Wentorf in alten Ansichten

Wentorf in alten Ansichten

Auteur
:   Hans Erwin Krause
Gemeente
:   Wentorf
Provincie
:   Schleswig-Holstein
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1630-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Wentorf in alten Ansichten'

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VORWORT

Als Kinder pflegten wir uns mit einem amiisanten Gesellschaftsspiel zu unterhalten, einer Art 'Blinde Kuh', genannt 'Wo bin ich? ': Auf die ständig wiederholte Frage eines Einzelspielers: 'Wo bin ich? ' gaben seine Mitspieler der Reihe nach ein winziges Detail eines von innen vereinbarten Ortes oder Raumes preis, indem sie antworteten: 'Icb sehe ein(e} ... ', bis der 'Blinde' erkannt hatte, 'wo er sicb befand'.

Mit seiner neuerlich gestellten Frage: 'Wo bin ich? ' unternahm der Verfasser den Versuch, dem, was in historischer Riickbesinnung auf Wentorfs jiingste Vergangenheit nur in nebelhafter Überlieferung und in unsicheren Vermutungen hier und dort auftauchte, festere Umrisse und Odem zu verleihen. Das aber konnte ihm nicht gelingen ohne die Hilfe seiner (vornehmlich älteren) Mitbürger, die ihm noch 'letzte Reste' vergilbter Postkarten und Erinnerungsfotos borgten oder sich gelassen den vielen Eragen stellten (wofiir ihnen allen aufrichtig gedankt seil].

Die gebündelten Ansichten und Schilderungen fiigten sicn zusammen zu einem Bild, bei dessen flüchtigem Anblick der vereinsamte, streß- und lärmgeplagte Menseli geradezu in Verziickung geraten muß. Doch der Schwärmer sei gewarnt: Seine Flucht in die 'dárfliche Idylle' ist eine falsche Romantik. Sein Traum, einmal wieder natiirlicb leben zu wollen 'wie damals', bedeutet zugleich Verzicht auf Komfort, Entsagung der Freizeit und Preisgabe seiner Unabhängigkeit,

Wie also sah es seinerzeit aus in Wentorf?

WENTORF - VOM BAUERNDORF ZUM VORORT IM GRÜNEN

Noch um die Iahrhundertwende bot sich dem Gast das friedliche Bild eines geschlossenen Bauerndorfes dar, dessen fünfzehn Höfe in dichtem Kranz den Anger umspannten. Die von Süd nach Nord führende kurze Hauptstraße veranschaulichte gleichsam ihre Gewichtigkeit durch das schwere 'KattenkoppPlooster' , dem einzigen Pflaster in der Ortschaft. Dieser Luxus hatte denn auch dort sein Ende, wo die Landwege nach Reinbek und Wohltorf begannen. Beiderseits der Hauptstraße standen hochgewachsene Linden, die überragt wurden durch die Spitzgiebel der dahinterliegenden mächtigen Hufnerhäuser. Topographisch bedingt, waren diese aus wirtschaftlichen Gründen baulich so ausgerichtet, daß die 'Grootdöör' jeweils nach Osten wies, der Feldmark zu (Feldstraße, Moorkoppel, Auf dem Heidcamp). Im Norden und Westen umschloß den Ort eine Hügelkette mit alten Buchen- und Eichenwaldungen (Sachsenberg, Hochweg, An der Hege, Waldweg sowie Am Haidberg, Am Fuchsberg, Bergkoppel, Am Gehölz), dieweil im Süden - jenseits der Chaussee von Schwarzenbek nach Bergedorf - in den sumpfigen Wiesen der 'Bek' sich die Schweine suhlten (Am Schulenbrook). Weitaushalend drehten sich die riesigen Flügel der Windmühle an der Hamburger Landstraße. Hier, an der Chaussee, ging es lebhafter zu als im Dorf. An dessen südlichem Rande hatte sich niedergelassen, wer

immer sich von der wichtigen Verkehrsader Einnahmen versprach: Zwei Gasthöfe, die zum 'Ausspannen' einluden, zwei Huf- und Wagenschmiede, zwei Bäcker, ein Schlachter, ein Maurer und je ein Zimmerer und Stellmacher; und in einem Katen konnte man gar ein 'Colonialwaren- und Feuerungsgeschäft' ausmachen. Unweit davon, der Feldmark zu, lag am Rande ein ansehnlicher Dorfteich (Am Grotensahl, Teichstraße). Brüllend stand das heimkehrende Vieh im Wasser und soff sich satt, ungeachtet des Fuhrmanns, der sich davon nicht abhalten ließ, unmittelbar daneben sein Gespann samt Kastenwagen zu schwemmen. - Probleme gab es inbezug auf Straßen und Wege: Sie zu betreten, 'wenn im Herbst und im Frühjahr der Lehm blühet', war ein privates Abenteuer; und wer sich bei 'schaurigem' Wetter aufmachte, um seine Sippschaft im entfernten Wohltorf zu besuchen (zu Fuß, versteht sichl), der mußte stark genug sein, sein Weibstück zeitweise 'auf den Arm zu nehmen' oder gar auf den Schultern zu tragen. Kehrte er dergestalt des Abends dennoch fröhlich singend heim, mußte er gewärtig sein, daß sich ihm der Nachtwächter wehrend entgegenstellte. Ruhe war die erste Bauernpflicht! Denn morgens früh um vier Uhr begann der Arbeitstag, und der endete erst bei Sonnenuntergang. Kein Wunder, wenn es bei den Dorffestlichkeiten zu Pfingsten hinter den bleiverglasten Fenstern der Schenken ausgelassen zuging; man hatte schließlich einigen Nachholbedarf!

