Wesselburen in alten Ansichten

Wesselburen in alten Ansichten

Auteur
:   Volker Schulz und Rüdiger Möller
Gemeente
:   Wesselburen
Provincie
:   Schleswig-Holstein
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6609-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Wesselburen in alten Ansichten'

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26 Postelsche Mühle

Die alte Postelsche Mühle in der Bahnhofstraße wurde im Iahre 1823 errichtet und trug den Namen 'Elsabea'. Nachdem sie 89 Iahre lang treu ihren Dienst getan hatte, wurde sie abgebrochen. Betrübt meldete die örtliche Zeitung am 13. März 1912: 'Ein StückchenAlt-Wesselburen verschwindet in diesen Tagen von der Bildfläche; die alte Mühle beim Bahnhof, die seit fast einem Jahrhundert dieser Gegend ein charakteristisches Landschaftsbild gab.'

In der Folgezeit verschwanden die meisten Mühlen in der Umgebung, da sie unrentabel geworden waren. Das heutige Landschaftsbild desWesselburener Umlandes wird weitgehend von Windkraftanlagen bestimmt, die jedoch den Charme der alten Mühlen vermissen lassen. So wünschenswert die Nutzbarmachung der Windenergie auch ist, aber die in ihrer Rentabilität umstrittenen Anlagen haben durch ihre hohe Anzahl das Erscheinungsbild der Marsch nachhaltig verändert, und nicht alle Menschen können dem sogenannten Windpark einen angeblich ästhetischen Reiz in der von flacher Marsch geprägten Küstenlandschaft abgewinnen.

Heute befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Postelschen Mühle dasWohn- und Geschäftshaus der Firma Knauf.

Parallel zur Straße führten die Schienen der Spurbahn vom Wesselburenerkoog zur Zuckerfabrik.

27 Hebbelhaus

Das Hebbelhaus an der Süderstraße gehörte dem Besitzer der Zuckerfabrik Robert Schröder. Hier war bis kurz nach der Jahrhundertwende die 'Herberge zur Heimat' , in der Wanderarbeiter Unterkunft erhielten.

Schröder schenkte das Gebäude im Iahre 1898 dem Ort Wesselburen, der die Herberge zunächst bestehen ließ und einige Räume der Wesselburener Guttemplerloge zur Verfügung stellte.

Die Guttempler hatten sich dem Kampf gegen den Alkoholismus verschrieben und konnten zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in Wesselburen zahlreiche Mitglieder gewinnen. Von Ianuar bis Oktober 1898 stieg die Zahl der Mitglieder in derWesselburener Loge von 34 auf 70. Nach der Jahrhundertwende existierten schon mehrere Logen in der Stadt. Als Gegenleistung für die Nutzung des Gebäudes und die jährliche Subvention durch die Stadt, übernahmen die Logen notwendige Reparaturen. Die Kosten für die Erhöhung desVorderhauses wurden ebenfalls von ihnen getragen.

Guttempler waren es auch, die den Enthaltsamkeitsverein 'Dramatik' gründeten. DieserVerein brachte erstmals Werke von Friedrich Hebbel in Wesselburen auf die Bühne.Am 12. März 1905 wurde 'Maria Magdalena' vor etwa siebenhundert Zuschauern gegeben. Aber auch in

Heide, Büsum, Melderf Lunden und Neuenkirchen traten die Mitglieder in der Folgezeit auf, und es waren nicht zuletzt diese Aufführungen, die das Interesse an Hebbel in dessen Heimat beträchtlich vergrößerten.

Logenbrüder trugen im ersten Iahrzehnt des 20. Iahrhunderts zahlreiche Hinterlassenschaften, Dokumente und andere Dinge, die zu Leben und Werk des großen Dichters in Beziehung standen, zusammen. Dadurch wurde der Wunsch geweckt, all dies der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Am 18. März 1911 wurde schließlich im Obergeschoß der 'Herberge zur Heimat.' das Hebbel-Museum eingerichtet, das bereits eine beträchtliche Sammlung von Ausstellungsstücken aufweisen konnte. Das Hebbelhaus beherbergte das Museum bis zum Iahre 1952, als dieses in die alte Kirchspielvogtei in der Österstraße verlegt wurde.

Heute dient das Gebäude als Versammlungssaal und Stadtbücherei und ist Sitz des Fremdenverkehrsbüros.

28 Bahnhofstraße

Auch in der Bahnhofstraße entstanden vor dem Ersten Weltkrieg prachtvolle Villen. Das linke Gebäude steht auf dem Gelände der ehemaligen Postelschen Mühle und wurde von Wilhelm Lass erbaut. Seit 1949 ist diese repräsentative Villa Sitz der Landhandelsfirma KnaufKG. Das rechte Haus wird Mohrsche Villa genannt, da es von dem Landwirt Wilhelm Mohr errichtet wurde. Das Gebäude, das lange Zeit im Verfall begriffen war, wurde inzwischen von derWesselburener Arztfamilie Ziggert erworben und grundlegend renoviert.

Die Villen in der Bahnhofstraße sind ein Beispiel für den Wohlstand der Hofbesitzer aus der UmgebungWesselburens, die sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Iahrhunderts häufig derartige Bauten als Altersruhesitz in der Stadt leisten konnten.

