Sie erklären zugleich den urtümlichen baulichen Charakter des Stadtbildes, der auf den ältesten Bildern um 1870, aber auch noch bis weit nach 1900 entgegentritt: vor den giebelprächtigen Häusern des 16. bis 18. Jahrhunderts, die den Wohlstand und Gewerbef1eiß der Erbauerjahre verkörpern, scheint die Zeit ähnlich wie im Märchen von Dornröschen still zu stehen.

Erst ab 1880 zeichnet sich eine allmähliche Entwicklung ab. Neue Textilwerke entstehen, neben die seit der Jahrhundertwende auch kleine Maschinenfabriken treten. Die Besiedlung weitet sich über die alten Mauern in das Stadtfeld aus. 1887 erfolgt endlich auch der Anschluß an das Eisenbahnnetz. Aber noch bestimmen vorwiegend Kleingewerbe das wirtschaftliche Leben. Kulturträger sind eine Reihe bürgerschaftlicher Vereinigungen, darunter vor allem der Bürgerschützenverein, die Gesellschaft Harmonie, die Gesangvereine, ab 1902 auch der Heimatverein, nicht zuletzt aber das 'Königliche Gymnasium Laurentianum' und das seit 1882 in Warendorf etablierte 'Königliche Lehrerseminar'. Deren Schüler und Studenten belebten nicht nur mit ihren bunten Mützen, sondern auch mit mancherlei Streichen das bürgerlichkonservative Stadtbild, aus dem allerdings 1878 mit dem Abzug der Garnison der unmittelbare Glanz von 'Preußens Gloria' verschwand. Sport wurde damals in Warendorf noch klein geschrieben, aber exklusivals Reiterei beim 'Königlichen Landgestüt' und beim 'Tennis-Law-Club' seit 1897 betrieben.

Das Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg ist dann vornehmlich

durch technische Modernisierungen gekennzeichnet, die sich ab 1907 in einer zentralen Wasserversorgung, Kanalisation, Elektrifizierung und allmählichen Motorisierung, aber auch in Veränderungen der Wohn- und Geschäftshäuser ausdrücken, die einen zunehmenden Wohlstand dokumentieren. Damit sind aber die wesentlichen zivilisatorischen und wirtschaftlichen Impulse entwickelt, die nach 1918 in Warendorf lediglich fortgeführt werden, ohne sie nennenswert zu erweitern. Erst die Zeit nach 1945 setzt in der Entwicklung der Stadt neue Akzente, die eine Veränderung ihrer Gesamtstruktur zur Folge haben.

In der nachfolgend gebotenen, leider nur beschränkten Bildauswahl ist versucht worden, das Typische der Jahre 1870-1930 im Stadtbild und in den Lebensverhältnissen der Bürger zu dokumentieren und dabei vor allem die früheren Zustände festzuhalten. Nicht geringe Mühe wurde auf die jeweilige Kommentierung der Bilder gelegt, die teilwiese nach Art eines historischen Ortslexikons verfaß t ist. Sie mag mit den zugehörigen Ansichten dazu beitragen, die historischen Grundlagen und Bedingungen des Stadtbildes angesichts der derzeit anstehenden Ortssanierung zu verdeutlichen, und somit helfen, Warendorf seinen baulichen Charakter als traditionsreicher altmünsterländischer Gewerbebürgerstadt zu bewahren, wie er nach den Kriegszerstörungen sich heute einzig noch hier in solcher Vollständigkeit erhalten hat. Gewidmet sei das Bändchen dem Heimatverein Warendorf zu seinem 75jährigen Bestehen 1977, der schon bald nach seiner Gründung 1902 eine Sammlung alter Ansichten in der Stadt begann, die der vorliegenden Veröffentlichung weitgehend zugrundeliegen, und allen Heimatfreunden Warendorfs, von denen viele während meiner fast zwölfjährigen Leitung des Stadtarchivs den Ausbau des Bildarchivs weiter förderten.