Kaum zu glauben, daß der Landweg nach Norden

schon nach zwei Kilometern in eine von Grund auf andersartige Welt führte. Die Schönheit des hügel- und waldreichen Billetals loekte schon früh wohlhabende Bürger der benachbarten Großstadt. Nicht gering war alljährlich die Zahl der Hamburger, die mit Pferd und Wagen oder per Dampfzug nach Wentorf kamen (das nahe gelegene Reinbek war seit 1846 Haltepunkt der Eisenbahnstrecke Hamburg-Berlin), um 'am Bus.en der Natur' auszuruhen und in weitbekannten Etablissements wie 'Hotel Karlshöhe', 'Hötel Nancythal' oder 'Kurhötel Jaegersbronnen' sich ländlichen Genüssen hinzugeben.

Die Wentorfer Bauern, denen dieser sand-, lehm- und sumpfreiche Boden wirtschaftlich wenig Ertrag einbrachte, nutzten die Gunst der Stunde und setzten ihren dort gelegenen Besitz in bare Münze um. Gutbetuchte Großkaufleute, Juristen und Bankiers aus Hamburg erwarben auf den bewaldeten Höhen über dem Mühlenteich sowie im idyllischen Billewinkel ausgedehnte Grundstücke und ließen dortselbst hochherrschaftliche Villen errichten, deren Stil und Ausmaße von Wohlstand an Gütern und Kultur zeugten. Der Bauboom, der auch die benachbarten Orte Reinbek und Bergedorf erfaßte, löste einen Zustrom von Handwerkern und Gewerbetreibenden aus (Gärtnerstraße), die sich kolonienartig am Reinbeker Weg niederließen. Das somit sich entwickelnde 'Neu-Wentorf' leitete einen Strukturwandel ein, der dem einst stillen lauenburgischen Bauerndorf allmählich die Züge eines Hamburger Vorortes im Grünen verlieh.

1. 'Heimkehrender Bauer', so möchte man dieses nahezu romantische Bild benennen. Es ist Ludwig von Have, der mit seinem Gespann von der Koppel am Hohenstein (heute Truppenübungsgelände) heimfährt zu seinem väterlichen Hof im Dorf. Wieviel Poesie liegt in dieser Darstellung! Der leider nicht mit Sicherheit zu bestimmende Fotograf hat augenscheinlich das Wesen dieser rustikalen Landschaft erfaßt und mit der Kamera meisterhaft wiederzugeben vermocht (siehe auch die Bilder Nr. 23 und 30). Bäume, Sträucher, Felder sowie das Gefährt auf staubigem Wege: alles ist dazu angetan, ein Echo in der Seele des Betrachters zu wecken.

2. Zwischen Höppnerallee und Mühlenstraße erhob sich einst auf dem 'Kattenhoop' an der Chaussee nach Bergedorf eine prächtige Windmühle. Errichtet hatte sie 1873 der mecklenburgische Müller August Höppner im Stil einer holländischen Kornmühle. Neun Jahrzehnte lang war die 'Wentorfer Mühle' für unsere ländliche Gemeinde Wahrzeichen und Visitenkarte zugleich; denn Fleiß und Qualität verhalfen ihr zu weitem Ansehen. Auf unserem Bild staffeln sich hinter Höppners Geschäftsführer und Nachfolger Heinrich Manow (rechts, mit seiner Tochter Käthe) der Getreidespeicher, - und jenseits der Chaussee - das Wohnhaus (heute Hotel Hubertus) sowie die Brotfabrik. Die Mühle (eine der letzten des Landkreises!) wurde 1962 abgerissen.

3. August Höppner hinterließ keine Erben und verkaufte die Mühle 1896 an seinen 'jungen Mann', Heinrich Manow (hier im 'Stuhlwagen' mit Frau Frieda und Söhnen Herbert und Robert), der - in Reinbek gebürtig - mit vierzehn Jahren noch die Kühe gehütet und mit vierzig Jahren seinen ganzen Besitz (Müllerei, Mehlproduktionshandlung und Bäckerei) um zehn Filialen von Aumühle bis Hamburg erweitert hatte. Das Brot aus der 'Wentorfer Mühle' genoß einen guten Ruf: Jahrelang ließ sich der Dichter Gerhart Hauptmann sein Brot von Wentorf nach Agnetendorf im Riesengebirge schicken - und seine Excellenz, der österreichische Botschafter aus Wien seine 'Backwaren' nach Berlin.

