Weidenau in alten Ansichten

Weidenau in alten Ansichten

Auteur
:   Horst F. Kesper
Gemeente
:   Weidenau
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0829-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Weidenau in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Im Siegerland gibt es zwar keinen Ort, der urkundlich vor 1067 erwähnt worden ist, dennoch haben in den vergangenen Jahrzehnten Ausgrabungen sehr deutlich gemacht, daß eine Besiedlung schon in prähistorischer Zeit erfolgt sein muß. Eisenschmelzstätten aus der Latènezeit lassen erkennen, daß bereits in vorchristlicher Zeit Hüttenleute Eisenerz aus dem Boden geholt und geschmolzen sowie weiterverarbeitet haben. Man glaubt sogar Anhaltspunkte dafür gefunden zu haben, daß Wieland der Schmied sein Schwert im Siegerland gefertigt hat.

Die älteste Erwähnung des Ortsnamens Weidenau ist in einem Verzeichnis von Würdtwein zu finden, das den Umfang kirchlicher Abgaben ausweist: demzufolge hat das Anwesen im 13. Jahrhundert aus vier Bauernhöfen bestanden. Rund zwei Jahrhunderte später, im Jahre 1461, waren zwölf Steuerpflichtige, das waren etwa sechzig Einwohner, in Weidenau seßhaft.

Im Siegerländer Eisenerzbergbau nahm die Region um Weidenau eine Sonderstellung ein, Hier müssen in der Gemarkung zwischen Sieg und dem Unterlauf der Ferndorf bereits um Christi Geburt Hüttenleute die reichen Eisenerzvorkommen genutzt haben. Zahlreiche Pingen und verlassene Stollen weisen auf rege Tätigkeit auf dem Gebiet des Bergbaus hin, Im 15. Jahrhundert hat sich vor allem rund um den Haardter Berg eine ungewöhnlich große Zahl von Blashütten gebildet. Es waren dies die Hütten vor der Tiefenbach, Müsenershütten, vor der Haardt, die Geisweider und die Birlenbacher Hütte, Arbeitsplätze und Schlackenhalden von frühmittelalterlichen Waldschmieden finden sich vor allem im Weidenauer Tiergarten, aber

auch an den Hängen der Lauseiche, des Setzer Köpfchens und des Rabenhains.

Die Menschen müssen in jener Zeit an den Hängen der bewaldeten Höhen gesiedelt haben, weil sich die Talaue dazu nicht eignete. Sie war bis ins Mittelalter hinein recht sumpfig, eine mit Weiden bestandene Au, die von dem Wasser der Flüsse Sieg und Ferndorf immer wieder überschwemmt wurde.

Im 15. Jahrhundert, als irn Gebiet Weidenau drei Hofpächter und neun Kleinbauern sowie ein Schmied (1469) registriert sind, kam es zu einer bahnbrechenden Veränderung in der Technik der Eisenverhüttung, Lange Zeit hatten die Schrniede Blasebälge eingesetzt, dann machte man sich das fließende Wasser zunutze. Mit Hilfe der wasserbetriebenen Blasebälge konnte man weitaus höhere Temperaturen erreichen. Das Ergebnis war flüssiges Roheisen, das durch erneutes Verhütten, das 'Frischen', in Eisen verwandelt wurde. An den größeren Bachläufen wurden jetzt Blashütten gebaut, die Vorläufer der Hochöfen, sowie Hamrnerhütten, in denen das Eisen verarbeitet wurde.

Gerade im Weidenauer Raum konnten sich die Schmiede den Wasserreichtum zunutze machen. Im 15. Jahrhundert entstanden an Sieg und Ferndorf sieben Hammer- und zwei Blashütten, eine Dichte, wie man sie sonst nirgendwo im Siegerland fand. Im Jahre 1417 werden erwähnt: die Fickynhutte, die Selchenshutte, in der 1445 im Auftrag des Grafen und der Stadt Sicgen dreißig eiserne Geschütze gegossen wurden; der Hammer in Schneppenkauten, der Haardter Hammer, die Müsenershütte und der Hammer vur dem eynoit haben 1444 existiert. 1467 wird die Boschgotthardshütte und etwas später der

Pusch Heynmans und Sleyfenbaums hamer genannt. Im Jahre 1566 zählten das Dorf Weidenau und die sieben Hüttensiedlungen bereits 47 Familien und 286 Einwohner. In Weidenau lag der Durchschnittswert eines Hauses mit Stall und Zubehör bei 56 Gulden, was deutlich den wirtschaftlichen Aufschwung dieses Gebiets durch die wachsende Industrialisierung verdeutlichte.

