Warendorf in alten Ansichten

Warendorf in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Paul Leidinger
Gemeente
:   Warendorf
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2820-9
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Warendorf in alten Ansichten'

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aufgestockt wurde, seitdem als Schule, seit 1964 auch als Stadtbibliothek diente und 1976 abgebrochen wurde. 1909 wurde der Stadtgraben zugeschüttet und teils als Schulplatz hergerichtet. Über die Dächer hinweg grüßt der mittelalterliche Turm der Neuen Kirche mit seinen 1870 aufgesetzten neugotischen Spitztürmen. Stadtauswärts führt der Weg durch das Marienfelder Tor auf den nach dem Preußischen König benarmten 'Friedrich-Wilhelm-Platz", später kurz als Wilhelmsplatz bezeichnet. Er wurde 1824 als neue Marktstätte für die großen Vieh- und Jahrmärkte angelegt und diente seit 1826 auch dem im gleichen Jahr gegründeten Preußischen Landgestüt als Reitplatz. Er präsentiert sich hier mit den nach 1888 gepflanzten jungen Linden und den zum Fettmarkt polternden Pferdefuhrwerken.

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Wilhelmplatz mit )Iark zene

116 l

40. Neben den regelmäßigen Wochenmärkten sind seit alters in Warendorf auch die großen Jahrmärkte zu Matthäi (21. September), Judica (der zweite Sonntag vor Ostern), Exaudi (Sonntag vor Pfingsten) und Lucia (13. Dezember) bezeugt, zu denen 1657 noch der Fettmarkt als ausgesprochener Viehmarkt im Oktober kam. Die große Regionalbedeutung dieser Märkte mit dem Zuzug zahlreicher auswärtiger Händler machte es notwendig, sie außerhalb der Stadtmauern, wahrscheinlich auf den Flußwiesen vor dem Emstor zu veranstalten. Dies ist für den Spitaler Markt bei der ehemals am Breuelweg gelegenen Hospitalkapelle ausdrücklich bezeugt, darf aber wohl auch schon für den seit 1232 erwähnten MatthäiMarkt und die übrigen gelten. 1824 wurde der Jahrmarkt von dort auf den neuangelegten Wilhelmsplatz vor dem Münstertor verlegt, wovon die Ansicht von 1905 einen guten zeitgenössischen Eindruck vermittelt.

Warendorf

41. Der 1841 gegründete Bürgerschützenverein hatte sein erstes Vereinslokal beim ehemaligen Siechenhorst an der Landstraße nach Freckenhorst, der noch heute 'Alter Schützenhof genannt wird. 1871/72 erbaute der Verein den stattlichen neuen 'Bürger-Schützenhof' an der Chaussee nach Münster, die um 1890 noch ein von Automobilen nicht befahrener Landweg war. Damit wurde zugleich die Besiedlung des damals noch fast unbebauten Stadtfeldes vor dem Münstertor eingeleitet. Neben dem Schützenhof legte der Verein 1887 einen baumbestandenen Park an, in den er an der Ostspitze auch das Grundstück der dort befindlichen, aber kurz nach 1870 abgebrochenen Münsterkapelle einbezog. Das 1970 an den Möbelkreis verkaufte Haus verfügt bis heute über den größten Festsaal der Stadt, der jährlich am Bürgerschützenfest im August und zu Karneval seinen Höhepunkt erlebt.

42. Die schon bald nach der Stadtentstehung Warendorfs um 1200 am westlichen Ortsrand gegründete zweite Pfarrkirche St. Marien bestand seit dem späten Mittelalter aus einem einschiffigen gotischen Langhaus mit angesetztem Chor und einem wohl noch aus der Gründerzeit stammenden romanischen Turm. Die wachsende Seelenzahl der Gemeinde führte 1911/12 zu einem Neubau auf einem angrenzenden Gelande. Die seitdem leer stehende Kirche wurde 1927 bis auf den Turm abgerissen, der heute noch das Geläut der Pfarrei und in seinem Untergeschoß seit 1951 eine Gedenkstätte für die Toten der Kriege aufnimmt. Der vor der Kirche liegende Platz diente bis 1812 als Friedhof. Links geht der Bliek von der Hohen Straße in die Lange Kesselstraße.

43. Ein Bliek in das Innere der ehemaligen Marienkirche um 1911 zeigt, daß der einschiffige Bau für die mit der um 1870 einsetzenden Bebauung des Münstertores wachsende Seelenzah1 der Gemeinde schon bald viel zu klein gewesen sein muß, so daß ein Neubau erforderlich war, den viele Gemeindemitglieder außerhalb der Altstadt im Zentrum des Neubaugebietes wünschten. Die bei dem grofsen Stadtbrand von 1741 im Innern völlig zerstörte Kirche erhielt eine Barockausstattung, die aber 1882 bis auf Kanzel, Bänke und Orgel einer neugotischen Einrichtung weichen mußte. Das ehemals zwischen Chor und Schiff herabhängende 'wundertätige' Marienbild wurde beim Einbau des Ostfensters an die Nordseite verbannt. 1795 richteten die Truppen Preußens bei der Besetzung Warendorfs ein Magazin in der Kirche ein, die 1911 noch ein großer Kerzenleuchter erleuchtete.

