Wernigerode in alten Ansichten

Wernigerode in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Georg von Gynz-Rekowski
Gemeente
:   Wernigerode
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5165-8
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Wernigerode in alten Ansichten'

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Wernigerode

in alten Ansichten

Dr. Georg von Gynz-Rekowski

W .... IE "MÄMALS REIHE

ISBNIa: 90 288 5165 8 ISBNI3: 978 90 288 5165 8

© 1991 Europäische Bibliothek - ZaltbommeliNiederlande © 2010 Reproduktion vom 2. Druck aus 2001

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EINLEITUNG

Unverändert durch alle überschaubare Zeit steht am Markt in der Mitte der Stadt das Rathaus, als eines der schönsten Deutschlands heute gerühmt, in Nutzen und Aussehen aber doch in den Jahrhunderten verändert. 1277 erstmals als 'girnnasium vel theatrurn', zu deutsch ein Spielhaus, für die Bürger zu Fest, Tanz und Verhandlung. Das Rathaus hatte dicht daneben, an der Ostseite des Marktes gestanden, aber wurde 1528 im großen Stadtbrand vernichtet, daher ab 1540 das Spielhaus als Rathaus verwendet.

In Bild und Text bieten doppelläufige Treppe, Windbretter und Saumschwelle am Fachwerkgeschoß stichwortartig die Geschichte des Hauses und vom Anfang der Stadt, Auf der Treppenbrüstung in Stein das Stadtwappen, Stadtmauer mit drei Türmen, darunter im Dreipaß eine liegende Forelle. Diese eine Forelle ist aus dem über dem Portal aufgezeichneten Wappen der Grafen von Stolberg- Wernigerode genommen. In je einem Feld befinden sich dort zwei Forellen, hier heraldisch verkehrt, da korrekt senkrecht zueinander stehend, daneben ist ein Hirsch, auch hier heraldisch nicht zutreffend, da die Hirsche in heraldischer Linksrichtung gehen müssen. Darüber in römischen Zahlen die Jahreszahl1420. Doch 1427 wäre zutreffender, da in jenem Jahr der letzte Graf Heinrich von Wernigerode das Spielhaus aus gräflichem in städtischen Besitz übergab. Mit seinem Tod

am 3. Juni 1429 erlosch die Familie im Mannesstamm. Durch Erbvertrag zuvor war die Grafschaft Wernigerode schon den Grafen zu Stolberg übergeben worden. Im nun gültigen Allianzwappen der Grafen von Stolberg und Wernigerode einen sich die zwei Forellen, Wappentiere der Wernigeröder Grafen, mit dem Hirsch, Wappentier von Stolberg. 1117 noch Grafen von Haimar bei Hildesheim, urkundet ein Adalbert Graf von Wernigerode erstmals 1121 für 'unser Stadt und Schloß Wernigerode'. Viel größer war der Besitz anfangs nicht. Erst 1343 kamen durch siegreichen Kampf gegen die benachbarten Grafen von Regenstein 23 Dörfer hinzu, um die dann fortfauernde Größe der Grafschaft zu gewinnen, die 1876 ein preußischer Kreis wurde.

Auf der Saumschwelle lautet die eingeschnitzte Bauinschrift: Complet. per. Thomas Hilleborch. anno. M. CCCC.XCVlll. die. viti. buhern. hinr. kimen. h. het. Der Bau wurde vollendet durch Thomas Hilleborch im Jahr 1498 am Tage Viti. Die Bauherren waren Heinrich Kirnen und H. Heteier. Auf dem längst vorhandenen erhöhten Erd- und Kellergeschoß, darin der Weinkeller, wurde 1494-1498 das Fachwerkgeschoß aufgebaut, mit dem steil abfallenden Walmdach und den beiden Erkertürmen. Das für den Stadtanfang entscheidende Datum liegt im Tagesdatum: am Tag des heiligen Vitus (Veit). Das ist der 15. Juni, Sterbetag des Heiligen, der später vor allem als Schutzpatron gegen Fallsucht, Epilepsie, angerufen wurde, mit dem Schutzmittel des Veitstanzes. Von S. Denis bei Paris überführte 836 die Reliquien des Vitus Abt warin in sein 822 angelegtes Kloster Korvey. Mit dem Vitus-Namen im Patrozinium führen die Kirchengründungen in Mission und Kolonisation von Korvey nach dem Nord- und Südharz, so auch im 9. Jahrhundert zu dem hier nahe gelegenen Kloster Drübeck. Von

diesem gehen die Vitus-Namen an Kirchen und Flurbesitz nach Wernigerode. 'Um eines Gelübdes willen' unternimmt die Stadt Wernigerode bis zur Reformation alljährlich Wallfahrten nach einer Vitus-Kirche hinter Drübeck. Die erste kirchliche Gründung unmittelbar vor Wemigerode hatte ihren ursprünglichen Vitus-Namen verloren, als sie dem vor den Mauem der Stadt stehendem Georgii-Hospital angeschlossen wurde, dem heiligen Georg als Schutzpatron der im Hospital aufgenommenen Leprosen, an Aussatz Befallenen, seit dem 13. Jahrhundert.