Ware.dorf vor 75 Jahren,

1. Die um 1900 entstandene Ansicht lehnt sich an eine 1826 von dem Warendorfer Maler Theodor Möller erstellte Lithographie an. Sie zeigt die idyllisch in die Emslandschaft gebettete Stadt von Norden mit dem machtigen Emstor, den beiden Pfarrkirchen und dem Franziskanerkloster sowie der umlaufenden Festungsmauer, im Vordergrund den Fluß mit den Bleichen für das Leinen, das als Qualitätserzeugnis bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts berühmt und Grundlage für den Wohlstand Warendorfs in früherer Zeit war. Bis um 1900 hatte sich allerdings die Ansichtssituation der von der Industrialisierung fast unberührt gebliebenen Stadt kaum geändert. Gehörte sie um 1800 mit rund 4000 Einwohnern noch zu den zehn größten Städten Westfalens, so war sie um 1900 mit gerade 6 000 Einwohnern eine recht beschauliche kleine ländliche Kreisstadt.

2. Ein Wahrzeichen der Stadt war seit alters die St.-Laurentius oder Alte Kirche, die sich hier in ihrem Aussehen vor 1913 präsentiert. Seit der Pfarrgründung durch den fränkischen Missionsabt Bernrad um 784 war sie der Kernpunkt Warendorfs, um den sich die Kirchsiedlung und spätere Stadt entwickelte. Auf den Fundamenten älterer Vorgängerbauten errichtete man nach dem großen Stadtbrand von 1404 eine dreischiffige gotische Hallenkirche mit drei Jochen, deren Turm man aus dem romanischen Bau des 12. Jahrhunderts übernahm. 1471 gliederte man ihm seitlich ein viertes Joch an. Der 1886 in neugotischer Weise umgestaltete Turm mußte anläßlich der Kirchenerweiterung von 1913/1914 dem davor gesetzten, heutigen massiven Westwerk weichen.

3. Eine zweite Urzelle Warendorfs war der fürstbischöfliche Amts- und Müh1enhof mit den Mühlwerken beiderseits der Ems. Bis 1173 war er Stammsitz des später in Lübeck und im Ostseeraum berühmt gewordenen Ministenalen- und Fernkaufmanngeschlechtes von Warendorp, dann der Familie Zurrnühlen, die im 18. Jahrhundert einen herrschaftlichen Wohnsitz hier errichtete. Daneben nehmen sich 1878 die 1793 erbauten eingeschossigen Ständergebäude der Mahlmühle links und der öi- und Wa1kmühle rechts bescheiden aus, obgleich sie seit dem Mittelalter Zentrum einer großen bischöflichen Villikation und eines der bedeutendsten Mühlwerke an der Oberems waren. 1890 kaufte die Stadt die Besitzung, um sie 1906 an den damaligen Anpächter Christoph Kottrup zu veräußern.

4./5. Das zusammengesetzte Panorama-Foto von 1880 läßt erkennen, wie weitgehend die bauliche Situation Warendorfs bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts von dem mittelalterlichen Stadtbild bestirnrnt blieb. Auf einer Bodenlinse des südlichen Flußufers erhebt sich die Altstadt, deren Mitte der Turm von St-Laurentius bezeichnet. Davor stehen eng gedrängt die Fachwerkhäuser der Bürger am Ernstor, dessen Festungswerke bereits 1775 niedergelegt wurden. Behabig breitet sich daneben mit seinem breiten Dach der adelige Mühlenhof aus. Ihm vorgelagert sind zu beiden Seiten der Ems die Mühlen, deren machtige Räder der Fluß antreibt. Rechts zieht sich die Stadtmauer entlang von Mühlenkolk und Ems zum Schutz gegen Hochwasser hin, hinter der sich die Marien- oder Neue Kirche mit ihrem 1870 aufgesetzten gotischen Turm erhebt. Das 1741 vom Feuer fast gänzlich eingeäscherte

