Warendorf in alten Ansichten

Warendorf in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Paul Leidinger
Gemeente
:   Warendorf
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2820-9
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Warendorf in alten Ansichten'

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{)Jarendorf

Emsltraße

9. An der Emsstraße, die hier aus der Richtung des Marktes mit Bliek auf das Emstor gezeigt wird, reihten sich die stattlichen Häuser der Tuchhändler, Kramer, Gastwirte, Bäcker und Brauer, die das wohlhabendere Gewerbebürgertum der Stadt verkörperten. Die platzartig sich verbreiternde Straße kannte im Zeitalter der Pferdefuhrwerke offensichtlich keine Parkprobleme, Eine Pferdekrippe vor der Wirtschaft links sorgte auch für die Vierbeiner. Kinder und Frauen waren an das holperige Kopfsteinpflaster der Straße und die 'Katzenköpfe' des Bürgersteigs gewöhnt. Kanalisation gab es 1907 noch nicht. Die großen Deelentore mußten 1923 und 1927 Umbauten weichen.

10. Der Marktplatz, der hier den Bliek in die Emsstraße freigibt, war seit der Stadtgründung um 1200 Zentrum urbanen Lebens, das wesentlich von der über ihn führenden Fernstraße vom Rhein zu den Handelsplätzen an Ost- und Nordsee gefördert wurde. In den giebelprächtigen Häusern verkörpert sich der Wohlstand früherer Zeit, der im 19. Jahrhundert nicht mehr galt. Das nach dem Stadtbrand von 1404 erbaute und 1870 zur Marktseite hin durch einen stolzen Portalvorbau geöffnete Rathaus beherrscht den Platz, auf dem im Jahre 1878 die Zeit still zu stehen scheint. Das stattliche Haus links war bis 1661 als 'Gasthaus zum Schwanen' Warendorfs renommiertestes Hotel, in dem nach den Wiedertäuferunruhen 1534 der Münstersche Fürstbischof Franz von Waldeck residierte und Strafgericht über die Stadt hielt. Seit 1703 beherbergt es die Hirschapotheke.

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11. Bis 1913 schaute noch der mittelalterliche Turm von St-Laurentius über die Dächer auf den Markt, der sich an den wöchentlichen Markttagen, den Bürgersprachen und Hochfesten des Jahres belebte, 1534 auch das grausige Schauspiel der Wiedertäuferhinrichtung erfuhr und in seinem öffentlichen Pranger Übeltäter dem Gespött der Bürger aussetzte, bis dieser 1776 'wegen Verschönerung und Egalisierung des Marktes' beseitigt wurde. Schon 1763 mußte auch der große Brunnen 'wegen Verschönerung und Erbreiterung des Marktes' weichen. Fortan versergten zwei Pumpen Anwohner und Gäste bis 1907 mit Wasser. Gaslaternen erleuchteten den Platz seit 1862. Freitreppen mit Sitzbänken vor den Häusern luden zum Verweilen ein. Auch die neben dem Rathaus durchschauende Fabrik von Brinkhaus und Wiemann scheint die friedvolle Idylle nicht zu stören.

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12. Auch die Südseite des Marktes zeigt sich 1878 noch wenig kommerzialisiert. Urtümliche Verkaufsladen bestimmen das Bild. Große Schaufenster werden erst seit 1909 nach und nach in die Häuserfronten eingebrochen. Wohlhabenheit und Bürgerstolz repräsentiert das um 1552 errichtete Haus der Löwenapotheke, dessen ursprünglicher Spitzgiebel 1870 einem mächtigen Treppengiebel weichen mußte. Die 1616 durch den Rat der Stadt konzessionierte erste Apotheke Warendorfs befand sich seit ungefähr 1635 in diesem Haus und nahm zwischen 1764 und 1780 den Namen 'Löwenapotheke' an. Die vor ihr stehende Pumpe war Treffpunkt der Pumpengemeinschaft und Nachbarn.

13. Ein Zeugnis für neuen bürgerlichen Wohnstil im Barockzeitalter verkörpert das dem Münstersehen Barockbaumeister G.L Pictorius zugeschriebene Backsteingiebelhaus Markt 13 von 1715, das in Anlehnung an Münsterische Vorbilder den neuen Typ des geräumigen Flurhauses mit günstiger Raumaufteilung verkörpert, Besitzer und vielleicht auch Erbauer ist ehemals die Bürgermeisterfamilie Storp gewesen. Im rückwärtigen Teil des Gebäudes zum 'Ort' hin hatte die Volksbank von 1911 bis 1954 ihr Geschäftslokal. Das Haus rechts daneben ist die 'Scharre' oder Fleischhalle der Metzger bis ins 19. Jahrhundert gewesen und seit 1420 hier bezeugt. Auch in Werktagskleidung mit 'Holsken' ist die Aufnahme 1875 ein neugieriges Vergnügen für Kinder und Erwachsene.