Von Drübeck kommend rodeten Mönche des Klosters Korvey oder deren Beauftragte den Wald auf einer kleinen Höhe inmitten der heutigen Stadt und nannten diese Rodung in die Ehre ihres 856 gestorbenen Abtes Warin 'Waringrode', in dieser ältesten Schreibweise für das Jahr 936 in zwei Chroniken verzeichnet. Der von Haimar nach Wemigerode übergesiedelte Graf Adalbert schreibt seinen neuen Sitz und Besitz 1121 bereits 'Adelbertus comes de Werniggerode', dabei die damals zeitübliche Schreibung von 'ng' als 'gg'.

Die erste kirchliche Gründung noch vor der Gründung von Wernigerode steht noch, an der Straße von Drübeck her, genau an der Vereinigung der beiden die Stadt durchfließenden HarzbächeHoltemme und Zillierbach, wobei 'Holt/holz' den Wald meint, lateinisch 'amnis', den Waldbach. 'Zillier', wie der nahe Dorfname Zilly mit Wasserburg beziehen sich auf 'sil', der Wassergraben. Forst, Bergwerk und Hüttenwerke bestimmen das frühe Wirtschaftsbild des Ortes, noch ausgeprägter in dem nach Westen vorgelagerten Ort Hasserode, 'Hartesrode' seit dem 9.110. Jahrhundert, als Rodung im Harz. Auf die Höhe, auf der Wernigerode gegründet wurde, erhebt sich noch, wenn auch abge-

flacht gegenüber früher steilerer Anlage, nach unbekanntem Vorgängerbau Wernigerodes Hauptkirche, daneben der Nachfolgebau der ersten gräflichen Burg, einer Flachburg mit Wall und Graben. Hier, vom ursprünglichen Haufendorf aus, begann die planmäßige Erweiterung der Stadt, getragen von der wirtschaftlichen Kraft der Kaufleute, speziell der Tuchmacher, in deren Hand die Grafen 1229 das Goslarsche Stadtrecht legten.

Wie üblich bei der alten Bauweise der Häuser aus Holz zerstörten verschiedene Stadtbrände die Stadt, so in den letzten Jahrhunderten 1528, 1751 und 1847, desgleichen Wasserfluten bis über den Anfang dieses Jahrhunderts. Auch allgemeiner Prosperität gleich blühte Wemigerode am stärksten in den Gründerjahren auf. Zwischen 1871 und 1914 verdoppelte sich sowohl die bebaute Stadtfläche wie auch die Einwohnerzahl, letztere von 10 000 auf 20 000 Personen. Auch gleich anderen Städten am Nordharzrand nahm Wernigerode neben vielfacher Industrie den Charakter einer 'Pensionopolis' an, dem Ruhesitz höherer Beamter, Offiziere, Pfarrer und Ministerialbeamter, nicht nur architektonisch vom noch fürstlich bewohnten Schloß überragt. Als Ruhepunkt und auch als Ausgangspunkt für Harzwanderung bildet sich vom Ende des 19. Jahrhunderts an ein Schwerpunkt des Fremdenverkehrs, gefördert noch durch die 1899 angelegte Harzquer- und Brockenbahn. Besuchten schon früher, auch gekrönte Häupter die Stadt, steigt in Zahl und Würde zumEnde des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Wemigerode bot sich als arbeitende, festliche und zur Erholung einladende Stadt.

1. Im Jahre 1860 steht das Rathaus in der kurz vor 1700 veränderten Form, daß an der linken Seite eine Erweiterung für die preußische Steuerverwaltung angebaut wurde, ein Fachwerkbau mit unmittelbar an das Hauptdach anschließendem Schrägdach. Dahinter schließt links der Markt mit einem Geschäftshaus ab, mit hier typischen erkermäßigen Schaufenster rechts der Tür. Hinter dem rechten Erkerturm des Rathauses blickt die Spitze der barocken Turmhaube von S. Sylvestré hervor, die 1869 mit dem ganzen Turm abgebroehen wurde. Rechts des Rathauses, mit großer Toreinfahrt und Schild darüber, das Hotel 'Gothisches Haus', 1848 als solches aus früherem Patrizier-, dann Kaufmannshaus eingerichtet, im noch unveränderten Zustand seit dem Umbau 1540, 1426 erwähnt als 'das große Haus am Markt'. Der Marktbrurmen wurde 1848 auf Beschluß von Bürgern gesetzt, nicht nur als Zierde des Marktes, sondern als inschriftlich so ausgewiesenes Denkmal 'Den Wohltätern der Stadt', darum mit 25 Namensschildern der Wohltäter von 1553 an.