Stadtviertel zeigt eine lockerere Bebauung als der alte Ortskern. Vor dem Emstor liegt die mit machtigen Stützmauern geschützte Bastion des Lohwalls, eines durch den Flußlauf von der Stadt getrennten Vorwerks, das 1734 durch Schlaun erneuert wurde und seinen Namen von den hier befindlichen Lohgruben der Gerber und Schuster erhielt. Vom Lohwall aus führte eine dreibogige Steinbrücke über den 1932-1938 zugeschütteten Gelben Kolk. Die ehemals tiefgelegenen Wiesen der Flußtalung dienten zum Bleichen des einst berühmten Warendorfer Leinens. Die 1879 jenseits des Gelben Kolks auf der Emsbleiche neu erbaute Firma Brinkhaus bezeichnet den allmählichen Übergang der Stadt ins Industriezeitaiter.

Warenderf Emstor

6. Von den vier alten Toren der Stadt war das Emstor das markanteste. Es entstand dort, wo seit alters eine flache Furt den Übergang über die Ems und die Überquerung der sich hier verengenden breiten Flußtalung begünstigte. Der als Fernstraße bedeutende Weg wurde im Verlauf des Mittelalters durch drei große Brücken mit dazwischen liegenden Erddammaufschüttungen gesichert: über die mit der Stadtgründung südlich an den Ort herangelegte Ems, über den Gelben Kolk und nördlich über den Altarm des Flusses. Eine vierte, kleinere Brücke überspannte einen Abzugsgraben vom Altarm zum Mühlenkolk. Die Ansicht von etwa 1908 zeigt im Vordergrund die um 1800 erbaute und 1905 durch angesetzte Bürgersteige verbreiterte Brücke über den Gelben Kolk, die mit dessen Zuschüttung 1938 verschwand.

7. Das Bild von 1899 verdeutlicht die alte Situation des Emstores noch annähernd. Die eng aneinandergelehnten und den Fluß teils weit überkragenden Fachwerkhäuser waren auf die Stadtmauer aufgesetzt, Die beiden Häuser rechts der Brücke dienten der Firma Brinkhaus lange als Lager und wurden 1899 abgerissen. Das gegenüberliegende alte Pförtnerhaus (heute Photo Koch) war ursprünglich eingeschossig und wurde damals aufgestockt. Auf dem Lohwall sind die alten Tortürme bereits 1775 beseitigt worden. Aus ihrem Material wurde 1794 durch den Münstersehen Major Boner und Warendorfer Maurermeister Pfister anstelle einer früheren hölzernen Ziehbrücke eine dreibogige Steinbrücke erstellt, die sich hier noch in ihrer unverbreiterten Gestalt darbietet. 1945 wurde sie ein Opfer des Krieges.

Warendorf

Ems[traße mil Brücke

8. Die Ansicht entstand kurz nach der Verbreiterung der Brucke durch angesetzte Bürgersteige 1905 und läßt erkennen, wie sehr Fluß und Brücke Anziehungs- und Treffpunkt für Jung und Alt waren. Das rechts der Brücke gelegene repräsentative Eckhaus erbaute 1789/91 der Tuchhändler Zacharias Joseph Herding, der Stifter des Promenadenwegs zum Kalvarienberg. 1843 eröffnete hier der aus Horstmar gebürtige Kaufmann Hermann Brinkhaus ein Manufakturgeschäft, das er 1847 in Kompanie mit Eduard Wiemann zu einem Textilverlag und einer Fabrikation erweiterte, die er 1855 in das frühere Waisenhaus an der Kirchstraße verlegte. Die 1899 gegenüber abgebrochenen Häuser dienten dabei als Lager, in denen Garne an die Heimweber ausgegeben und die fertigen Tuche abgenommen wurden.

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