Zu Beginn der 1970er Iahre wurde die Bahnhofstraße mit der Dohrnstraße, in die sie auf Höhe des Hebbelhauses übergeht, ausgebaut und verbreitert. Diese Infrastrukturmaßnahme stand in direktem Zusammenhang mit dem 1973 fertiggestellten Eidersperrwerk, dem damals größten Küstenschutzbauwerk Europas. Durch diese neue Eiderquerung hatte sich Wesselburen auf einen ansteigenden Durchgangsverkehr einzustellen, womit die Verantwortlichen der Stadt die Hoffnung verbanden, durch neue

Zubringerstraßen den Ort aus seiner abseitigen Verkehrslage herauszubringen. DiesemAusbau fielen die alte Friedhofskapelle, so mancher Vorgarten und alle alten Grundstückseinfriedigungen zum Opfer.

Ende Oktober 1974 wurde die neue Ortsdurchfahrt vom damaligen Landesminister für Wirtschaft und Verkehr

Dr. Westphal eingeweiht.

In den Sommermonaten ist diese Straße stark befahren, da sie eine wichtige Verbindung von der Autobahn zum Nordseebad St. Peter-Ording darstellt.

29 Bahnhof

Der stattliche Wesselburener Bahnhof wurde im Herbst des Iahres 1 878 zusammen mit der Bahnstrecke HeideWesselburen eingeweiht. Bis 1883 blieb Wesselburen Endstation, danach rollten die Züge über Süderdeich, Reinsbüttel und Osterhof weiter bis nach Büsum, das damit als erstes schleswig-holsteinisches Nordseebad eine Eisenbahnanbindung erhielt. Den frühen Anschluß an das Eisenbahnnetz verdankte Wesselburen nicht zuletzt der im Ort ansässigen Zuckerfabrik, deren Besitzer zusammen mit fortschrittlichen Bürgern dieses Projekt nachhaltig förderte.

Auffallend ist die hohe Anzahl von Bahnbediensteten, die für den reibungslosen Betrieb der Station zuständig waren. Stolz posierte man für die Kamera, schließlich war mit dem Beruf des 'Eisenbahners' durchaus Ansehen in der Bevölkerung verbunden. Heute steht an dieser Stelle ein Fahrkartenautomat.

Im Dezember 1977 wurde der größte Teil des Bahnhofes mit dem zweistöckigen Hauptgebäude auf Veranlassung der Bundesbahn abgerissen. Das geschah, ohne daß die Stadt Wesselburen vorher informiert wurde, was auf Seiten der Bevölkerung für Empörung sorgte. Man befürchtete bereits die völlige Stillegung der Strecke HeideBüsum und war erst beruhigt, als die Bahn die Restgebäu-

de 1 978 durch einen neuen Außenanstrich renovieren ließ.

Heute ist jedoch von dieser Maßnahme nicht mehr viel zu erkennen, das Bahngelände macht einen ungepflegten Eindruck, die Gebäude weisen sichtbare Zeichen des Verfalls auf, so daß der einst stolze Wesselburener Bahnhof einen traurigen Anblick bietet.

30 Zuckerfahrik

Die Zuckerfabrik hatte großen wirtschaftlichen Einfluß auf die Entwicklung Wesselburens. Sie wurde im Iahre 1869 van dem Belgier Charles de Vos gegründet. De Vos, der bereits die Zuckerfabrik in Itzehoe besaß, hatte überall in Schleswig-Holstein Versuchsfelder mit Zuckerrüben anlegen lassen. Dabei stellte er fest, daß in der Nordermarsch zwischen Heide und Büsum Zuckerrübenpflanzen gediehen, die einen sehr hohen Zuckergehalt aufwiesen. Die daraufhin gebaute Zuckerfabrik war das modernste derartige Werk in Schleswig-Holstein und beschäftigte in der Saison etwa dreihundert Arbeiter. Die zu verarbeitenden Rüben stammten von etwa 1 100 ha Anbaufläche, die der Fabrik gehörten oder von ihr gepachtet wurden. Es gab auch Zuliefererverträge mit Bauern der näheren Umgebung.

Die Arbeiterschaft rekrutierte sich vorwiegend aus Personen, die in den Ostprovinzen Ostpreußen und Posen angeworben wurden. Hinzu kamen Arbeiter aus Schweden, nach 1890 auch aus Polen und Rußland. Da diese Arbeitskräfte untergebracht werden mußten, gehörten zur Fabrik auch Wohngebäude, die sogenannten Schnitterkasernen. Arbeiterunterkünfte dieser Art gab es in Wesselburen, auf dem großen Gut Osterhof und in Wesselburenerkoog.

Bei den Arbeitern handelte es sich vorwiegend um Saison-

kräfte, die nach der Zuckerrübenkampagne wieder in die Heimat reisten. Es gab aber auch Familien, die sich in Wesselburen und Umgebung niederließen. Das waren meist Personen deutscher Abstammung aus der Provinz Posen, also preußische Staatsbürger. Die Ansiedlung von Polen und Russen wurde von den Behörden oft verhindert.

Vielfältig waren die Auswirkungen der Fabrik auch auf die anderen Gewerbe in Wesselburen, die zum Beispiel durch den Anstieg der Einwohnerzahl und den Anschluß an das Eisenbahnnetz profitierten.

Die Verleihung der Stadtrechte im Iahre 1899 wäre wohl ohne die vorangegangene Ansiedlung der Zuckerfabrik kaum vorstellbar gewesen.

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