2. Im Jahre 1873 erfährt das Rathaus einen sehr unglücklichen Umbau, sowohl in der äußeren Form wie in der Einrichtung. Der linke Anbau wird abgerissen, die dortige Fassade verbleibt schmucklos gemauert und verputzt. Im Fachwerkgeschoß wird der seit der Spielhauszeit vorhandene Festsaal entfernt, durch aufgeteilte Büroräume ersetzt. Das zuvor zwischen den Erkertürmen vorhängende Dach wird auf ganz durchgehende Linie verkürzt. Herausragende Schomsteinköpfe verunzieren das Dachprofil. Rechts ist unverändert 'Hotel Gothisches Haus', auch links das Geschäftshaus. In seiner Ecke zum Rathaus ist im dunklen Profil der auf dem Erdboden stehende Bürgermeistererker zu sehen, mit der Jahreszahl1584.

3. Das äußere Bild des Rathauses belebt sich wieder durch den 1911 erfolgenden Erkeranbau links über dem Eingang zum Ratskeller. Der Architekt arbeitete aber ungenau. An der Originalfassade zum Markt hin fügen sich die Andreaskreuze in den Brüstungsfeldern, die x-förmigen Kreuze nach dem Vorbild des Marterkreuzes fürden heiligen Andreas, in geschwungenen Balken. Der Neubau setzt gerade Balken ein. Grundlegend veränderte sich 1897 das 'Gothische Haus'. Nur das Fachwerkobergeschoß zeigt sich noch original. Das Erdgeschoß erhält eine neue Fassade im zeitgemäß historisierenden neugotischen Stil. An der linken Seite des nun auch neugotischen Tors ist jetzt eine Gedenktafel angebracht: 'In diesem damals Reifensteinschen Hause fand Philipp Melanchthon mit Angehörigen und Freunden nach der Schlacht von Mühlberg am 17. Mai 1547 und etliche Tage darnach eine freundliche Zuflucht.' Wilhelm Reifenstein und Philipp Melanchton waren einander befreundet.

4. Mit der baulichen Renovierung 1936-1939 erhält das Rathaus die bis heute gültige und unbestreitbar schönste Gestalt seit überschaubarer Zeit. Genau nach dem Vorbild .der Nordfassade zum Markt hin erhält die Ostfassade auch Fachwerkgefüge, auch mit Figuren auf den Knaggen. Der Festsaal wird wieder eingebaut. Das Geschäftshaus an der Ostseite wird abgebrochen, an dessen Stelle die Kreissparkasse im Fachwerkstil des 17. Jahrhunderts erbaut. Auf dessen Dach wird der Bürgermeistererker von 1584 aufgesetzt, nun wirklich der Sitz des Bürgermeisters. Auch die Westseite erhält eine neue Gestaltung. Nach altem Bautyp wird die hier anschließende einstige Ratswaage im Erdgeschoß nun steinern massiv gefüllt, das Obergeschoß in Fachwerk aufgeführt. Bestehen nun fast zwei Drittel des Rathauses von 1939, so sind sie in nichts von dem fünfhundertjährigen Baubestand zu unterscheiden.

5. Bei der Renovierung 1908 wird auf eine leer stehende Knagge, den Stützbalken des Balkenköpfs, eine neue Figur angebracht, mit Stock und Tasche als 'Wanderer' betitelt, damit völlig unsinnig innerhalb der 32 Knaggenfiguren, die seit 1498 bestehen. Ihr herrschendes Thema ist dem Spielhaus gemäß der Karneval, die Fastnacht. Das Vorbild zu diesem Figurenschmuck sah Wernigerode am 1461 erbauten Spielhaus in Halberstadt. Dort repräsentieren 42 Figuren den Karneval, gemischt dem toleranten Geistverständnis entsprechend mit Heiligen und Geistlichen. Narren, Tänzer, ein mit Siegespokal ausgezeichnetes Tanzpaar, Musiker, ein sich küssendes Paar füllen den Reigen der Fastnacht, hier wie in Halberstadt, Nur wurde das Halberstädter Spielhaus 1945 total bombenzerstört. Es erhielt sich nur die Kopie in Wernigerode. Die Ostfassade brachte 1939 neue Handwerkerfiguren.

6. Mit den Hausnummern Markt 6-8 stehen bis 1897 drei in Reihe einander anschließende Fachwerkhäuser, nach dem Stadtbrand von 1528 erbaut, ungefähr an Stelle des alten Rathauses. Hochangesehene Persönlichkeiten der Stadt hatten diese Häuser besessen und bewohnt. Der Inhaber des Geschäfts an der linken Ecke, Carl Hildebrand, übernahm den ganzen Häuserkomplex und ließ ihn 1897 total abbrechen und an dessen Stelle den schon damals 'Wolkenkratzer' genarmten kolossalen Bau errichten, in durchgehend einheitlicher Fassade in zeittypischer Mischung von Jugendstil und Historismus. Über dem mächtigen Eingang in der Mitte wurde zuerst eine Loggia eingebaut, später bis auf den heutigen Tag eine verdeckte Veranda. Der Begriff der Denkmalspflege orientierte damals noch nicht.

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