Im Dreißigjährigen Krieg grassierte in Weidenau die Pest, die in den Jahren nach 1626 zwei Drittel der Bevölkerung dahinraffte. Im Jahre 1706 zählte man wieder 93 Familien, also doppelt soviele wie 1566.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erschütterten politische und konfessionelle Querelen den Raum. Dabei wurde Friedrich Flender vor der Haardt am 29. März 1707 in Siegen enthauptet, weil der Weidenauer Führer eines Aufstandes gegen Steuererpressungsversuche des Fürsten Wilhelm Hyazinth(l699-1743) war, und versuchte, sich gegen fürstliche Despotie zu wehren. Gebaut wurde damals auch die 'Kunststraße' Elberfeld-Frankfurt, von der die Weidenauer profitierten, denn über diese Verkehrsader rollte der Handel zwischen den Niederlanden und Mittel- beziehungsweise Süddeutschland. Sechs von acht Weidenauer Eisenhütten lagen an dieser Fernstraße, über die die Harnrner-Erzeugnisse ins Bergische und Märkische Land gebracht wurden. Holzkohle aus dem Olper Bereich und später Ruhrkohle kamen auf diesern Weg nach Weidertau.

Das 19. Jahrhundert war geprägt von fundamentalen Umstrukturierungen. Die alte 'Hütten- und Hammerherrlichkeit' ging zu Ende, die veralteten Hammerwerke wurden von Puddel- und Walzwerken abgelöst.

Große Eisenwerke (Rolandshütte, Bremer Hütte), Walzen- und Stahlgießereien schossen aus dem Boden. Die Bevölkerungszahl wuchs nun stetig: 181 8 wurden 1 192 Einwohner gezählt, 1864 waren es 2 084,1895 kam man auf 6 212, und im Jahre 1900 belief sich die Einwohnerzahl auf 7078. Mit kaiserlichem Erlaß vom 21. Juli 1888 wurden die sieben aus Hüttensiedlungen erwachsenen Ortschaften in die Gemeinde Weidenau einbezogen. Im Jahre 1938 verlor auch Boschgotthardshütten seine Selbständigkeit und wurde nach Weidenau eingegliedert.

Das 20. Jahrhundert war gekennzeichnet von einem deutlichen Rückgang der Eisenerzgewinnung. Nach dem Ersten Weltkrieg schlossen zum Beispiel die Grube Nordstern und die Grube Freizeche ihre Pforten. Der Niedergang des Siegerländer Eisenerzbergbaus war schließlich nicht mehr aufzuhalten. Verkehrsferne von den Industriezentem an Rhein- und Ruhr, hohe Kosten beim Abbau und fehlende Konkurrenzfähigkeit zu den hochwertigen ausländischen Erzen ließen den einheimischen Bergbau erlöschen. Nach über 100jähriger Existenz fuhren die Bergleute 1961 in der Grube Neue Haardt ihre letzte Schicht. Die 400 Mann starke Belegschaft hatte aus 1 000 Metern Tiefe monatlich 11 000 Tonnen Eisenerz ans Tageslicht gebracht.

Weidenau ist jedoch ein Zentrum der Eisenverarbeitung geblieben. Am 23. April 1955 wurden der Gemeinde die Stadtrechte verliehen. Im Jahre 1966 bildete sie mit knapp 20 000 Einwohnern das Zentrum der neu gebildeten Stadt Hüttental, die wiederum 1976 in der Großstadt Siegen (l18 000 Einwohner) sufging.

1. Einen recht plastischen Eindruck von Weidenau als der Stadt mit einer über jahrhundertealten Eisenindustrie vermittelt diese Ansicht, die um 1900 aufgenommen wurde. Rauchende Schlote beherrschen das Bild in der engen Industriegasse zwischen Sieg und Ferndorf. Meist handelte es sich um die lahrhundertwende um Klein- und Kleinstbetriebe, in denen zwölf Stunden täglich harte Arbeit geleistet wurde. Das Bild wurde von der späteren Hindenburgstraße aufgenommen. Im Zentrum erkennt man den Bahnhof mit seinen zwei Giebeln, dahinter das Werk Hesse und Schulte (SEAG). Rechts ragen die Schornsteine von 'Freetzes Denge' und der Rolandshütte in den HimmeL

2. Lange Zeit war der Bismarckplatz - rechts neben dem weißen Haus in der linken Bildecke ~ der Treffpunkt der Weidenauer Jugend. Denn dort konnten die fußballbegeisterten 'Wätze' dem runden Leder nachjagen, ohne daß man sie gleich anpfiff. Im Jahre 1907 wurde der 'Verein für Bewegungsspiele Weidenau' gegründet, der sich vor allem auf Fußball konzentrierte. Die Wasserläufe wurden auch rund um Weidenau oft gestaut. Man nutzte die Wasserkraft zum Antrieb der schweren Eisenhämmer bei der Eisenverarbeitung, bewässerte aber auch Wiesen damit, um mehrere Heuernten zu erhalten. Das Bild zeigt im rechten Teil das Sieg-Wehr und im Hintergrund die Grünflächen des noch unbebauten Giersbergs.