44. Die nach den Plänen des Mainzer Dombaumeisters Professor L. Becker auf ehemaligem Gelände des Klosters Vinnenberg an der Borcherdingerstraße erbaute Marienkirche konnte nach gut einjähriger Bauzeit am 15. August 1912 eingeweiht werden. Der mit dem Chor nach Westen gerichtete neuromanische Bau sollte nach Osten ursprünglich einen Doppelturmabschluß erhalten, was aber den Abbruch der dort seit 1861 gelegenen Elernentarschule für beide Pfarreien voraussetzte. Diese erwarb die Pfarrgemeinde zwar 1911 von der Stadt, wich aber erst 1958 einer Kirchenerweiterung, nachdem sie zwischenzeitlich als Jugendheirn und 1938 kurzfristig als Museumsstätte gedient hatte.

Warendorf

Kesselstrasse m. d. Kreisgebäuden.

6109

45. Die bereits 1389 erwähnte 'Kettelstraße' trägt ihren Namen nach der kesselförmigen Fortifikation der Stadtbefestigung auf dem Gelande des dort 1828(30 errichteten Gymnasium Laurentianum. Auf dem Langen Kesselstraße lag ehemals der von Nagelsche Hof, auf dessen Grund 1772 ein klassizistischer Neubau mit Freitreppe erstand, den die preußischen Landräte von Twickel und von Wrede 1848 beziehungsweise 1880 als Wohn- und Verwaltungssitz erwarben, bis er irn Jahre 1900 durch Kauf in das Eigenturn des Kreises Warendorf als ausschließliches Verwaltungsgebäude überging. Die auf den nördlich anschließenden Gelande befindlichen Gademe wiehen 1902 dem Neubau der Kreissparkasse, die 1933 zugleich unter Fusion mit der Stadtsparkasse in das neue Gebäude an der Freckenhorsterstraße umzog. Das gegenüber liegende Eckhaus Nummer 5 wurde 1806 als Accisegebäude erbaut und 1816(20 zur Elementarschule umgestaltet.

46. Das 1675 auf der Grundlage einer mittelalterlichen Lateinschule gegründete Gymnasium Laurentianum gehört zu den wenigen alten Traditionsgymnasien in Westfalen, aus dem eine Reihe tüchtiger Schüler hervorgegangen sind. Von 1675 bis 1683 und wieder von 1753 bis 1820 wurde es von Franziskanern, die andere Zeit in städtischer Regie geleitet. Von 1875 bis 1974 war es staatlich. 1828 entschloß sich der Stadtrat trotz zunehmender gemeindlicher Verarmung zu einern repräsentativen klassizistischen Neubau am südlichen Stadtwall, gegen den Kritiker damals einwandten, daß er mehr Fenster als Schüler zähle und die städtischen Forsten und Finanzen ruiniert habe, Das 1857 und 1896 erweiterte Gebäude diente dem Laurentianum bis 1928, danach bis 1963 dem Marienlyzeum und hernach dem städtischen Bauamt und der Realschule. 1890 begann hier der Aufbau eines Museums. Die gleichzeitig als Aula dienende Turnhalle wurde 1896 errichtet und war nach der 1890 beim Lehrerseminar erbauten die zweite der Stadt.

47. Vor dem stolzen Gebäude des Laurentianum im Hintergrund nehmen sich 1910 die kleinen Gademe, zumeist traufenförmig zur Straßenseite stehende eingeschossige Wohnhäuser städtischer Unterschichten wie Tagelöhner, kleiner Haushandwerker, Tuchweber und Baumseidenmacher, bescheiden aus. Sie konzentrierten sich in den Nebenstraßen und Hintergassen der Stadt: an der Lilienstraße, am Ostwall und Münsterwall. In den Lampen wie auch an der Kurzen Kesselstraße, fehlten dagegen an den Hauptstraßen fast ganz. 1662 waren von den über sechshundert Wohnhäusern der Stadt mehr als dreihundert Gademe, davon nur vierunddreißig in Eigenbesitz der Bewohner, die anderen waren von der städtischen Oberschicht, vor allem von Tuchhändlern als Kapitalanlage und besonders für angeworbene Zuarbeiter erstellte Miethäuser. Im 19. Jahrhundert dienten sie vielfach auch als 'Studentenquartiere' für Warendorfs Gymnasiasten, die mit ihren bunten Mützen die Straßen bevölkerten.

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König - Strasse,

48. Die Karte von 1900 läßt die kommerzielle Bedeutung der Königsstraße damals erkennen. Zugleich zeigt sie die abwechslungsreiche GiebelsteIlung der Häuser zur Straßenseite hin, die im wesentlichen den in Warendorf am meisten vertretenen Typ des Wohndeelenhauses verkörpern. Es ist durch die ebenerdige Lage und eine hohe und relativ geräurnige Deele charakterisiert, die handwerklicher Arbeit genügend Raum bot, um 1900 aber zumeist zu einem Geschäft mit Schaufenstern umgestaltet wurde. Die Raumenge Warendorfs zwang im Gegensatz zu vielen kleineren Orten wie etwa Freckenhorst, Telgte, Drensteinfurt dazu, die Wohndeelenhäuser entweder mit Speicherstock (drittes Haus von links) zu versehen oder zweigeschossig auszubauen. In seinen verschiedenen Ausgestaltungen war das Wohndeelenhaus vor allem bürgerlicher Wohnsitz des Handwerkers.

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