4. Der Straßenname 'Wischhoff verrät, daß hier einst eine Hofstelle gestanden hatte: der 'Wiesenhof' (etwa auf der Höhe der heutigen Hausnummer 2), dessen Ländereien sich erstreekten bis an das im Westen gelegene Gehölz - in alten Verträgen als das 'Lustholz' bezeichnet. Der Hof hatte Zufahrt sowohl von der Hauptstraße als auch von der Chaussee nach Bergedorf. Dennoch wurde die Hofstelle Mitte des vergangenen Jahrhunderts verlegt auf die Südseite der Chaussee - unweit der später errichteten 'Wentorfer Mühle' -, bis der Klühn'sche Hof (siehe Bild) 1937 dem Bau der Bismarck-Kaserne zum Opfer fiel. Übriggeblieben ist lediglich die reetgedeckte Kate, die ehemalige Bleibe der Altenteiler, die in die Kasernenanlage einbezogen wurde.

5. Hatte man auf der Chaussee - dorfeinwärts fahrend - zur Linken das Gehölz passiert, stieß man auf zwei massive Gebäude: den weit ausladenden Hof des Mannes, der am Ort über den größten Landbesitz (63 Hektar) verfügte. Ursprünglich standen Haus und Hof des Bauern Friedrich Gross an der Hauptstraße (heute Bäckerei Flindt). Nachdem 1911 das Wohnhaus durch Blitzschlag eingeäschert wurde, verlegte Gross den Hof an die Chaussee. Im Bild sehen wir die Rückseite des Anwesens, aufgenommen von der Hauskoppel. Seit 1970 steht an der Stelle der Scheune (links) der Gebäudekomplex der FernsprechVermittlungsstelle Wentorf. Das Gebiet rechts davon - das Wohnhaus wurde 1978 abgerissen - hat die Katholische Kirchengemeinde erworben.

6. Als 1878 die gerade vor drei Jahren errichtete 'Wentorfer Mühle' abbrannte (A. Höppner ließ sie wieder aufbauen), wurde zugleich die von Bäckermeister Christian Voß gepachtete Mühlenbäckerei vernichtet. Voß erwarb zwischen Sandweg und Zollstraße eine Koppel und errichtete eine eigene Bäckerei. Einen 'Großbetrieb' gewohnt, ließ er die täglich anfallende Menge an Teig (Elektrischen Strom gab es zu der Zeit noch nicht irn Dorf!) mechanisch kneten - dergestalt, daß er vor dem Hause ein Pferd am 'Göpel' kreisen ließ, welcher durch eine Transmission die Knetmaschine in der Backstube antrieb. Nicht wenig stolz auf den Laden sind Ehefrau Magda1ene und ihre Söhne Wilhelm (Stellmacher) und Hugo (Bäcker und Nachfolger).

7. Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts nahm der Landverkehr zwischen den Städten Ratzeburg und Bergedorf immer größere Ausmaße an, so daß Meister Gedemann in seiner Dorfschmiede an der Berliner Landstraße die Wünsche der Durchreisenden und die seiner Stammkundschaft alleine nicht mehr zu befriedigen vermochte. Da ließ sich 1899 unmittelbar neben dem 'Ausspann' des Gasthofes 'Zum alten Zollhaus' an der Hamburger Landstraße der Schmiedemeister Friedrieh Lippe nieder und eröffnete dort die zweite Schrniedewerkstatt des Ortes (heute Drogerie Sanmann). Frau Martha, Töchter 'Klein Illy' und Mariechen sowie ein schmuckes Haus bezeigen, daß er sieh zweifelsohne hier sein Glück geschmiedet hatte.

8. 'Du liebes altes Haus!": so möchte man das ehemalige 'Zoll-Etablissement' ansprechen, das - seit Ausgang des 16. Jahrhunderts als 'Zollstelle' auf der Nordseite der Chaussee gelegen - 1817 an dem Platz des heutigen Gasthauses' Zum alten Zollhaus' (neu) errichtet wurde. Wenn Steine reden könnten! Durch seine Lage am Grenzübergang vom Herzogtum Lauenburg zum den Hanseaten gehörenden benachbarten Bergedorf an der alten Frachtstraße, die von Posen, Berlin, Mecklenburg über Schwarzenbek nach Hamburg führte, war es Wentorfs Kronzeuge einer Jahrhunderte langen bewegten Vergangenheit. Nach Fertigstellung der neu gebauten gepflasterten Chaussee wurde es 1840 zwischen Zollscheune und Krug erweitert durch den Anbau für den Chausseegeld-Einnehmer.

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