3. Vom Tiergarten aus hatten Spaziergänger einen schönen Bliek auf Weidenau. An den Bismarckplatz (in der Bildmitte) wurde eine Turnhalle gebaut, in der der Turn- und Sportverein 'Auf den Hütten' Weidenau, der bereits seit 1885 besteht, seine Übungsstunden abhielt. Die Bismarckhalle wurde später umgestaltet und diente dann vor allem kulturellen Veranstaltungen. Am Bismarckplatz stand aber auch der Steigerturm der Feuerwehr, ein vierstöckiges Gebäude, das ein Zentrum der Männer in der 'blauen Uniform' war. Über die Rolandshütte geht der Bliek zum Haardter Berg, Engsbacher Berg und zum Neuen Feld, das noch unbebaut war.

4. Die Freiwillige Feuerwehr von Weidenau hat bereits eine lange Tradition. Auch als es vor sieben Jahrzehnten noch längst keine motorisierten Löschfahrzeuge gab, existierten bereits Gerätehäuser, in denen die Spritzenwagen standen. Diese Aufnahme entstand im Jahre 1908 und zeigt die Weiden au er Wehrleute in ihren eleganten Uniformen vor dem 1900 gebauten Gerätehaus an der Siegstraße/Ecke Stockweg. Branddirektor war damals E. Klotz, der sich auf eine Truppe zuverlässiger Feuerwehrleute stützen konnte.

5. Brandkatastrophen erschütterten die Bevölkerung zu allen Zeiten. Um die Jahrhundertwende herrschten auch in Weidenau Fachwerkhäuser vor, bei denen die Flächen zwischen der Balkenkonstruktion mit hölzernem Flechtwerk und Lehm ausgefüllt waren. Wenn Häuser in Brand gerieten, griff das Feuer nicht selten auch auf Nachbargebäude über. So geschah es auch am 9. Mai 1896 auf der Meinhard, wo fünf Wohnhäuser ein Raub der Flammen wurden. Die Weidenauer Feuerwehr, die inzwischen über einhundert Jahre lang besteht, versuchte zwar noch zu retten, was zu retten war, doch auch sie hatte Mühe, der Feuersbrunst Herr zu werden.

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6. Im Jahre 1894, als dieses Foto entstand, herrschte in Weidenau noch keine qualvolle Enge. Die Menschen konnten sich noch in grüner Umgebung in ihren Wohngebieten bewegen, wenn auch die Industrialisierung langsam einsetzte. Der Spaziergänger, der um die Jahrhundertwende seine Schritte zum Engsbacher Berg lenkte, hatte diesen Panoramabliek. An der heutigen Albertstraße befand sich - ganz links im Bild - die Lohgerberei, in der mit Eichenrinde Tierhäute gegerbt wurden. Im Hintergrund erkennt man die Rolandshütte.

7. Die Rolandshütte reichte mit ihrern Gelände bis an die Siegstraße. Hinter dem Werksgelände schlossen sich Wohngebiete an. Das Gebäude mit dem aufgesetzten Turm ist die Weidenauer Kapellenschule, die 1843 gebaut wurde. Es handelte sich allerdings nicht um die erste Schule in Weidenau, Denn bereits im 16. Jahrhundert, so kann man aus der von der Nassau-Siegen'schen Regierung erlassenen 'Ordnung und Bestallung deutscher Schulen in den Flecken, Dörfern und Städten' entnehmen, muß wohl schon eine Schule bestanden haben, bei denen der Küster zugleich Lehrer war. Im Jahre 1626 wurde erstmals urkundlich die Existenz einer Weidenauer Schule nachgewiesen. Weil die Rolandshütte die Kapellenschule von drei Seiten umgab und auf der östlichen Seite die Kleinbahn Weidenau-Deuz vorbeiführte, wurde das Gebäude 1910 für 20 000 Mark verkauft.

8. Und so sah die Kapellenschule aus, wenn man sie von der Siegstraße aus betrat. Es handelte sich um ein zweistöckiges Gebäude, mit einem Raum für vierhundert Besucher im Untergeschoß. Dort mußten die Weidenauer Lehrer abwechselnd am Sonntag einen Lesegottesdienst abhalten. Ober dem Kapellenraum befand sich das Klassenzimmer, in dem bis zu achtzig Mädchen und Jungen unterrichtet werden konnten. Als 1884/1885 die evangelische Kirche gebaut worden war, wurde der Kapellenraum in einen Schulsaal und einige Wohnungen umgebaut. Die oberen Schulräume wurden am 1. Mai 1886 der neu gegründeten Rektoratschule gegen einen Mietzins von zweihundert Mark überlassen. Drei Mädchen und zwanzig Jungen waren die ersten Schüler.

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