14. Neben seiner kommerziellen Funktion diente der Marktplatz seit alters auch als öffentliche Versarnmlungsstätte. Pflichtgemäß hatte sich hier jährlich bis 1803 die nach Straßenvierte1n gegliederte Bürgerschaft der Stadt zu den sogenannten Bürgersprachen an den Sonntagen nach Dreikönige (6. Januar), Johannis (24. Juni) und Matthai (21. September) einzufinden. Bis heute haben Vereinsumzüge und Prozessionen hier ihren Zielpunkt. Das im Oktober 1906 hier aufgestellte Kreis-Kriegerdenkmal war bis zur Einweihung des neuen Ehrenmals Zwischen den Emsbrücken 1925 jährlich Ort der Totenehrung. An nationalen Feiertagen trat auf dem Markt auch der Kriegerverein - wie hier im Bild zu Anfang der Weimarer Republik - mit seinen verschiedenen Formationen an.

15. Seinen Höhepunkt erlebt der Marktplatz bis heute jährlich an Mariä-Himmelfahrt (l5. August) und dem damit verbundenen Bürgerschützenfest. In stimmungsvoller Weise erleuchtete dann der seit dem Ende des 18. Jahrhunderts dort aufgestellte und zunächst mit Öllämpchen, dann mit Gasflämmchen illuminierte Marienbogen am Vorabend den Platz, über den sich - wie heute noch - die Menschen unter dem Klang von Marienliedern drangten. Die große Stadtprozession findet hier ihren Abschluß, und die Bürgerschützen veranstalten seit alters hier ihren abendlichen Zapfenstreich und ihre Königsparade, bei dem das 1848 gegründete Hellebardier-Corps mit seiner schmucken, mittelalterlich anmutenden Pracht ein besonderer Anziehungspunkt ist.

16. Seine Hauptfunktion erfüllte der Marktplatz an den wöchentlichen Markttagen und außerordentlichen Jahrmärkten. Die Marktordnung von 1714 bestimmte, daß vor dem Rathaus zwischen Kirchhof und Hauptwache alle Waren zum freien Verkauf und Handel auszulegen sind, Heu und Stroh jedoch auf dem Heumarkt. Entsprechend fand der Schweineverkauf auf dem Schweinernarkt, der Pferdehandel auf dem Kriekmarkt (Krückenmarkt) statt. Ab 1826 wurde vor dem Münstertor ein neuer Marktplatz angelegt, auf den zunächst die Viehmärkte, nach 1945 auch die Wochenmärkte verlegt wurden. Auch die Kirmeß wurde vom Marktplatz umgesiedelt. Heute hat der moderne Verkehr weitgehend vom Markt Besitz ergriffen und den Platz seiner eigentlichen Funktionen beraubt.

17. Das im Oktober 1906 auf dem Marktplatz aufgestellte Kreis-Kriegerdenkrnal war dem Andenken der Gefallenen der Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 gewidmet, zu denen auch die in Warendorf in Garnison liegenden Soldaten ausgerückt waren. Nach der feierlichen Enthüllung des Denkmals bemerkte Joseph Klostermann in der von ihm herausgegebenen 'Warendorfer Rundschau', einer damals wegen ihrer zeitkritischen Einstellung recht weit verbreiteten Zeitung, die sich einer 'bekwemen' Rechtschreibung bediente, über das Löwenantlitz: der Künstler habe bei seinen Besuchen im Weinzimmer des Klubhauses die herrschende Schicht in Warendorf offenbar erkannt und deshalb dem Löwen mit vollem Recht die unverkennbaren Züge eines Schafes gegeben. 1935 wurde das Denkmal in den Schützenpark verlegt, der Bronzelöwe im Krieg eingeschmolzen.

Warendorf.

Kreis.Kriegerdenkmal.

18. Wie eine friedvolle Insel bietet sich der lindenbestandene Platz um die Alte Kirche dar, den das Rathaus rechts vom Markt- und Straßenverkehr abschirmt. Bis 1810 wurden hier die Toten des großen, bis 1678 auch Sassenberg umschließenden Kirchspiels bestattet. Das in den dreißiger Jahren in die Kirche versetzte sogenannte Sassenberger Kreuz steht hier noch auf der Nordwestecke des Kirchhofs, der bis 1828 mrt einer hohen Steinmauer an der Nord- und Ostseite urnzogen war. Ihr Abbruchmaterial verwandte man im gleichen Jahr zum Neubau des Gymnasium Laurentianum, dessen erstes Gebäude 1681-1827 links hinter der Treppe auf dem Zuweg zur Kirche stand, die sich hier mit ihrem 1913/14 erbauten neuen Portal zeigt. Die 1834 errichtete kleine Kirchhofsmauer wurde 1969 umgestaltet.

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