Wesselburen in alten Ansichten

Wesselburen in alten Ansichten

Auteur
:   Volker Schulz und Rüdiger Möller
Gemeente
:   Wesselburen
Provincie
:   Schleswig-Holstein
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6609-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Wesselburen in alten Ansichten'

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36 Monarchen vor dem Ost-Pastorat

Zum Stadtbild Wesselburens gehörten bis in die frühen dreißiger Iahre des 20. Jahrhunderts die sogenannten 'Monarchen'. Bei ihnen handelte es sich um Wanderarbeiter, die sich zur Erntezeit auf dem Wesselburener 'Menschenmarkt' einfanden, um sich den Bauern oder Dreschmaschinenbesitzern der Umgebung für landwirtschaftliche Arbeiten anzubieten.

Unter der Gruppe derWanderarbeiter stellten die Monarchen allerdings eine Besonderheit dar. Die Mehrheit bestand aus gestrauchelten Existenzen, die meist dem Alkohol verfallen waren und das schwer verdiente Geld in den Wesselburener Gaststätten noch am Abend des Zahltages 'verflüssigten'. Ihr Wandergebiet reichte von Fehmarn bis an die Westküste hinauf nach Tondern, wobei ihr Weg nach Norden mit dem Reifeprozeß des Getreides einherging. Die Bezeichnung Monarchen erhielten sie wohl, weil sie aus aller Herren Länder (Monarchien) zusammenströmten. Sie selbst führten diese Benennung nicht ohne Stolz, fühlten sie sich doch in ihrem Lebenswandel frei und als Könige der Landstraße. Seinen wahren Namen kannte oft nur der Monarch selbst, doch unter ihren Spitznamen, wie Schrubber-August, Rappelpummel oder Martin Kiwitt, waren sie in der ganzen Umgebung bekannt. In ihren Reihen befanden sich neben

ungelernten Arbeitern und ehemaligen Strafgefangenen nachweislich auch Adlige, die von ihren Familien verstoßen worden waren, und Menschen, die studiert, aber im Leben nicht den rechten Halt gefunden hatten. Innerhalb dieser bunt zusammengesetzten Gruppe gab es jedoch Regeln und eine Art Ehrenkodex, auf dessen Einhaltung geachtet wurde. Bekannt wurde der Spruch 'Eine Garbe ist Pflicht, zwei sind erlaubt, aber drei sind verboten!' . D.h., kein Monarch solle damit prahlen, er könne drei Garben Stroh gleichzeitig auf die Forke nehmen, was zu Nachteilen für die schwächerenArbeiter geführt hätte. Um die zahlreichen Monarchen in Wesselburen und Umgebung wollte man sich in der Wesselburener 'Herberge zur Heimat' kümmern, wo ihnen Unterkunft undAufenthalt bei alkoholfreien Getränken geboten wurde. Allerdings scheiterte dies einerseits am mangelnden Zuspruch, andererseits am Widerstand der Wesselburener Gastwirte, die die Monarchen als lukrative Geldquelle ansahen.

Viele Anekdoten über die Monarchen sind in Wesselburen noch im Umlauf, die zwar einhellig diese Menschen als Trunkenbolde, jedoch fast durchweg als liebenswerte

und harmlose Gesellen schildern, auch wenn ihnen

in den zeitgenössischen Zeitungen viele Eigentumsdelikte zur Last gelegt wurden.

Um 1920 begann die Zahl der nach Wesselburen strömenden Monarchen zu schrumpfen. Der Menschenmarkt hatte immer geringeren Zulauf, was man wohl auch auf technische Verbesserungen in der Landwirtschaft zurückführen kann. Mit demAufkommen des Nationalsozialis-

mus verschwanden die Monarchen endgültig von den Straßen, da Betteln und Landstreicherei nun konsequent verfolgt wurden. Mancher von ihnen mag seßhaft geworden sein, von vielen verliert sich jede Spur.

37 Billard-Club

Das Billardspiel erfreute sich in Wesselburen zu Beginn des 20.Jahrhunderts großer Beliebtheit. DieseAufnahme entstand wohl um 1910 und zeigt die Mitglieder des Billard-Clubs, natürlich ausnahmslos Herren, die im Garten der Gaststätte 'Hohenzollern' in der Süderstraße posieren. Die einzige Dame auf dem Foto ist Helene Gosch, die Gattin des Besitzers Fritz Gosch, der die Gaststätte am 1. April 1903 eröffnet hatte.

Das 'Hohenzollern' wurde von den Billard-Spielern bevorzugt, auch wenn zeitweise andere Lokale mit der Aufstellung von Spieltischen warben. Der geräumige Sitzungssaal, den Gosch eigens für die Bedürfnisse der Wesselburener Vereine eingerichtet hatte, mag bei der Wahl eine Rolle gespielt haben. Hier wurden Turniere gegen Spieler aus umliegenden Ortschaften abgehalten, aus denen die Wesselburener meist als Sieger hervorgingen.

Gern sah dasWesselburener Publikum auch professionellen Billardkünstlern zu, die aufEinladung des Clubs vorwiegend aus Hamburg anreisten und hier ihr Können zeigten. Wesselburener Spieler beteiligten sich auch sehr erfolgreich an größeren Turnieren in Heide, bei denen wertvolle Schraubqueues als begehrte Preise winkten.

38 Schützenfest

Im Iahr 1921 fand auf dem Sportplatz ein großes Schützenfest statt. Zu Beginn der zwanziger Iahre erhielt der Schützenverein in Wesselburen unter dem Vorsitz des Weinhändlers August Kragge vermehrt Zulauf. Mitte des Iahres 1921 gab es 71 Mitglieder, am Jahresende waren es bereits 90 aktive Schützen, die dem Verein angehörten. Ein Grund für diesen Anstieg lag sicherlich in der neu angelegten Schützenhalle mit ihrem gut ausgestatteten Schießstand.

Für die Finanzierung des Neubaus, die man im Ianuar 1921 auf so 000 Mark schätzte, hatten sich die Schützen zur Zeichnung von Aktien bereit erklärt. Bereits im Februar stand genügend Kapital zur Verfügung, so daß der Bauunternehmer Nagel mit der Errichtung des Komplexes beginnen konnte.

Rechtzeitig zum großen Sport- und Schützenfest am

18. und 19. Juli 1921 konnte der Bau fertiggestellt werden. Diese Veranstaltung war ein sportliches Großereignis. Neben zahlreichen Turn- und Schießwettbewerben gab es Fußballspiele und Ringreiten. Viele Vereine der umliegenden Gemeinden beteiligten sich bei prächtigem Wetter daran, und nie zuvor hatte der 1913 eingeweihte Sportplatz am Lallfuß ein Fest dieser Größenordnung erlebt.

Es dauerte übrigens einige Zeit, bis sich die Einwohner-

schaft für den Fußballsport begeistern konnte. So klagte die örtliche Zeitung noch am 26. März 1921, daß man in Wesselburen weder richtige Fußballkunst noch eine erstklassige Mannschaft erleben könne, weil dem 1 913 gegründeten Verein keine Unterstützung von angesehenen Persönlichkeiten entgegen gebracht werde. Vielmehr zeige das hiesige Publikum immer noch eine gewisse Abneigung gegen diesen Sport. Allerdings konnte man dieses Vorurteil in der Folgezeit bekämpfen, der Fußballsport wurde immer populärer, und heute ist die Begeisterung der Einwohner für ihren Verein 'Blau-Weiß Wesselburen' groß.

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